05. November 2011 | Politik

Die vergessene Jugendgruppe

 
Daniel Mauche
Feurle: „Lehrlinge sind fünftes Rad am Wagen“
SPÖ Wien
Pescheck: „Gewerkschaftsjugend erfolgreiche Lehrlingsvertretung“

Lehrlinge werden von Politik und Medien viel weniger beachtet als Studierende


Hallo, wir sind auch noch da!So könnte das Motto der immerhin 130.000 Lehrlinge in Österreich lauten. Seit den öffentlichkeitswirksamen Studierendenprotesten 2009 ist die Jugend als relevante Gesellschaftsgruppe so gefragt wie schon lange nicht mehr. Jeder kennt Sigrid Maurer, die prominente, mittlerweile ehemalige Vorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft. Und auch Philipp Pinter, Bundesschulsprecher 2010/2011 ist kein Unbekannter. Während also Schüler- und Studierendenvertretungen ganz selbstverständlich bei bildungsrelevanten Diskussionen mitmischen, ist von Lehrlingen und ihren wenig bekannten Vertretern zur Bildungsdebatte so gut wie nichts zu hören. 

 

Nicht Fisch – nicht Fleisch

In der Brust eines jedes Lehrlings schlagen zwei Herzen, denn er oder sie ist sowohl Arbeiterin und Angestellter als auch Schülerin. Bei Problemen in der Arbeit kümmern sich der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) und die Arbeiterkammer (AK) um ihn. Die Schülervertretung steht bei Angelegenheiten die Berufsschule betreffend mit Rat und Tat zur Seite. In beiden Vertretungsorganen spielen Lehrlinge aber nicht gerade die erste Geige. Dies bestätigt auch Daniel Feurle, Obmann der Vorarlberger Lehrlingsvertretung. „Lehrlinge sind sowohl im Schulbereich als auch als Arbeitnehmer in der gewerkschaftlichen Vertretung wie das fünfte Rad am Wagen“, erklärt er das Dilemma der Lehrlinge.

 

Die Lehrlingsvertreter

2008 wurde in Vorarlberg die bisher einzige Landes-Lehrlingsvertretung gegründet. Zwei Landesberufsschulsprecher hatten genug davon, mit Lehrlingsangelegenheiten ständig im Schülerparlament überstimmt zu werden. Zusätzlich zur Gewerkschaftsjugend wollten sie Lehrlingen im Industrie-Bundesland Vorarlberg eine starke unabhängige Stimme geben. Seit damals hat die Vorarlberger Lehrlingsvertretung knapp über 350 Mitglieder. Bei über 8.000 Lehrlingen nicht gerade viel. Dennoch arbeitet sie im Sinne der Lehrlinge, für Obmann Feurle sind dabei Arbeiterkammer (AK), Wirtschaftskammer (WK) und die Landesregierung „sehr gute Partner, die unsere Arbeit wohlwollend unterstützen“. Im Rest von Österreich übernimmt die Gewerkschaftsjugend alleine die Vertretung der Lehrlinge. Dementsprechend ist auch das Verhältnis zwischen der Vorarlberger Lehrlingsvertretung und dem ÖGB ein angespanntes. „Die Gewerkschaft stellte sich gegen unsere Gründung quer, dasselbe gilt für die Initiative zu einer gesamtösterreichischen Lehrlingsvertretung“, erzählt Feurle.

 

Die Parteien und Lehrlinge

„Da haben wir Grünen wirklich eine Schwachstelle“, gibt Barbara Huemer, arbeitsmarktpolitische Referentin der Wiener Grünen, zu. „Eine geringe gesellschaftliche Wertschätzung für Lehrlinge“ orten auch der Gewerkschafter und Lehrlingssprecher Christoph Peschek von der Sozialdemokratischen Partei (SP) Wien und der Lehrlingssprecher der Freiheitlichen (FPÖ), Mario Kunasek. Alle fünf Parlamentsparteien fordern Reformen in der Lehrlingsausbildung. Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) und das Bündnis Zukunft Österreichs (BZÖ) betonen dabei eine stärkere Orientierung an der Wirtschaft.

 

Gewerkschafter Peschek sieht eher „grundlegenden Reformbedarf, besonders hinsichtlich der Qualität der Lehrlingsausbildung.“ SPÖ, Grüne und FPÖ fordern eine Ausweitung der Berufsschulzeit, um Allgemeinbildung und weitere Ausbildungsmöglichkeiten der Lehrlinge zu verbessern. Einigkeit besteht darüber, dass junge Menschen ein Recht auf Ausbildung und Job besitzen sollten. „Denn Arbeit ist ein unersetzlicher Faktor im Leben eines jungen Menschen“, ist sich auch Lehrlingsvertreter Feurle sicher. Die Parteien fahren also große Geschütze zum Thema „Reform der Lehrlingsausbildung“ auf. Auch die Lehrlingsvertreter arbeiten engagiert. Doch davon ist wenig zu sehen und zu hören. 

 

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