„Wir erfahren Gewaltbereitschaft“
Polak (RFS) und Gamon (JuLis) über Genderwahn und abgerisssene Plakate
mokant.at: Der Grund für die Debatte ist ja, dass bisher nicht die Leistung, sondern das Geschlecht gezählt hat, nämlich das männliche. Sollte man das nicht zumindest thematisieren, Oskar?
Oskar Polak: Wir sind für Chancengleichheit, nicht für Ergebnisgleichheit. Die Interessen und Eignungen sind teilweise unterschiedlich. Ich habe ein tolles Beispiel aus der amerikanischen Luftwaffe: Man ist draufgekommen, dass es sinnvoller ist, weibliche Kampfpiloten auszubilden, weil sie besser dafür geeignet sind. Wenn wir sagen, wir brauchen 50 Prozent Männer und 50 Prozent Frauen wäre das einfach ein Blödsinn. Es sollte immer um die Eignung des Einzelnen gehen. Wir sehen in letzter Zeit, dass gerade konservative Parteien Frauen in Spitzenpositionen bringen. Es gab Bundespräsidentschaftskandidatinnen von der ÖVP und von der FPÖ, in Deutschland ist eine Frau an der Spitze. Die gläserne Decke, die noch vor ein paar Jahren ein Thema war, ist mittlerweile durchbrochen. Es geht ohne Quote und ohne staatliche Eingriffe.
mokant.at: Du hast gemeint, dass in den USA bei den Piloten mehr Frauen genommen werden, weil sie geeigneter sind. Wenn man sich die Professoren in Österreich ansieht, sind es hauptsächlich Männer. Sind Frauen also weniger geeignet für diesen Beruf?
Oskar Polak: Nein, nein, nein. Das ist ein großes Missverständnis. Es gibt in der Schweiz ein Modell gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz, nämlich einen anonymisierten Test. Das ist ein Zugang, den ich für wesentlich fairer halte, weil es wirklich um die Qualifikation und nicht um das Geschlecht geht.
mokant.at: Du hast Frauen an der Spitze von Parteien angesprochen. Im RFS sind ja sehr wenige Frauen im Bundesvorstand vertreten.
Oskar Polak: Es werden immer mehr. Gerade ich in Klagenfurt habe eine tolle Nachfolgerin, Nicole Di Bernardo. Wir vom RFS sind sehr stark Angriffen und Vorurteilen ausgesetzt. Wir erfahren wirkliche Gewaltbereitschaft. Es wird uns vorgeworfen, wir hätten zu wenig Plakate. Wir können in der Nacht plakatieren, am nächsten Tag sind alle Plakate wieder abgerissen, auch Angriffe bei Wahlkampfständen kommen vor. Viele Frauen meinen: „Wir arbeiten schon gerne mit, aber bitte stellt's uns nicht nach vorne.“ Jede Frau, die sich bei uns engagieren will, wird von uns, sofern sie geeignet ist, in Top-Positionen gewählt. Wir haben an der TU in Wien eine Spitzenkandidatin.
mokant.at: Du sprichst immer wieder von der Gewaltbereitschaft euch gegenüber. In diesem Zusammenhang hast du vorher gesagt, dir stinken Linke genauso wie Rechte. Würdest du den RFS nicht als rechts bezeichnen?
Oskar Polak: Das politische Spektrum ist wie ein Hufeisen. Das heißt, wenn man ganz rechts außen ist, braucht man nur einen Schritt machen und ist ganz links außen. Es geht hier um Gewaltbereitschaft. Ich habe mit jedem, der kein Demokrat ist, die Demokratie ablehnt, den demokratischen Grundkonsens nicht einhält, mit Gewalt losgeht und Sachen verwüstet, ein Problem. Da ist es mir völlig egal, ob der von links oder rechts kommt, das find ich nicht in Ordnung.
Claudia Gamon: Was meinst du genau mit Gewaltbereitschaft? Wenn jemand Plakate abreißt? Unsere Plakate werden auch abgerissen. Das bedeutet für mich, dass sich die Leute nicht mit mir auf einen Diskurs einlassen wollen. Das ist für mich nicht Gewaltbereitschaft.
Oskar Polak: Wenn du Flyer verteilst und jemand kommt her, schubst dich und schreit dich an, du sollst verschwinden. Was das Plakateabreißen angeht: Mir ist Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein sehr wichtig. Es ist schade um die Energie und die Ressourcen, die wir verbrauchen, um die Plakate die ganze Zeit nachzudrucken. Es gibt ein tolles Nietzsche-Zitat: „Ein Demokrat muss nicht nur andere Meinungen ertragen, er muss auch Freude an ihrem Widerspiel haben.“
mokant.at: Hat der RFS Freude an anderen Meinungen?
