Reiseguide: Nizza

Reisetipps für Nizza: Die türkise Seite von Frankreich kennenlernen

Die Côte d’Azur: Domizil der Prominenten und reichen Ruheständlern, beliebtes und überfülltes Urlaubsziel der Franzosen. Soviel zu den eher unbeliebten Fakten zur südfranzösischen Mittelmeerküste. Die Beliebtheit der Côte d’Azur bei den Reichen und Schönen mag den ein oder anderen urbanen Urlauber abschrecken, doch die französische Riviera ist nicht nur dem dicken Geldbeutel vorbehalten. Nizza eignet sich ideal für einen Côte d’Azur-Urlaub mit türkisem Meer, gutem Essen und als Ausgangspunkt für Tagesausflüge in die Umgebung.

Tipp 1: Ruhiger Strandurlaub? Hier sicher nicht
Ein Urlaub in Nizza sollte als Stadturlaub mit einer Abkühlungsmöglichkeit im Meer geplant werden. Der Strand in Nizza ist im Sommer mit Touristen überfüllt und lädt nicht unbedingt zum langen Verweilen ein. Empfehlenswert ist ein Strandbesuch am späten Abend, dann strömen die Touristen in die Restaurants und das Meeresrauschen kann in vollen Zügen genossen werden. So handhaben es auch einheimische Jugendliche, die es sich mit Wasserpfeife und Dosenbier bequem machen. Wer gerne sonnenbadet, kann auf die Strände von kleineren Nachbarorten ausweichen. Der Strand „Petite Afrique“ in Beaulieu-sur-Mer ist zum Beispiel nur 20 Minuten Busfahrt entfernt, hat einen feineren Steinstrand als Nizza, bietet auch Schattenplätze unter Bäumen und ist trotz seiner Beliebtheit bei Familien nicht überlaufen.

Tipp 2: Hinein in die Öffis!
Der gelernte Österreicher wird die Preise für öffentliche Verkehrsmittel kaum für möglich halten: Einen Euro pro Fahrt, egal ob nun vom Meer in die Innenstadt oder zwei Stunden Busfahrt nach Cannes. In Nizza selbst verkehren eine Straßenbahn und mehrere Buslinien. Als Kulturhochburg ist hier selbst die Straßenbahn eine Kunstinstallation: Entlang ihrer Strecke finden sich vierzehn Kunstwerke, etwa buntleuchtende Skulpturen von Jaume Plensa, die über dem Place Masséna thronen. Die Haltestellen-Schilder wurden mit philosophischen Sprüchen ergänzt und die Haltestellenansagen sind Klangcollagen, die je nach Tages- und Jahreszeit wechseln und die jeweilige Haltestelle akustisch interpretieren.

Tipp 3: Schlemmen was das Zeug hält!
Die Affinität für gutes Essen und hochwertige Produkte muss bei einem Nizza-Urlaub mitgebracht werden. Hier kann man nämlich verdammt gut speisen und das lässt man sich auch gern einmal was kosten. Das wissen natürlich auch die Restaurantbetreiber in Nizza und schwarze Schafe gibt es zuhauf, die für weniger gutes Essen viel Geld verlangen. Die schwarzen Schafe sind vor allem in der Innenstadt angesiedelt, es lohnt sich also, eher außerhalb essen zu gehen. Leicht zu finden und empfehlenswert sind Restaurants am Hafen. Wer beim Essen sparen möchte, kann sich entweder zuvor auf qype.com schlau machen oder auf Fast Food ausweichen. Wer sich nicht unbedingt von Burgern und Pizza ernähren möchte, kann heimische Spezialitäten genießen, also etwa Crêpes-Variationen, Socca (pizzaähnliches Gebäck aus Kichererbsenmehl) oder Pan-Bagnat (Sandwich aus Weißbrot mit verschiedenen Füllungen). Auch bei den Getränken lässt es sich sparen, hier ist es nämlich Usus, dass zum Essen eine Karaffe Leitungswasser gereicht wird. Außerdem bietet nahezu jedes Restaurant Mittags- und Abend-Menüs an, die den großen Hunger kostengünstig(er) stillen.

