Trend: Freiwillig sozial unterwegs

Im Freiwilligen Sozialen Jahr können junge Menschen Soziale Arbeit kennenlernen

Alle Jahre wieder stehen Maturanten nach ihrer erfolgreich absolvierten Matura vor der Entscheidung, wie es ausbildungsmäßig für sie weitergehen soll. Trotz unzähliger Studienrichtungen, egal ob an FH oder Uni, bedeutet die Zeit nach der Matura für viele junge Menschen eine neue Herausforderung – sollten sie doch in dieser Zeit die Weichen für ihre berufliche Zukunft stellen. Wer nach der langen Schulzeit nicht gleich in den nächsten Lernstress übergehen will, für den gibt es in Österreich die Möglichkeit eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ).

Bild (c) : Verein zur Förderung Freiwilliger Sozialer Dienste, Linz

Bild (c) : Verein zur Förderung Freiwilliger Sozialer Dienste, Linz

Die Anfänge
Das FSJ wird in Deutschland und Österreich für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen achtzehn und 27 Jahren angeboten. Eine der Grundvoraussetzungen ist die Erfüllung der Vollzeitschulpflicht. Die Wurzeln findet man in der Evangelischen und Katholischen Kirche, die 1954 junge Frauen dazu aufforderten, einen freiwilligen Dienst an Kranken und Pflegebedürftigen zu leisten. Diese Idee wurde weitergeführt, bis eine Gesetzesinitiative für das Freiwillige Soziale Jahr 1964 in Deutschland und 1968 in Österreich verabschiedet wurde. Seit diesem Zeitpunkt entwickelten sich zahlreiche Organisationen, die ein FSJ in verschiedenen Bereichen anbieten. Beispielsweise gibt es Einsatzstellen im sozialen Bereich, Kultur, Sport und der Denkmalpflege.

Verein zur Förderung freiwilliger sozialer Dienste
Einer der zahlreichen Organisationen ist der österreichische „Verein zur Förderung freiwilliger sozialer Dienste“, den es bereits seit 1968 gibt. Zurzeit machen knapp 300 Menschen österreichweit über diese Organisation ein FSJ. Ihrer Website zufolge ist man bei ihnen richtig, wenn man sich sozial engagieren, praktische Erfahrungen im Sozialbereich machen, eine Auszeit von der Schule sinnvoll nutzen und sich persönlich weiterentwickeln möchte. 2013 haben sich im Vergleich zum Vorjahr bereits doppelt so viele junge Menschen bei ihnen beworben. Die verschiedenen Einsatzstellen bieten Arbeit mit behinderten Menschen, alten Menschen, Kindern Jugendlichen, Obdachlosen oder psychisch beeinträchtigten Menschen.

Rica absolvierte 2011/12 ein FSJ in einer Tagesstätte für Erwachsene mit Beeinträchtigung.„Ich habe mich vor allem deshalb für ein FSJ entschieden, weil ich Erfahrung im sozialen Bereich sammeln wollte und meine Eignung für diesen Beruf testen wollte. Ich hatte schon lange die Idee im Sozialbereich zu arbeiten. Nur wusste ich nicht genau wie ich mich tatsächlich bei der Arbeit mache, da war das FSJ genau das Richtige für mich“, erklärt Rica ihre Motivation für ein FSJ. Ein wichtiger Bestandteil des FSJ ist die Bildungsarbeit, die man in Form von Seminaren absolviert. Sie bieten die Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung, Reflexion, Supervision, fachlichen Weiterbildung und zur Berufsorientierung, wie es auf der Website formuliert wird.

Bild (c) : Verein zur Förderung Freiwilliger Sozialer Dienste, Linz

Bild (c) : Verein zur Förderung Freiwilliger Sozialer Dienste, Linz

Nicht immer einfach
„Es gab Momente, in denen ich sehr gefordert war und auch solche die im Nachhinein nicht ganz einfach zu verarbeiten waren. Die regelmäßigen Seminare mit den anderen FSJlerinnen und FSJlern boten einen sehr angenehmen Austausch und genug Zeit und Raum um Probleme zu besprechen“, meint Rica.

Entschließt man sich für ein FSJ beim „Verein zur Förderung freiwilliger sozialer Dienste“ wird man erstmals zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Hierbei werden Erwartungen und Wünsche besprochen, offene Fragen geklärt und weitere Informationen zum Freiwilligen Sozialen Jahr gegeben. Außerdem wird geklärt, ob man bereit ist, während dem Jahr in ein anderes Bundesland zu ziehen, zu pendeln oder ob man lieber zuhause bleiben möchte.

Die vorgesehene Dauer eines FSJ-Einsatzes beträgt zehn beziehungsweise elf Monate, je nachdem ob man schon im September beginnen kann oder erst im Oktober. Die wöchentliche Arbeitszeit während eines FSJ beträgt 34 Stunden. Ähnlich einem normalen Job gibt es auch während des FSJ einen Urlaubsanspruch. Bei einem zehnmonatigen Einsatz sind das zum Beispiel 21 Urlaubstage. Als „Gehalt“ oder besser Taschengeld erhält man pro Monat 225 Euro netto. Außerdem ist man während dem Einsatz unfall-, kranken- und pensionversichert und hat Anspruch auf die Familienbeihilfe.

Entscheidungshilfe
Jedoch sollte man sich vom Geld nicht verunsichern lassen, meint Rica. „Grundsätzlich habe ich das FSJ aus eigener Motivation gemacht und das Geld war angenehm für mich, aber auf keinen Fall Voraussetzung. Sie habe sich in diesem Jahr sehr weiterentwickelt. „Ich bin selbstbewusster und selbstständiger geworden. Ich habe viel Neues kennengelernt und wichtige Kompetenzen für mich aber auch meinen zukünftigen Beruf erworben. Mein Interesse an der Arbeit mit Anderen wuchs stetig und half mir in der Entscheidung für meinen weiteren Ausbildungsweg.“ Außerdem ist sie ein Stück der Mensch geworden, der sie gerne sein möchte, was sie auch in ihrer Berufsentscheidung beeinflusst hat. Rica studiert zurzeit soziale Arbeit und „ist sehr dankbar, diese Möglichkeit in Anspruch genommen zu haben.“

Titelbild: (c) Verein zur Förderung Freiwilliger Sozialer Dienste, Linz

Barbara Tiefenbacher ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: barbara.tiefenbacher[at]mokant.at

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