Uni-Finanzierung: Ausländische Lösungsansätze?

Österreichs Unis sind unterfinanziert. Wie funktioniert die Finanzierung anderswo?.

Spätestens seit der Besetzung des Audimax der Uni Wien im Jahr 2009 ist die Hochschulpolitik ein Dauerthema in Österreich. Die ÖH fordert von der Regierung mehr Geld für die Universitäten, um die teils miserablen Studienbedingungen zu verbessern. Wissenschaftsministerin Karl pocht auf mehr private Mittel. Die Fakten dazu geben beiden teilweise recht: Österreichs Hochschulen haben nur 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zur Verfügung, der Durchschnitt innerhalb der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) liegt bei 1,5 Prozent. Ein Großteil dessen kommt allerdings bereits vom Bund. Spenden von Unternehmen oder Privatpersonen sind im OECD-Vergleich sehr gering und de facto gibt es keine Studiengebühren. Wie finanzieren sich die Unis anderswo? Welche Modelle könnten für Österreich interessant sein?

Die beiden Extreme: USA und Skandinavien
Die Spitzenpositionen in internationalen Rankings sind fest in der Hand US-amerikanischer Hochschulen. Kein Wunder, ihr Budget beträgt 3,1 Prozent des BIPs – weltweiter Spitzenwert. Doch nur ein Drittel davon bezahlt der Staat, anteilsmäßig also weniger als in Österreich. Der Rest kommt von privater Seite. Wie die USA das schaffen? Erstens tragen die hohen Studiengebühren einen Teil dazu bei. Während in Österreich die Wiedereinführung von Studiengebühren in der Höhe von 363,36 Euro eine Protestwelle auslösen würde, machen diese an den privaten Eliteuniversitäten wie Harvard oder Stanford jährlich über 40.000 Dollar aus. Selbst an öffentlichen Unis wie Berkeley zahlen Kalifornier an die 10.000 Dollar, Studierende aus anderen Bundesstaaten das Doppelte. Mittelstandsfamilien sparen jahrelang, um ihren Kindern später das Studium zu ermöglichen. Oft reicht es dennoch nicht und so müssen rund zwei Drittel der Bachelor-Studierenden Kredite aufnehmen. Immerhin gibt es diese vom Staat zu günstigeren Konditionen. Ärmeren Studierenden greift er zusätzlich mit Stipendien unter die Arme. „Niemandem soll aufgrund der finanziellen Situation seiner Familie das Studium in Stanford verwehrt bleiben“, ist auf der Website der Universität Stanford zu lesen. Doch klappt das Stipendiensystem wirklich so gut? Ja, meint Hans Pechar vom Institut für Wissenschaftskommunikation und Hochschulforschung der Universität Klagenfurt. Das gelte jedoch nur für die wenigen privaten Eliteunis wie Stanford, das staatliche Stipendiensystem in den USA sei nicht das beste. Eine weitere wichtige Einnahmequelle sind private Spenden. Für Alumni ist es Ehrensache, für ihre Alma Mater Geld zu spenden. Viele lassen sich eine schriftliche Verewigung in Hörsälen, Bibliotheken oder Cafeterias Millionen kosten. Der Spendenrekord liegt bei 600 Millionen Dollar, die der Intel-Mitbegründer Gordon Moore dem „California Institute of Technology“ im Jahr 2001 zur Verfügung stellte.

