Nachtrag: „ums Ganze!“ Bündnis beantwortet Fragen zur Akademikerball-Demo

Am Donnerstag, den 30. Jänner veröffentlichte mokant.at einen Artikel über die Demonstrationen gegen den Wiener Akademikerball. Das „ums Ganze“ Bündnis beantwortete die von mokant.at geschickten Fragen mit etwas Verspätung, sodass sie nicht mehr in den Artikel integriert werden können. Wir reichen die Antworten aber der Vollständigkeit halber nach.

Hier geht es zum Hauptartikel.

mokant.at: Was sagt ihr zum Slogan „Unseren Hass den könnt ihr haben“, der auf der Website nowkr zu sehen war. Wie war das genau gemeint?
„ums Ganze“: Gemeint war damit ein Hass auf die FPÖ und ihre extrem rechten Burschi-Freunde. Rassismus ist keine hinnehmbare politische Haltung, sondern eine lebensgefährliche und in vielen Fällen tödliche Ideologie. Solchen Leuten begegnet man nicht mit parlamentarischer Höflichkeit. Wer auch nur ein bisschen Anstand hat, muss diese anständigen RassistInnen hassen, und muss ihnen diesen Hass auch irgendwie näher bringen.

mokant.at: Ihr meint, dass die Polizei für die Gewalt verantwortlich ist. Inwiefern?
„ums Ganze“: Die Wiener Polizei hat mit Unterstützung der FPÖ über Wochen ein Angstszenario gepinselt, antifaschistischen Protest pauschal diffamiert und die Rassisten per „Gefahrenzone“ abgeschirmt. Anstatt dann wenigstens die Demo in Ruhe zu lassen, hat die Polizei von Anfang an vollbewaffnet vor, neben und hinter unserem Zug provoziert. Diese Verarsche haben viele Protestierende verständlicher Weise nicht akzeptieren wollen. Vergessen sie nicht, dass solche Sperrzonen eine Notstandsmaßnahme sind. Die angebliche „Unparteilichkeit“ von Polizei und Staat führt konkret dazu, dass RassistInnen sich munter vernetzen können, dass sie eine Bühne für chauvinistische Hetze bekommen.

mokant.at: Es sind zahlreiche Schaufenster eingeschlagen worden. Wer ist dafür verantwortlich? Waren das Personen, die im Schwarzen Block mitmarschiert sind? „ums Ganze“:Waren das Mitglieder von umsGanze? Wer wann welche Schaufensterscheiben kaputt gehauen hat, wissen wir nicht und wollen es auch gar nicht wissen. Es ist auch überhaupt nicht relevant. Relevant ist für uns ein drohender Rechtsruck in Europa, der mit Events wie dem Akademikerball sprichwörtlich hoffähig gemacht wird. Dass bei Louis Vuitton mal einen halben Tag lang keine 2000-Euro-Taschen verkauft werden können, können wir nicht wirklich bedauern. Dass in diesem Europa, das sich am Mittelmeer abschottet, Geflüchtete abgeschoben werden oder versucht wird sie anzuzünden, das ist der wirkliche Skandal. Der Druck kapitalistischer Konkurrenz lässt viele um ihre Privilegien bangen. Um so aggressiver klammern sie sich an die Nation. Mit ihrem Rassismus und Sozialchauvinismus inszenieren sie sich als natürliche Elite. Das ist das Problem.

mokant.at: Was hat das Einschlagen von Schaufensterscheiben mit dem Protest gegen den Akademikerball zu tun?
ums Ganze: Es hat offenbar vor allem mit dem Versuch der Polizei zu tun, den Protest nach Gutdünken zurechtzustutzen. Wer antifaschistischen Protest mit Sperrzonen und Polizeigewalt mundtot machen will, hat den anschließenden Sachschaden selbst zu verantworten.

mokant.at: Durch die Ausschreitungen bei der Demonstration ist der Fokus vom eigentlichen Thema völlig weggerückt: jetzt wird gar nicht mehr über den Ball, sondern nur mehr über den Protest diskutiert, der Holocaust-Gedenktag bekam gar keine Aufmerksamkeit. Wären friedliche Parolen, die den Kern der Sache ins Zentrum stellen, nicht sinnvoller gewesen?
„ums Ganze“: Gegenfrage: Ist es nicht eigenartig, dass die meisten Österreicher das Schaulaufen der Rechtspopulisten relativ ungerührt hinnehmen, dass ihnen aber sofort der Kragen platzt, wenn ausgebremste Demonstranten mal ein paar symbolische Blumentöpfe umwerfen und sich bei der Polizei bedanken gehen?! Wir haben schon vor Wochen einen ziemlich langen Text veröffentlicht, mit reichlich Analysen zur europäischen Rechten, den Verschiebungen innerhalb des politischen Systems Europas und den Zusammenhängen von Krise und Rechtspopulismus. (http://umsganze.org/wkr-2014/ ) Man kann sich das durchlesen und darüber diskutieren und die aufgeworfenen Fragen beantworten. Man kann sich natürlich auch zurücklegen und sagen: „Jetzt waren da ein paar Vermummte die Mistkübel umgeworfen haben, jetzt brauche ich darüber ja auch nicht mehr nachzudenken.“

Mehr dazu:
Interview mit Heribert Schiedel zum Thema Burschenschaften

Titelbild: wikimedia/Bwag (cc)

Sofia Khomenko ist Chefredakteurin von mokant.at

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