17. Mai 2011 | Politik

„Untergriffe brauch ich nicht aushalten“

mokant.at > foto: raimund appel
Bernhard Krall (AG) könnte sich eine AG-GRAS-Koalition vorstellen

Bernhard Krall und Janine Wulz über Transparenz und ihre poltischen Ambitionen

 

mokant.at: Die GRAS wirft der AG immer wieder vor, von der ÖVP finanziert zu werden. Veröffentlicht ihr eure Geldquellen und Förderungen irgendwo?

Bernhard Krall: Wir bekommen keine Förderungen, das weiß ich. Mit Abstand der Großteil des Geldes kommt von Inseraten in unseren Broschüren, die wir sehr erfolgreich verkaufen. Da bitte ich um Verständnis, dass wir das nicht im Detail offenlegen. Wenn wir diese Inserate verhandeln, steht immer wieder in den Verträgen mit den verschiedenen Unternehmen, dass das nicht offengelegt werden soll.

Janine Wulz: Aber man sieht doch in euren Zeitungen, wer euch da unterstützt.

Bernhard Krall: Wer inseriert, sieht man schon, aber wir können die Beträge nicht reinschreiben.

Janine Wulz: Ich finde es ja sehr, sehr traurig, dass ihr euer Budget nicht offenlegt. Die GRAS tut das ja jeden Wahlkampf.

Bernhard Krall: Ja, und es kommt immer raus, dass ihr von den Grünen finanziert werdet.

Janine Wulz: Ja, eh. Die Frage ist halt: Wenn wir uns diese Inserate anschauen, wer unterstützt da die Aktionsgemeinschaft? Wir haben gerade in den letzten Ausgaben der AG-Zeitungen gesehen, dass da große Inserate von ÖVP-Ministerien drinnen waren. Da würden mich dann schon die Zahlungsströme aus ÖVP-Ministerien interessieren, wo ehemalige Mandatarinnen und Mandatare der Aktionsgemeinschaft arbeiten. Es ist wichtig so etwas transparent zu machen, weil die Studentinnen und Studenten ein Recht darauf haben, zu wissen: Wie ist meine Meinung beeinflusst? Mit welchen Grundsätzen welcher Partei sympathisiere ich?

 

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mokant.at: Hat die GRAS keine Inserate in ihren Zeitungen?

Janine Wulz: Nein, wir bekommen 35.000 Euro Wahlkampfbudget von den Grünen. Das ist eine Summe, die in den letzten Jahren ein bisschen variiert – mal nach oben, mal nach unten, je nach der Budgetsituation der Partei. Natürlich heißt das für uns nicht, dass wir inhaltlich abhängig sind. Das heißt aber, dass wir viele Grundsatzpositionen der Grünen teilen. Das lege ich gerne offen und finde ich auch unproblematisch. Es ist einfach transparenter, als immer so zu tun, als gäbe es da kein Naheverhältnis und als hätte man nichts miteinander zu tun.

Bernhard Krall: Erstens mal zu den Inseraten: Das sind Inserate öffentlicher Einrichtungen. Das kann man zum Beispiel in parlamentarischen Anfragen nachprüfen, ist also vollkommen offen und transparent.

Janine Wulz: Man muss eine parlamentarische Anfrage stellen, um Transparenz zu bekommen?

Bernhard Krall: Zweiter Punkt: Wir haben ein Naheverhältnis zur ÖVP, das leugnet auch kein Mensch. Wir treffen unsere Meinung aber vollkommen eigenständig. Dabei orientieren wir uns nur an unserer eigenen Meinung und an den Bedürfnissen der Studierenden. Ich weiß nicht, wieso die GRAS ständig verbreitet, dass wir von der ÖVP abhängig sind, wo wir doch ständig die Wissenschaftsministerin mit kritischen Presseaussendungen et cetera bombardiert haben. Ich weiß nicht, warum ich mir das dauernd anhören muss und warum wir ständig eine dermaßen dämliche Diskussion führen müssen. Das verschwendet schlichtweg Ressourcen um Aufmerksamkeit, an der wir nicht übersättigt sind in dieser ÖH-Wahl. Das trägt überhaupt nichts bei, sondern ist purer Populismus, um irgendwen von einer Wahlentscheidung abzuhalten und Zusammenhänge zu konstruieren, die nicht existieren.

