Der Rockstar mit der Hornbrille
Schräge Performances und nerdige Musik liegen im Trend - ein paar Beispiele gefällig?
Früher wurde er für sein Erscheinungsbild und Auftreten allseits belächelt, heute wird er an allen Ecken und Enden gefeiert und imitiert: Der Nerd genießt vermutlich einen besseren Status als je zuvor. Zweifelsohne ist die Nerd-Ästhetik auf einem Triumphzug und hinterlässt ihre Spuren in der Popkultur. Auch die Musikindustrie kann heute auf Elemente des Nerd-Daseins nicht mehr verzichten: Referenzen finden sich in Musikvideos, Outfits und Performances. Viele Bands und DJs setzen bewusst auf das streberhafte Erscheinungsbild und so mancher prominente Musiker hat vielleicht auch unbewusst eindeutige Züge eines waschechten Nerds. mokant.at stellt einige der nerdigsten Musiker und ein paar der musikalischsten Nerds vor.
Totally Enormous Extinct Dinosaurs
Schon dem Künstlernamen von Orlando Higginbottom haftet etwas nerdhaftes an: Einen total enormen ausgestorbenen Dinosaurier nennt er sich. Die Dino-Kostüme und überdimensionalen Kopfbedeckungen, die der DJ und Producer bei Auftritten und in Musikvideos trägt, steigern den Nerd-Faktor noch einmal erheblich. Klassische Coolness spielt beim Erscheinungsbild des Briten kaum eine Rolle. In einer typischen Indie-Band oder als musterhafter DJ in T-Shirt und Sneakers aufzutreten, war ihm schlicht zu langweilig. Er wollte sich im Musikgeschäft „so gut wie möglich schlagen - und zwar aus der denkbar lächerlichsten Ausgangslage", meinte Higginbottom in einem Interview. Nicht nur die äußere Erscheinung, auch der Inhalt der Songs zeigt eindeutige Referenzen zum Leben eines Nerds. Die allermeisten Lieder von Totally Enormous Extinct Dinosaurs handeln nämlich von unerwiderter Liebe - und bekanntlich war der Nerd ja schon in der Schule nur selten der Klassenschwarm.
Darwin Deez
Wenn es einen Musiker gibt, der das stereotype Aussehen des Nerds besonders furchtlos aufgegriffen und in Folge sogar noch perfektioniert hat, dann ist das wohl Darwin Deez. Vom überdimensionalen Strickpullover über die Krankenkassabrille bishin zu den bodenscheuen Jeans: Der Style des New Yorkers macht dem Sonderling von früher alle Ehre. In seinen Musikvideos präsentiert Deez zudem gerne absurde Erfindungen und legt nebenbei die eine oder andere gekonnt schlaksige Tanzeinlage hin. Selten wurden uns die Parallelen des Nerds von gestern zum Hipster von heute so unterhaltsam vorgeführt.
Real Estate
In der Welt des Indie-Rock scheint sich der Nerd besonders zuhause zu fühlen. Die Band Real Estate beispielsweise verzichtet gerne auf das Rockstar-Gehabe, das altbekannte Vertreter des Genres gerne einmal an den Tag gelegt haben. Anstatt sich mit schönen Mädchen, auf Partys oder bei Trinkgelagen zu präsentieren, verbringen die Herren aus New Jersey im Video zu „It's Real" ihre Zeit lieber mit ihrem Hund - und tragen dabei dicke Strickpullover, trinken Tee und schauen alte Heimvideos am Projektor.
Das Racist
Aber auch vor der einst so übertrieben maskulin geltenden Hip-Hop- und Rap-Kultur macht der Siegeszug des Nerds keinen Halt. Das Racist etwa nehmen sich selbst anscheinend nicht sonderlich ernst. So ziemlich jede Textpassage, in der sich das Trio aus Brooklyn selbst glorifiziert, ist eher sarkastisch zu verstehen – und das ist nur bei den wenigsten amerikanischen Rappern der Fall. Vor allem stylingtechnisch haben Das Racist aber wirklich sehr tief in die Nerdkiste gegriffen: Schnauzer und Vollbärte sowie – wie sollte es auch anders sein – Hornbrillen und bunte Strickpullis prägen das Erscheinungsbild. Mit ihrem etwas belustigenden Stil finden das Racist aber durchaus Anklang, auch bei etablierten Größen des Hip Hop.
Deadmau5
Dass ein waschechter Nerd und Computerfreak es bis in die höchsten Etagen der Musikindustrie schaffen kann, beweist uns Joel Zimmermann, besser bekannt als Deadmau5. Bevor er zu einem der größten Stars der Electronic Dance Music-Szene wurde, arbeitete der Kanadier unter anderem als Programmierer und in einem Computershop. Sein Künstlername geht auf eine tote Maus zurück, die er einmal in seinem PC gefunden hat. Selbst sein Markenzeichen, den „Mau5head", den er fast bei jedem Auftritt trägt, hat Zimmermann in einem 3D-Programm selbst entworfen. Da versteht es sich fast von selbst, dass der größte Teil der Musik, die Deadmau5 berühmt machte, zuhause am eigenen kleinen Rechner entstanden ist. Mittlerweile können Fans im Livestream stundenlang mitverfolgen, wie Zimmermann vor dem Bildschirm seine Stücke zusammenbastelt. Fast um zu beweisen, dass es sich bei ihm um einen computeraffinen Nerd der Superlative handelt, hat sich der Mann auch noch einen faustgroßen Space Invader – die Figur aus dem Videospielklassiker – auf den Hals tätowieren lassen.
Artikel von Nitori Reichel
Bild oben: (c) Totally Enourmous Extinct Dinosaurs
Bildleiste: mokant.at collage > fotos: flickr.com/phudson1442, wikimedia.org/JGroff13 (cc), flickr.com/Atticus Finch, flickr.com/Eli Watson, flickr.com/Rodrigo Esper, restliche Bilder: (c) Totally Enormous Extinct Dinosaurs














