Architektin: Beruf mit vielen Baustellen

Foto: (c) Katharina Egg

Immer mehr junge Frauen entscheiden sich für ein Architekturstudium. Zu einem neuen Selbstverständnis in diesem männlich dominierten Bereich ist es jedoch noch ein weiter Weg.

Mittlerweile inskribieren sich mehr Studentinnen als Studenten an der Wiener TU für Architektur. Auch die Zahl der vereidigten Ziviltechnikerinnen, also jener Architektinnen, die sich selbstständig machen können, steigt an. Doch wie sich das auf die vorwiegend männlich dominierte Baubranche auswirkt, ist momentan noch ein offenes Thema.

Nicht ernst genommen
Dörte Kuhlmann, Professorin am Institut für Architekturtheorie an der TU Wien ist überzeugt, dass Architektinnen am Bau noch keine Selbstverständlichkeit sind. Auch wenn die Zahl der Ziviltechnikerinnen ansteige, sei die derjenigen mit einer aufrechten Befugnis weiterhin sehr gering. 1,5 Prozent beträgt die Zahl der weiblichen Mitglieder in der Architektenkammer. Bei den Zahlen hat sich auch in den letzten Jahren wenig verändert. Eine jener wenigen ist Johanna Hadaya-Diem mit ihrem Ein-Frau-Büro im Siebten Wiener Gemeindebezirk. Seit elf Jahren gibt es ihr Büro, mit dem sie mittlerweile sehr zufrieden ist. Doch sie musste sich ihre Glaubwürdigkeit in der Branche erst erkämpfen. Bei Baubesprechungen, wo sie meist die einzige Frau war, mussten ihre Ellbogen teilweise besonders spitz sein. Doch nicht nur am Bau wurde sie in den ersten Jahren nicht ernst genommen, sondern auch von so manchen Auftraggebern und ehemaligen Vorgesetzten. Jetzt sei sie sehr froh, selbstständig zu sein. Zeitlich schafft es die verheiratete Mutter mittlerweile, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Es ist ihr wichtig, neben ihrem Job ihr privates Leben nicht zu vernachlässigen.

Geld, Jurys und Preise: Männer für Männer?
Aber reichen dann die finanziellen Mittel aus? „Das kommt ganz auf die Auftragslage an. Es gibt Monate, da kommt kaum Geld rein“, ist sich Hadaya-Diem bewusst. Wie es allgemein mit der Verteilung von Aufträgen in Bezug auf das Geschlecht aussieht, ist in der Architektur kaum untersucht und schwer zu erfassen. Kuhlmann verweist dabei auf Studien anderer Wirtschaftsbereiche. Generell sei es ihrer Meinung nach so, dass „Frauen in den meisten Branchen in Österreich bei gleicher Tätigkeit und Qualifikation weniger verdienen“. Besondere Probleme sieht sie bei gewissen Berufsstrukturen in der Architektur. Projektarbeiten seien meist aufwendig und zeitlich eng gefasst. Wenn Architektinnen Kinder haben, seien meist sie es, die am Wochenende auf diese aufpassen und deshalb nicht durcharbeiten können würden. Das heißt, männliche Kollegen kommen schneller zum Zug. Das wiederum fördert die Möglichkeit auf ein Angestelltenverhältnis oder wirkt sich auf eine eine höhere Stellung aus: „Das heißt, solange keine Familie da ist, werden sich die meisten jungen Frauen gleichwertig engagieren können und ähnliche Chancen haben.“ Architektur ist ihrer Ansicht nach immer noch ein männlich dominierter Beruf. „Konkret bedeutet das, dass größere Entscheidungen meist von Gruppen mit geringen bis gar keinem Frauenanteil getroffen werden. So kommt es zu Ausschlussmechanismen. Weltweit sind nahezu alle Jurys mit betagten Herren besetzt, die in ihren männlichen Kollegen oftmals mehr Potential erkennen als in den weiblichen“, ist sich die Wissenschaftlerin sicher.

Foto: (c) Katharina Egg

Foto: (c) Katharina Egg

Space, Power and Difference
Ein anderes Thema ist das Einkommen. „Je höher der Frauenanteil in einer Branche wird, desto geringer werden die Löhne in dem Bereich“, das ist für Kuhlmann schon lange eine Tatsache. Diskutiert wurde dieses Thema auch bei der Präsentation ihres aktuellen Buches Space, Power and Difference  zum Thema Gender Studies in der Architektur. Sie spricht in ihrer Rede von den vielen Baustellen in dem Themenbereich. Gemeint sei damit nicht nur die Forderung nach der Einführung von Gender Studies in die Studienpläne mehrerer Fakultäten an der TU. Es ginge auch und vor allem um die alltägliche Umsetzung dieser bereits eingeführten  Standards.

Gender Studies an der TU: Wozu?
Adalbert Brechtl, Vizerektor der TU Wien, reagiert beim Thema Gender Studies verständnislos: „Ich verstehe nicht, warum ein Fach wie Elektrotechnik das braucht, das interessiert doch dort keinen.“ Architektur ist momentan das einzige Institut an der TU Wien, in dem Gender Studies verpflichtend in den Studienplan aufgenommen wurden. Wirft man am Wochenende einen Blick in die Arbeitsräume der Architektur-Studierenden, fällt nur eines auf: Die Studierenden arbeiten alle durch. Welches Geschlecht sie haben, scheint hier vorerst nicht von Bedeutung zu sein.

Titelbild: (c) Katharina Egg 

katharina.egg@mokant.at'
Katharina Egg leitete zwei Jahre lang das Ressort Politik. Jetzt ist sie als außerordentliche Redakteurin bei mokant.at tätig und untersucht als Publizistik-Studentin Wirkungen Sozialer Netzwerke auf Politische Kommunikation. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten am Fahrrad, auf Reisen und im Wiener Nachtleben. Kontakt: katharina.egg[at]mokant.at

4 Comments

  1. jenkins.kate7@gmail.com'

    hundekönig

    28. Januar 2014 at 17:27

    Mehr Meinungen von anderen Frauen wären interessant gewesen; vor allem von jenen, die richtig erfolgreich sind und was drauf haben. Wir wissen, dass es noch immer sehr wenige Frauen in technischen Bereichen gibt aber Architektur ist noch immer das Studium, in dem der Frauenanteil am höchsten ist und ist demnach vielleicht nicht das allerbeste Beispiel… Meinungen aus der technischen Physik oder Elekrotechnik wären meiner Meinung nach viel spannender zu lesen!

    • katharina.egg@mokant.at'

      Katharina Egg

      28. Januar 2014 at 22:31

      @hundekönig: Das ist ja der Punkt. Obwohl so viele Frauen Architektur studieren, verändert sich außerhalb der Universitäten alles sehr langsam. Ob das die neue Generation ändern wird, werden wir sehen. Aber warum sich so wenige Frauen den anderen Ingeneurswissenschaften widmen, ist wieder eine ganz andere Frage. Danke für die Anregungen!

  2. jo_hannes12493@gmail.com'

    Hannes

    15. Februar 2014 at 13:50

    Wayne interessierts?

    • thescarecrow@sms.at'

      Bruce Wayne

      17. Februar 2014 at 17:22

      Ich glaube nicht, dass sich Batman für soetwas interessiert…

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