Wer soll zahlen: „Schnösel“ oder Deutsche?
Claudia Gamon (JuLis) und Oskar Polak (RFS) fordern beide eine ideologiefreie ÖH
In einem Punkt sind sie sich sehr einig: Oskar Polak vom Ring freiheitlicher Studenten (RFS) und Claudia Gamon von den Jungen Liberalen (JuLis) wollen eine ideologiefreie ÖH, die nur die Interessen der Studierenden vertritt. Während Polak zur Verbesserung der Qualität der Studien unter anderem ein Kopftuchverbot an den Universitäten fordert, will Claudia Gamon die Studierenden zu „Kunden von Bildungsunternehmen“ machen. Studiengebühren können sich beide vorstellen. Claudia Gamon wünscht sich, dass „Schnösel“ einen Beitrag zu ihrer Ausbildung leisten, ginge es nach Polak sollte die deutsche Bundesregierung für deutsche Studierende zahlen.
mokant.at: Warum sollte ich die JuLis wählen?
Claudia Gamon: Die JuLis haben ein ideologiefreies Wahlprogramm ausgearbeitet, in dem wir einfach gute Lösungen für die Hochschulpolitik vorschlagen. Wir möchten, dass die ÖH wieder eine starke Lobby wird. Wir sind für eine Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft. Auf einer freiwilligen Basis würden die Studenten, die dabei wären, wirklich dahinterstehen. Wenn man die die Bundes-ÖH in einen Verein umwandelt, hätte sie viel mehr Handlungsmacht.
Oskar Polak: Auch wir wollen eine ideologiefreie ÖH. Wir treten an, um die ÖH von Grund auf zu einer Gewerkschaft für Studierende hin zu reformieren. Außerdem haben wir eine starke Partei im Hintergrund, mit der man so etwas auch umsetzen könnte.
mokant.at: Versteht ihr die ÖH als reine Interessenvertretung?
Oskar Polak: Ja, es soll nur um Studenten gehen.
mokant.at: Ist es möglich, Gesellschaftspolitik komplett rauszuhalten? Die Fraktionen sind ja zum größten Teil Vorfeldorganisationen von Parteien.
Oskar Polak: Die AG und der VSStÖ behaupten in Wahlzeiten immer, mit den Parteien nichts zu tun zu haben. Das ist verlogen. Das machen wir nicht. Die Gesellschaftspolitik, die nichts mit den Studenten zu tun hat, sollte einfach aus der ÖH draußen bleiben. Wir haben in der Bundesvertretung Positionen, die ÖH solle den Stopp der Kämpfe in Libyen fordern. Das ist eine maßlose Selbstüberschätzung und ein richtiger Kindergarten. Es muss um Studententhemen gehen, wir müssen die Studenten vertreten.
mokant.at: Oskar, du bist für ein Kopftuchverbot an den Universitäten. Wie genau vertrittst du mit einer solchen Forderung die Interessen der Studierenden?
Oskar Polak: Mir hat jemand aus Graz eine E-mail geschrieben, dass er es bedenklich findet, dass das Kopftuch eine perfekte Möglichkeit bietet, mit einem Headset bei Prüfungen zu schummeln. Kein Professor kann einem Mädchen das Kopftuch herunterziehen. Wenn wir die Qualität der Studien verbessern wollen, müssen wir dafür sorgen, dass es keine hundertprozentige Sicherheit beim Schummeln gibt. Ich habe anfangs als freiheitlich denkender Mensch beim Gedanken an ein Kopftuchverbot ein bisschen Bauchweh gehabt. Dann hab ich das Buch von Alice Schwarzer „Die große Verschleierung“ gelesen und habe festgestellt, dass ein Kopftuchverbot an Bildungsinstitutionen auch im Bezug auf Menschenrechte und Gleichberechtigung viele Vorteile hat. Länder wie die Türkei, Ägypten, Frankreich haben das und es funktioniert sehr gut, weil die Religion aus den Universitäten draußen bleibt.
Claudia Gamon: Wie hoch ist der Prozentsatz von Leuten, die überhaupt auf die Idee kommen, so zu schummeln?
Oskar Polak: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Studenten erstaunlich intelligent sind. Es ist kein vorgeschobener Grund. Das war der Anfang der Debatte dazu. Es stimmt, es ist ein gesellschaftspolitisches Thema. Es betrifft uns Studierende noch nicht in einem großen Ausmaß. Aber man muss aktiv werden, bevor die Problematik groß wird, bevor immer mehr Religionsdebatten in die Universitäten hineingetragen werden.
mokant.at: Habt nicht gerade ihr die Debatte in die Universität getragen?
