Reiseguide: Indien

Eine Reisereportage für all jene, die das Fernweh packt: Tipps für den Indien-Urlaub.
„Wer im Leben nicht reist, liest im Buch seines Lebens nur eine Seite“ besagt ein Sprichwort aus Neuseeland. Die mokant.at-Redakteure und -Redakteurinnen sehen das genauso und geben deshalb ihrer Leserschaft gerne ein paar Tipps auf ihren Weg in das Abenteuer Urlaub. Den Anfang macht Ariane Baron, die von unerschrockenen Taxifahrern und Touristenfallen in Indien zu berichten weiß.Du schnallst dich ab und wartest bis sich der größte Teil der Passagiere durch den engen Gang hinausgeschoben hat. Dann steigst du aus. Du schlenderst übermüdet durch das Flughafengebäude. Ein Beamter möchte noch schnell wissen, was der Grund deiner Reise ist. Eine Wärmebildkamera checkt, ob du vielleicht die Schweinegrippe hast und schon bist du offiziell im zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde angekommen – Indien.
Du schaust aus dem Fenster und denkst an das, was vor dir liegt. Du glaubst, du hast dich gut auf diese Reise vorbereitet.
Aller Anfang ist schwer
Du machst dich auf die Suche nach einem ATM, der deine ersten echten Rupien ausspucken soll. Doch noch bevor du deinen Geheimcode eintippen kannst, machst du Bekanntschaft mit einer einzigartigen Gattung: dem unerschrockenen, Chutki kauenden, heimischen Taxifahrer. Eine kleine Gruppe hat dich bereits eingekreist und immer wieder versucht einer von ihnen, dir dein Gepäck abzunehmen. Das dominante Männchen aber hält unerschrocken seine Rivalen zurück, während er dich mit Willkommenssprüchen umwirbt. Spätestens jetzt bist du dir sicher, du bist definitiv in einer anderen Welt gelandet.
Tipp 1: Vertraue niemals einem Taxifahrer
Das klingt jetzt hart, aber je lauter dein Fahrer betont, dass seine Religion ihm Gastfreundschaft gebietet, umso hellhöriger solltest du sein. Sehr bald wird er dir sagen, dass er die besten Einkaufsmöglichkeiten der Stadt kennt und sie dir völlig unverbindlich zeigen möchte. Beim Geschäft angekommen, steigst du aus und schmökerst im Laden. Du denkst dir, dass das allererste Geschäft in dem du bist, noch zu früh zum Einkaufen ist und steigst wieder ins Taxi. Er fragt dich freundlich, ob du etwas Nettes gefunden hast. Dann führt er dich zum nächsten Laden.Wenn ihr euch etwas besser kennt, fragt er dich, ob du schon weißt, wie du durch’s Land pilgern wirst. Er rät dir das beste Reisebüro der Stadt. Du gehst mit und lässt dich eingehend beraten. Der Reisebüroangestellte wirkt kompetent. Das Büro professionell. Es hat sogar ein Staatsemblem. Du kannst fühlen, „hier wirst du gut beraten.“ Was du zu dieser Zeit noch nicht weißt: Viele Fahrer bekommen für die Ausgaben, die du durch sie tätigst, bis zu vierzig Prozent Provision der Summe, die du für deinen Einkauf bezahlt hast!
Tipp 2: Make special price for you, my good friend
Verwirf alles was du zu Hause gelernt hast! Egal wo du bist, Handeln ist in Indien das oberste Gebot. Nicht nur am Markt, auch in Hotels, Reisebüros und Geschäften wird eifrig um jeden Rupie gefochten. Die Handelsspanne ist enorm: 50-70 Prozent kann ein geübter Feilscher mit der richtigen Taktik einsparen. Erweist sich ein Händler als besonders hartnäckig, solltest du dich bedanken und gehen. Das ist das beste Argument und die Antwort lautet: „So, tell me sir, what is your really last price?“. Deine Reisekasse wird es dir danken.
Tipp 3: Auch ein Reisebüro ist ein Marktplatz
Viele Reisebüros sind Touristenmelkmaschinen. Geschickt wird hier dem unerfahrenen Abenteurer von allen öffentlichen Verkehrsmitteln abgeraten: Der Zug ist wegen frühzeitiger Reservierung zu unflexibel, der Bus für Westler nicht tragbar. Alles wird gut untermauert mit offiziellen Preistabellen, die aus ihrem Zusammenhang gerissen jedoch keinerlei Aussagekraft mehr besitzen. Du beginnst zu glauben, dass die einzige sinnvolle Alternative ein Auto mit Fahrer ist.Dann folgen die Kataloge mit prunkvollen Heritage-Hotels. Ein Zimmer dort bekommst du natürlich auch nie wieder so günstig, weil das Büro gute Kontakte zu den Hotels hat. Und wer hat nicht seit den Märchen aus der Kindheit schon einmal davon geträumt im einstigen Bett eines Maharadschas zu schlafen? Tage später entdeckst du dann vor Ort, dass das Gebäude etwa dreißig Jahre alt ist und die versprochenen Steineinlegearbeiten aufgemalt sind.
Tipp 4: Lauf, wenn du „governmental“ liest!
Egal ob Reisebüro, Kunsthandwerksshop oder Fremdenführer, viele geschäftstüchtige Professionisten tragen die Bezeichnung „governmental“. Sie behaupten damit durch die Regierung offiziell genehmigt zu sein. Das weckt Vertrauen und gilt zusätzlich als Argument, dass hier die Preise fair und nicht verhandelbar sind. Lass dich nicht hinter’s Licht führen: All diese Shopbesitzer und Dienstleister geben sich diese Bezeichnung selbst. Sie garantiert also lediglich, dass das Preisniveau hier auf Touristenstandard liegt. Geh lieber ein paar Schritte weiter und schau, ob sich um die Ecke nicht ein kleiner Laden mit ähnlichen Produkten befindet. Denn der Zusatzgewinn kommt nur dem Verkäufer, nicht aber dem Menschen der die Ware produziert hat, zu Gute.

