Aufgeblättert: Philosophie für Verdorbene

„Essays über Pornografie“ von David Monroe

Kaum jemand der bei dem Gedanken an Sokrates, Platon & Co nicht anfängt zu gähnen. Für den Normalsterblichen sind philosophische Abhandlungen in der Regel nicht die erste Wahl um sich die Zeit und schon gar nicht um sich die Langeweile zu vertreiben. Wer greift schon abends im Bett zu Platons Politeia, wenn nur einen Klick entfernt Prince of Perversia oder Gay’s Anatomy warten? Nackte Geschlechtsteile aus nächster Nähe am Bildschirm begaffen und Lustkonzerten williger Porno-Sternchen lauschen, klingt doch nach wesentlich mehr Spaß als Kopfschmerzen bereitende Gehirnakrobatik mit vor Urzeiten verstorbenen Männern?!
Aber vielleicht vergessen wir dabei doch eines: die alten Griechen waren nicht nur Freunde der Weisheit, sondern auch bekennende Anhänger der körperlichen Freuden und Gelüste. Dass dieses freundschaftliche Verhältnis zwischen Philosophie und Pornografie bis in die Gegenwart erhalten werden konnte, beweist Dave Monroe mit seiner Essaysammlung „Philosophie für Verdorbene“.

Foto: (c) Jelena Vasiljevic

Foto: (c) Jelena Vasiljevic

Ein Buch voller Ergüsse jeglicher Art
Akademiker, Journalisten und Pornodarstellerinnen lässt Dave Monroe in seinem Buch zu den unterschiedlichsten Fragestellungen im Zusammenhang mit Pornografie zu Wort kommen. Die Verfasser der Essays beleuchten die unterschiedlichsten Winkel dieser präsenten, gerne konsumierten und gleichzeitig verheimlichten Form der erwachsenen Unterhaltung. Kann Pornografie Kunst sein? Haben Pornodarstellerinnen Spaß an ihrer Arbeit? Welchen Einfluss nehmen Pornofilme auf das Sexleben der Konsumenten? Werden wir reale Sexpartner schon bald von der Bettkante stoßen und uns mit hyperrealen Avataren vergnügen? Was ist eigentlich Furry-Sex, Snuff-Sex oder Vorarephilie? Und wie war das damals als es die Wunderwelt Internet mit Sexportalen, SM-Foren, Onlineshops und ihren sonstigen Angeboten nicht gab? Es werden Fragen aufgeworfen, die einem selbst nicht in den Sinn gekommen wären, Antworten präsentiert, die neue Sichtweisen eröffnen und Thesen aufgestellt, die einer eindeutigen Klärung entbehren müssen. Endgültige Ergebnisse sind gar nicht notwendig: „Man kann lange darüber streiten, was „richtiger“ Porno sei und wie etwas derart vage Definiertes jemals Frauen, Paare, Minderheiten, sensible weiße Männer, Senioren und noch in Erscheinung zu tretende Wesen ansprechen soll, aber niemand wird behaupten wollen, dass anderen (oder sich selbst) beim Sex zuzuschauen nicht zumindest auf der primitiven Ebene der Arterhaltung eine gewisse Faszination ausübt.“

Kurze Pause für unartige Schulmädchen
Auf einer ganz und gar nicht primitiven Ebene spricht „Philosophie für Verdorbene“ den Leser an. So manches Essay kann zum Innehalten, Nachdenken und Diskutieren einladen. Nicht jede von den Autoren vertretene Meinung und Argumentation wird auf Zustimmung stoßen, aber diese Tatsache macht das Buch umso interessanter. Fast schade, diese Aufsatzsammlung alleine zu lesen. Die darin aufgeworfenen Fragen gemeinsam zu erörtern, wäre einmal eine andere Art sich einen anregenden Abend mit Pornografiekonsum zu bereiten. Schließlich muss es nicht immer „Analsex mit vollbusigen Latina-Krankenschwestern in Lederoutfit und Brille“ sein, manchmal wollen wir uns „von den verführerischen Themen, die wir im Rotlicht betrachtet haben, intellektuell erregen“. Das Thema ist diese Woche ohnehin hochaktuell, denn am 2. Juni ist Internationaler Hurentag. Philosophisch-pornografischer Gedankensport ist quasi ein Muss um allen in der Sexbranche Tätigen zu gedenken.

Die Rezension verfasste Jelena Vasiljevic

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