Oskar Polak: Wir haben dieses Thema bewusst aus dem Wahlkampf herausgelassen, gerade weil wir keine Religionsdebatten hineinbringen wollen. Wenn ich gefragt werde, antworte ich darauf, aber mir wäre es lieber, wenn das nicht im Wahlkampf diskutiert wird.
mokant.at: Auch die JuLis meinen ja, es soll nur um Studierendenpolitik gehen. Wie geht das als Partei, die etwa auch zu den EU-Wahlen angetreten ist?
Claudia Gamon: Natürlich haben alle JuLis auch sehr starke Meinungen zu Gesellschaftspolitik und wir haben ein Parteiprogramm. Aber wir können das trennen. Die Beschäftigung in der ÖH mit gesellschaftspolitischen Themen ist Ressourcenverschwendung, falsch investierte Motivation und Energie. Es gibt Impulse und Ideen in der Wegrichtung der Unipolitik, die aus einer Ideologie heraus stammen. Der Unterschied ist, welche Themen man daraus ableitet.
mokant.at: Welche Sachen würdet ihr jetzt konkret angehen, wenn ihr die Chance dazu hättet?
Claudia Gamon: Die Universitätsvertretung hat die Chance, das Studierendenleben an der Wurzel zu beeinflussen. Man kann mit Professoren verhandeln, an Studienplänen mitarbeiten, in Verhandlungen mit Ministerien hineingehen. Die ÖH sollte kritisch und laut sein, aber nicht in Demonstrationen, sondern am Verhandlungstisch.
mokant.at: Jetzt hast du mehr die Art beschrieben, wie die ÖH arbeiten soll, aber welche konkreten Dinge sollte die ÖH jetzt durchsetzen?
Claudia Gamon: Wenn die Studiengebühren wieder eingeführt werden, muss die ÖH schauen, dass sie den Studierenden etwas bringen und nicht sinnfrei in die Bürokratie fließen, wie die der schwarz-blauen Regierung. Es ist die Aufgabe der ÖH, dass für die Studierenden Vorteile herauskommen.
mokant.at: Wie sollen diese Vorteile aussehen?
Claudia Gamon: Es muss bessere Stipendien und Beihilfen geben. Dazu muss die ÖH Ideen einbringen und dann Druck machen.
mokant.at: Oskar, was würdet ihr konkret in der ÖH angehen?
Oskar Polak: Wir merken, dass ein abgeschlossenes Studium in Österreich immer weniger wert ist. Es kann nicht sein, dass Witze wie „Wer Jus studiert, kriegt auch einen Taxi-Schein dazu“, langsam Realität werden. Wir haben in Klagenfurt, wo wir in der Universitätsvertretung sind, gezeigt, dass man sehr konstruktiv mit der Politik in Kärnten zusammenarbeiten kann. Wir haben viele Sachen ausgehandelt. Zum Beispiel haben wir die Busverbindungen und die Öffnungszeiten in der Bibliothek verbessert. Es wurden Willkommenspakete von der Regierung für die Studierenden eingeführt.
mokant.at: Verbessern günstigere Busverbindungen die Qualität des Studiums?
Oskar Polak: Nein, das sind die Rahmenbedingungen. Dazu würde auch gehören, dass das Angebot an Kursen den Interessen der Studierenden entspricht. Es ist für Berufstätige furchtbar schwer, in einen Kurs hineinzukommen, weil die Kurse am Abend überlaufen sind. Dann verliert man schnell ein Semester. Das andere ist die Qualität. Man muss weggehen von diesem verschulten Bologna-System, das die Forschung erst in den zweiten Abschnitt hineinzudrängen beginnt.
mokant.at: Das heißt, ihr seid gegen Bologna?
Oskar Polak: Absolut. Das Bologna-System wurde in Österreich schlecht umgesetzt. Einerseits wurden die Studiendauern verlängert. Andererseits hat man teilweise das, was früher Diplomstudium war, irgendwie in drei Jahre gequetscht, nach denen man dann einen Scheinabschluss hat.
Claudia Gamon: Es hilft, die Bolognadeklaration zu lesen. Es steht überhaupt nichts drinnen von Verschulung.
Oskar Polak: Es geht um die Umsetzung. Die Umsetzung war miserabel.
Claudia Gamon: Es geht um die Vergleichbarkeit der Abschlüsse und die Freizügigkeit der Studierenden innerhalb der EU. Bologna war eine wunderbare Idee, ein Versuch eine gemeinsame europäische Hochschullandschaft zu errichten. Das Problem war wie immer die miserable österreichische Umsetzung, die komplett schiefgelaufen ist. Es hat niemand gesagt, dass man das Diplomstudium in drei Jahre Bachelor hineinquetschen soll. Die ÖH sollte konkrete Änderungen für die Umsetzung anbieten, anstatt kategorisch zu sagen, Bologna war schlecht.








