Shibari in Wien: Fesseln und Schweben

Macht, Lust, Ästhetik – wer will, kann sich ab nun auch in Wien japanisch fesseln lassen

Da es sich beim modernen Shibari um japanisches Bondage handelt, wird es meist mit einem BDSM-Kontext in Verbindung gebracht. Obwohl man Shibari-Techniken auch für SM-Handlungen verwenden kann, geht es hier aber nicht um Lack, Leder oder Schmerzen. Um diese Kunst zu praktizieren, braucht es eine spezielle Ausrüstung (z. B. dafür eigens behandelte Naturfaserseile) und fachmännisches Wissen.

Die Ursprünge der heute praktizierten Shibari-Techniken reichen weit in die japanische Geschichte zurück. In Wien gibt es seit Mai 2011 einen Verein, den „Shibari Kinbaku Dojo Vienna“, der die modernsten, aktuellsten und sichersten Techniken im Zusammenwirken mit internationalen Fesselkünstlern lehren möchte. Das wichtigste Ziel sei, Shibari vom „Schmuddelimage“ zu befreien, auf ein gesellschaftlich anerkanntes Fundament zu stellen und die artistischen, künstlerischen, sportlichen und meditativen Komponenten in den Vordergrund zu rücken.

Macht und Erregung
Shibari wird aufgrund von verschiedensten Motiven praktiziert. Die Beweggründe der zu fesselnden Personen (sie werden Bunny genannt) können das Genießen von Auslieferung und Kontrollverlust, der Ästhetikaspekt einer schönen Fesslung, die Symbolik der Macht und der lustvollen, spielerischen Unterwerfung, das Gefühl einer enganliegenden Fesslung und die damit verbundenen Emotionen oder auch ein Vertrauensbeweis dem Partners gegenüber sein. In der Praxis ist die Intention meist ein Konglomerat aus verschiedenen Beweggründen. Oft liegen die Gründe wohl auch auf unterbewusster Ebene. Die fesselnden Personen (Rigger) handeln meist aus Gründen der Macht- und Kotrolldemonstration heraus, stellen gerne ihre erlernten Fähigkeiten unter Beweis, haben Interesse am Seil und an der Seiltechnik und genießen die Nähe und Zweisamkeit zu ihrem Partner. Für beide Personen kann eine gewisse sexuelle Erregung entstehen.

Tiefes emotionales Empfinden
Wenn man Shibari-Praktizierende nach ihren persönlichen Beweggründen fragt, bekommt man die verschiedensten Antworten: „Für mich hat Shibari mit Kommunikation, Zweisamkeit, Meditation und Erotik zu tun“, meint ein 21-jähriges „Bunny“. „Vertrauen und Zuneigung in verschiedenen Formen ist dabei wichtig“, fügt die junge Frau hinzu. Auch für den 38-jährigen „Rigger“ Lenan ist die emotionale Nähe zum Partner besonders wichtig: „Die meditative Situation und das tranceartige tiefemotionale Empfinden beim Partner sind für mich von großer Bedeutung.“ Ästhetik, unterschwellige Sexualität, Faszination an den Seiltechniken und fotografisches Interesse sind weitere Punkte, die ihn an Shibari reizen. Die 30-jährige Judith ist sowohl „Bunny“, als auch „Rigger“. Für sie zeichnet sich eine gute Shibari-Session durch Hingabe und Energiefluss aus – „von aktiver und passiver Seite“. Der Reiz, Shibari zu praktizieren, sei, „dass es eine alternative Form von Begegnung und Sexualität ist: Rollenspiele, Technik und persönliche Weiterentwicklung sind ebenfalls interessante Aspekte.“

Augen schließen und sich fallen lassen
Das moderne Shibari teilt sich hauptsächlich in die beiden Bereiche „Hängebondage“ und „Bodentechniken“. Bei einer Hängebondage ist ein hohes Maß an Fitness bei beiden Partnern erforderlich. Es ist auch jene Richtung, die sich am besten für Vorführungen auf der Bühne eignet. Bodentechniken hingegen haben vor allem meditativen Charakter und lassen sich gut mit einem Partner in innigen Momenten praktizieren.

Nachdem eine Shibari-Session eine sehr stark von Emotionen geprägte Handlung darstellt, gibt es keinen vordefinierten Ablauf. Die Personen treffen sich in einer geeigneten Location und das Bunny wird vom Rigger kunstvoll und einfühlsam in ein Seilkunstwerk integriert. Während so einer Session geht es sehr ruhig und harmonisch zu. Die 32-jährige Kathi, die Bunny ist, beschreibt das so: „Meistens beginnt es mit einem sehr bestimmenden, festen Griff. Die Hände werden hinter den Rücken fixiert. Ich bin bereit mich fallen zu lassen, um aufgefangen zu werden, schließe meine Augen und überlasse mich einer ganz besonderen Person.“

Am 19. August 2011 wurden die Räumlichkeiten des „Shibari Kinbaku Dojo Vienna“ in der Robert-Hamerling Gasse 25, 1150 Wien, eröffnet, wo in Zukunft auch Shibari-Kurse stattfinden. Aktuell gibt es für Interessierte die Möglichkeit, Kurse oder Trainingsabende im SMart-Cafe (Wien) zu besuchen.

Artikel von Jasmin Linska

Titelbild: flickr.com/Kris Krug (cc)

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