Janine Wulz: Mir geht es dabei um Transparenz und ich bin sehr froh, dass du jetzt auch einmal ausgesprochen hast, dass ihr ein Naheverhältnis zur ÖVP habt. Das macht vieles sehr viel einfacher, auch für die Studentinnen und Studenten. Die Leute sollen einfach wissen, woran sie sind, dann brauchen wir über das Ganze auch nicht mehr diskutieren. Es gibt wichtigere Themen, da stimme ich ja durchaus mit dir überein.

 

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mokant.at: Es kommt immer wieder vor, dass Leute aus der Hochschülerschaft später in die Politik gehen. Hast du solche Ambitionen, Bernhard?

Bernhard Krall: Ich habe keine konkreten Ambitionen. Ich finde das Dasein als Politiker sehr interessant - gestalten zu können, wie unsere Welt aussieht. Allerdings erlebe ich auch hier wieder in relativ harten und zum Teil untergriffigen Diskussionen, wie hart das ist. Und wenn man sich ansieht, wie es in der „großen Politik“ zugeht, ist das noch die Light-Version. Darauf habe ich überhaupt keine Lust.

 

mokant.at: Und wie steht es mit dir, Janine?

Janine Wulz: Ganz im Gegensatz zu Bernhard machen mir der ÖH-Wahlkampf und das Arbeiten in der ÖH sehr viel Spaß. Ich kann mich sehr gut dafür begeistern, mich für Studierendenrechte einzusetzen.

Bernhard Krall: Dafür kann ich mich auch begeistern, nur nicht für untergriffige Diskussionen.

Janine Wulz: Naja, man muss ein bisschen was aushalten können, wenn man politisch aktiv ist.

Bernhard Krall: Nein, Untergriffe brauch ich nicht aushalten.

 

mokant.at: In der ATV-Elefantenrunde zu ÖH-Wahl wurde dir ja Populismus bescheinigt, Janine. Ist das die Art, wie du dann Politik machen möchtest?

Janine Wulz (lacht) Nein, natürlich gar nicht. Sowohl die GRAS als auch ich haben sehr lange Zeit schon gezeigt, dass es uns vor allem um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit politischen Themen geht. Natürlich versucht man manchmal, Dinge ein bisschen auf den Punkt zu bringen oder überspitzt zu formulieren. Das sollte aber die inhaltliche Arbeit nicht mindern, die dahinter steckt.

 

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mokant.at: Mit welchen Fraktionen könnte sich die GRAS nach der Wahl wieder eine Zusammenarbeit vorstellen?

Janine Wulz: Wir haben in den letzten Jahren eine sehr gute Zusammenarbeit mit der FEST gehabt und auch sehr eng mit dem VSStÖ zusammengearbeitet. Wir haben punktuell sehr eng mit den Fachschaftslisten zusammengearbeitet – gerade jetzt bei der Reform des Hochschülerinnenschaftsgesetzes, wo die AG ja sehr stark blockiert hat. Das sind alles durchaus Koalitionspartnerinnen für uns, genauso wie der KSV-LiLi, mit dem wir auf der ÖH Uni Wien seit vielen Jahren gemeinsam arbeiten.

 

mokant.at: Und welche Präferenzen hat die AG?

Bernhard Krall: Uns geht es um die Inhalte. Jeder, der bereit ist, die Inhalte in unserem Wahlprogramm umzusetzen, ist willkommen. Was ich mir nicht gut vorstellen kann, ist eine Zusammenarbeit mit den kommunistischen Verbänden, genauso nicht mit dem RFS. Diese Verbände ideologisieren noch viel stärker als GRAS und VSStÖ und tragen gesellschaftspolitisch Riesenforderungen in die ÖH hinein.

 

mokant.at: Du könntest dir also eine Koalition mit der GRAS vorstellen?

Bernhard Krall: Wenn wir uns inhaltlich einig werden, durchaus.

 

mokant.at: Glaubst du das nach dem heutigen Gespräch?

Bernhard Krall: Ich appelliere an die Vernunft und daran, die Interessen der Studierenden zu vertreten. Dabei schließe ich von vornherein niemanden aus. Ich bin Demokrat und spreche nach der Wahl mit allen gewählten Fraktionen.

Janine Wulz: Für uns ist sehr klar, dass wir nicht mit der Aktionsgemeinschaft koalieren können. Bei Forderungen wie Zugangsbeschränkungen, die sich ganz klar gegen die Interessen der Studentinnen und Studenten richten, werden wir uns sicherlich niemals einig werden.

 

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