Oskar Polak: Selbstverständlich.
Claudia Gamon: Auch wenn's um Genderwahn geht?
Oskar Polak: Ich selbst habe gerade das Genderzertifikat auf der Klagenfurter Universität eingereicht, ich habe mich damit auseinandergesetzt. Wenn ich ein Thema kritisieren will, muss ich mich auskennen. Ich habe sehr viel Freude.
mokant.at: Die Frage, ob ihr rechts seid, hast du mir aber noch nicht beantwortet.
Oskar Polak: Ich habe kein Problem damit, wenn jemand mich als rechts bezeichnet, sofern er nicht irgendetwas mit extrem sagt. Ich selbst würde mich als konservativ bezeichnen.
mokant.at: Auch national-konservativ?
Oskar Polak: Durchaus.
Claudia Gamon: Ausländische Studenten zahlen mehr, es sei denn sie kommen aus Deutschland?
Oskar Polak: Nein, nein.
mokant.at: Soweit ich weiß, bist du Mitglied in einer Burschenschaft, die schlagend ist und sich selbst als national-konservativ bezeichnet. Ist sie auch deutschnational?
Oskar Polak: Klingt jetzt blöd, wenn ich sage „teilweise“. Aber das ist ein anderer Nationenbegriff, der einfach noch von vor 200 Jahren kommt. Mir ist die Regelung der Staaten wichtig. Man hat gesehen, dass alle diese Mehrvölkerstaaten zerfallen sind. Ich bin der Meinung, dass es sinnvoll ist, die Staaten nach möglichst ähnlichen Kulturen zu regeln. Ich bin dafür, dass man sich in Nationalstaaten organisiert. Unser Nationalstaat ist Österreich. Das ist jetzt von der Universitätspolitik furchtbar weit weg, ich hoffe, dass du nicht nur das in den Artikel hineinschreibst, sondern wirklich die Studentensachen. Um zur Studentenpolitik zu kommen: Jedem Österreicher muss es möglich sein, ein gutes Studium abzuschließen. Wir haben keine Mittel, um alle auszubilden. Der Herr Faymann müsste sich nach Brüssel bewegen und dort auf den Tisch klopfen und sagen: „Wir sind ein kleines Land, wir schaffen es nicht.“ Ich finde es toll, dass man überall in Europa studieren kann. Aber es muss einen finanziellen Ausgleich geben. Mir wäre es am liebsten, wenn die deutsche Bundesregierung für jeden deutschen Studenten, der hierher kommt, zahlt.
Claudia Gamon: Das ist wieder einmal komplett falsch. Es ist wunderbar, dass man überall studieren kann. Ich bin nicht nur in Österreich, ich bin in Europa. Nicht Brüssel ist schuld daran, dass wir Probleme haben, sondern die österreichische Hochschulpolitik. Nur weil ein Österreicher sich oft zu bequem ist, die oft viel besseren Universitäten außerhalb Österreichs wahrzunehmen, da können die anderen Regierungen auch nichts dafür. Sie dafür zu bestrafen, dass sie eine bessere Hochschulpolitik haben, ist abstrus. Man kann das Problem nur dadurch lösen, indem wir ähnliche Zugangsregelungen und ähnliche Voraussetzungen haben, wie in den anderen Ländern. Ich verstehe nicht, warum man Österreich nicht in eine einheitliche, europäische Bildungslandschaft eingliedern kann. Österreich ist keine Insel. Es gibt andere System, die besser funktionieren, von denen unsere Studenten profitieren würden.
Oskar Polak: Also du siehst das Problem ähnlich, hast nur eine andere Lösung. Du willst den freien Hochschulzugang abschaffen und ich ein Gegenfinanzierungsmodell mit der EU, um unseren freien Hochschulzugang zu erhalten.
Claudia Gamon: Nicht ganz. Natürlich haben wir ein Problem, aber das Problem liegt nicht an Europa und auch nicht an den ausländischen Studierenden. Wir könnten auch von ihnen profitieren. Es kommen viele aus dem Ausland, die sich wunderbar eingliedern würden in den Arbeitsmarkt, es wird ihnen aber nicht die Chance gegeben zu bleiben. Man schickt gut ausgebildete, integrierte Leute wieder weg. Damit verschwendet man unglaublich viel Potenzial.
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