Das krasse Gegenteil dazu bilden Dänemark, Finnland und Schweden. In allen drei nordischen Staaten gibt es keine Studiengebühren. Auch Privatspenden oder Unterstützungen von Unternehmen halten sich sehr in Grenzen. So kommen in Dänemark 96,5 Prozent des Hochschulbudgets vom Staat, er investiert 1,6 Prozent des BIPs in die Universitäten. Gemeinsam mit Finnland und Schweden liegt Dänemark damit im europäischen Spitzenfeld. Studierende bekommen unabhängig vom Einkommen der Eltern ein monatliches Grundeinkommen von 610 Euro beziehungsweise von 330 Euro, wenn sie bei den Eltern leben. Die maximale Anspruchsdauer beträgt siebzig Monate. Zusätzlich können sie ein zinsgünstiges staatliches Darlehen von bis zu 310 Euro monatlich aufnehmen. Die günstige finanzielle Ausgangslage äußert sich in hohen Studierendenzahlen. Viele dänische Hochschüler würden laut Pechar allerdings nicht-universitäre Einrichtungen besuchen – vergleichbar mit den österreichischen Fachhochschulen. Anzumerken sei auch, dass es in den skandinavischen Staaten dennoch strenge Aufnahmeverfahren gebe.

Das australische System
Australien liegt mit einem Hochschulbudget von 1,5 Prozent des BIPs genau im OECD-Schnitt. Nicht einmal die Hälfte davon kommt vom Staat, der Rest zu einem großen Teil von Studiengebühren. Diese werden in Australien erst nach dem Studium eingehoben. Viele Experten befürworten das sogenannte „HECS“-System aufgrund seiner sozialen Ausgewogenheit. Die durchschnittlichen Studiengebühren, die nach Studienrichtungen gestaffelt sind, betragen in Australien gut 6.000 Dollar pro Jahr. Wer diese vor Semesterbeginn bezahlt, bekommt einen Rabatt von 25 Prozent. Für die restlichen Studierenden übernimmt der Staat die Beiträge in Form eines zinslosen Kredits. Erst ab einem Jahreseinkommen von über 30.000 Dollar beginnen die Rückzahlungen von anfangs vier Prozent, ab 60.000 Dollar steigen sie auf acht Prozent. Darunter besteht keine Pflicht zur Rückzahlung. Das System steht auch in Deutschland zur Diskussion und wurde unter anderem in Hamburg eingeführt. Großbritannien hebt die Gebühren ebenfalls erst nach dem Studium ein, allerdings auf einem anderen Niveau. So wurde die Höchstgrenze für Studiengebühren kürzlich auf 9.000 Pfund (rund 10.600 Euro) angehoben. Die Rückzahlungen werden bereits ab 15.000 Pfund Jahresverdienst fällig.

Darüber hinaus haben die australischen Universitäten die Möglichkeit, einen gewissen Anteil ihrer Studienplätze an „full fee paying students“ zu vergeben. Das bedeutet, die Unis erhalten für diese Studierenden keinerlei staatliche Unterstützung und verlangen daher kostendeckende Studiengebühren, die bis zu 30.000 Dollar ausmachen. So können wohlhabende Studierende, die die Studienvoraussetzungen nicht ausreichend erfüllt haben, dennoch das gewünschte Studium aufnehmen.

Die Lösung für Österreich?
Die Lösung für Österreich sieht Pechar einerseits in mehr staatlichen Mitteln. Dazu müssten endlich „absurde Pensionsprivilegien“ oder „verrückte Dinge in der Verwaltung“ beseitigt werden. „Ich bin jedoch pessimistisch, dass es wie in Skandinavien nur mit öffentlichen Mitteln ginge“, fügt er hinzu. Schließlich hätten diese Länder eine noch höhere Steuerquote als Österreich. Da großzügige Spenden von Mäzenen fast so unwahrscheinlich seien, wie „dass der Osterhase und Weihnachtsmann an einem Tag kommen“, werde es ohne Studiengebühren nicht gehen. Hier wünscht sich Pechar ähnlich dem australischen Modell ein System einkommensabhängiger Darlehen, um das finanzielle Risiko für die Studierenden zu minimieren.

Titelbild: flickr.com/Will Hart (cc), auf dem Bild: Harvard University

Christian Strobl studiert in Wien Volkswirtschaft und internationale Betriebswirtschaft. Er ist als außerordentlicher Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: christian.strobl[at]mokant.at

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