Wer die Wahl hat…

Bei der letzten ÖH-Wahl lag die Beteiligung bei mageren 29 Prozent –Tendenz steigend

 „Wann ist die Wahl überhaupt?“, antwortet der zwanzigjährige Sportstudent Nico auf die Frage, ob er zur ÖH-Wahl geht. „Ich sehe die Werbung, aber wirklich auf die Wahl aufmerksam macht sie mich nicht“, meint er weiter. „Ich geh nicht hin, ich hab was Besseres zu tun, geb ich ehrlich zu. Ich krieg fast nichts mit von der ÖH, hab deswegen nicht wirklich eine Meinung über sie.“ Nico ist mit seiner Meinung nicht alleine. So hält auch Robert die Wahl für „sinnfrei“, er habe nicht gehört, dass die „ÖH irgendetwas macht“. Auch die Zahlen sprechen für sich: Die Wahlbeteiligung lag bei den letzten ÖH-Wahlen bei 26 Prozent. Die Gründe? Laut dem Institut für empirische Sozialforschung (IFES) sind es mangelndes Interesse an der ÖH (72 Prozent), die Uninformiertheit der Studierenden (51 Prozent) und, dass die ÖH von Entscheidungsträgern ignoriert werde (38 Prozent).

„Wichtiger als Parteien“
Dennoch treffen wir bei einer kleinen Umfrage auf erstaunlich viele Studentinnen und Studenten, die vorhaben zur Wahl zu gehen – so etwa die 22-jährige IBWL-Studentin Isabell. Sie meint zwar auch, wenig Informationen zu haben, findet die ÖH aber trotzdem wichtig. Oder die zwanzigjährige Psychologie-Studentin Dani, die zwar auch nicht viel von der ÖH hört, aber unbedingt ihr Wahlrecht wahrnehmen möchte, um mitentscheiden zu können. BWL-Student Stefan wiederum findet die ÖH sogar wichtiger als die „richtigen politischen Parteien“ und hat auf jeden Fall vor, wählen zu gehen.

Die Befragung des IFES sagt für die Wahl im Mai eine weit höhere Wahlbeteiligung voraus als 2009: 39 Prozent der Studierenden gaben an, „ganz sicher“ zur nächsten ÖH-Wahl zu gehen, 29 Prozent antworteten mit „eher sicher“. Allerdings gaben auch 48 Prozent dieser Befragten an, an der letzten Wahl teilgenommen zu haben, was nicht ganz mit den Zahlen zur Wahlbeteiligung zusammenpasst. Wählen zu gehen scheint sozial erwünscht zu sein, völliges Desinteresse zu zeigen, weniger. Die ÖH jedenfalls versucht mit einer Kampagne der „NichtwählerInnen-Fraktion“ aufzuzeigen, was bei völligem Desinteresse und dementsprechender Nicht-Wahlbeteiligung passiert. Auf den Plakaten droht sie mit einer Kürzung des Uni-Budgets als Konsequenz. Ob die Idee der Kampagne aufgeht, wird sich zeigen.

Titelbild: Hans-Georg Eilenberger

Sofia Khomenko ist Chefredakteurin von mokant.at

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