Tipp 5: Nichts auf der Welt ist kostenlos
Jede kulturelle Attraktion zieht mit den Touristen auch viele Einheimische an. Sie finden in den Touristenströmen ihre private Goldgrube. Mit offenen Augen schlenderst du, den Blick fest auf der Decke, durch alte Gemäuer. Und eh du dich versiehst, zielt der lokale Fremdenführer geradewegs auf dich zu. Wenn er höflich ist, fragt er dich, ob er dir alles zeigen darf. Viele begleiten dich aber auch einfach so. Du freust dich über die Freundlichkeit der Menschen, die dich mit einem Lachen begleiten und dir einiges erklären. Bis sie die Hand ausstrecken und dir bei jeder Summe das Gefühl geben, zu wenig bezahlt zu haben.

Viele Inder wollen unbedingt, dass du ein Foto von und mit ihnen machst. Sie können sich köstlich darüber amüsieren auf dem Display abgebildet zu sein. Und es macht wirklich Spaß, ihnen diese Freude zu geben. Leider solltest du aber auch auf Mütter gefasst sein, die dir ihre Kinder als Fotomotiv vor die Linse halten und danach eine Spende von dir möchten.

Tipp 6: Zeremonien können teuer werden
Einen Besuch bei einem Brahmanen solltest du auf keinen Fall missen. Er erklärt dir die wichtigsten hinduistischen Götter und durchläuft mit dir eine Zeremonie, bei der er deine Stirn bemalt, dir Duftöl auf den Handrücken streicht und ein heiliges Band um dein Gelenk bindet. Ist die Sitzung beendet, bittet er dich mit den Worten, „It’s up to you“ um eine Spende. Bezahl eine dir angemessen erscheinende Summe. Aber Vorsicht, auch ein hinduistischer Priester hat sehr genaue Vorstellungen davon, wie viel seine Arbeit mit einem Westler wert sein sollte und wird nach mehr fragen. Bittest du ihn zum Beispiel um Glück für deine Lieben, wird er dir nach drei bis vier Leuten sagen, die Summe sei zu wenig für weitere.

„Incredible India“ lautet der Slogan des indischen Tourismusverbandes, der genau ins Schwarze trifft. Indien ist ein unglaubliches Land und ein spannendes Reiseziel, das garantiert bleibende Eindrücke hinterlässt. Der Culture Clash ist enorm und genauso groß ist die Spannung, die man beim Durchreisen dieses abwechslungsreichen Subkontinents erlebt!

Artikel von Ariane Baron
Titelbild:


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