Außerdem sollte man unbedingt den „Cours Saleya“-Markt in der Fußgängerzone besuchen. Untertags lädt der Markt zum Schlemmen ein: Lavendel- bis Schokokekse, verschiedenste Käse- und Oliven-Sorten und frisches Obst und Gemüse machen den Markt nicht nur zum Geschmacks-, sondern auch zum Geruchserlebnis. Am Abend verwandelt sich der „Cours Saleya“ übrigens in einen Kunstmarkt.

Tipp 4: Unterhaltung all inclusive
Wer Urlaub in Nizza macht, wird zwar beim Essen und bei der Unterkunft etwas mehr Geld ausgeben müssen. Dafür ist für kostengünstige Unterhaltung gesorgt, teure Museen oder Sehenswürdigkeiten nur gegen Eintrittspreis gibt es hier nicht. Ganz im Gegenteil: Das Museum für moderne Kunst, kurz MAMAC, ist mit seinen rund 400 Werken von Niki de Saint Phalle, Andy Warhol bis Ben Vautier nicht nur äußerst empfehlenswert, sondern auch noch bei kostenlosem Eintritt zu besuchen. Der Burgberg Le Château bietet einen kostenlosen, traumhaften Ausblick. Wer nicht den steilen Weg zu Fuß nehmen möchte, kann auch gratis einen Aufzug nutzen. Auf Le Château gibt es übrigens auch eine mit Pinien bewachsene Parkanlage, die zum Relaxen im Schatten einlädt.

Auch am Abend muss man nicht unbedingt viel Geld in einem Lokal liegen lassen, man kann ihn genauso gut am Strand mit mitgebrachten Getränken genießen oder einfach durch die Straßen schlendern, die am Abend regelrecht pulsieren. Vor allem der Place Massena ist das Herz der Stadt, wo auch schon einmal ein gratis Rock-Konzert stattfindet. Von hier aus geht’s in die Rue Massena, die am Abend nicht nur gute Lokale bietet, sondern auch allerlei Straßenkünstler und junge Tanzgruppen.

Drei Insider-Tipps:
1. Wer sich als Einheimischer tarnen möchte, trägt ein Baguette unterm Arm. (Ja, dieses Klischee stimmt tatsächlich.)
2. Wenn du mit dem Bus Richtung Cannes oder Monaco unterwegs bist und bei einer Zwischenhaltestelle aussteigst, rechne für die Rückfahrt mehr Zeit ein. Die Busse sind dann nämlich mit Monaco- und Cannes-Tagesausflügern gesteckt voll und die Chauffeure lassen niemanden mehr einsteigen. Dann heißt es: Geduld haben und auf den nächsten Bus warten.
3. Ein Ausflug in die Hügeln Nizzas ist für nicht ganz so heiße Tage empfehlenswert. Ein schöner Ausgangspunkt ist zum Beispiel der Wasserfall von Gairaut (mit dem Bus erreichbar), entlang des Chemin de Gairaut kann man dann unter Feigen- und Olivenbäumen bis zur Avenue de Rimiez spazieren und den Ausblick genießen.

Was du auf keinen Fall machen solltest:
1. Wer sich vor 19:00 Uhr in ein Restaurant setzt, wird großes Unverständnis ernten. Denn die Küche schließt meist um 14:00 Uhr und öffnet erst wieder um 19:00 Uhr, auch wenn die Tische teilweise schon davor komplett gedeckt sind.
2. Bier trinken. Außer du kannst mit sieben Euro für das halbe Liter leben. An der Côte d’Azur trinkt man Wein und Wasser. Punkt.
3. Den Abend im Hotel verbringen. Die Stadt pulsiert, sobald die Sonne untergangen ist und die Touristen schlafen gegangen sind.

Titelbild: (c) Dominik Knapp


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Julia Staller war als Chefredakteurin und Chefin vom Dienst für mokant.at tätig.

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