Die Hörner zum Himmel
Der mokant.at-Festivalbericht zum Nova-Rock-Festival 2012
Das Nova Rock Festival 2012 scheint vom Großteil seiner Besucher die gehörnte Faust nach oben - das Symbol der Metalszene - erhalten zu haben. Selten gab es eine Ausgabe des Festivals, die so friedlich und gesittet vonstatten gegangen ist und die auch in der Presse eine so positive Resonanz erzielt hat. Ob das nur am Wohlwollen der Festivalgeher lag oder auch an der geringeren Besucherzahl, lässt sich nur schwer sagen. Eindeutig ist allerdings, dass die Metal-Kultur 2012 mit dem Novarock einen würdigen österreichischen Festakt verbuchen konnte.
Ein klassisches, doch starkes Ende
Mit dem Auftritt von Metallica fand das Nova Rock Festival 2012 einen Abschluss, wie er für eine Pilgerstätte des Metals klassischer nicht sein könnte. Die größte Band des Genres feierte das zwanzigjährige Jubiläum ihres preisgekrönten Black Albums und spielte dieses im Zuge ihres Sets auch noch komplett durch. Von den „Big Four“ des Thrash Metals, der in den 80er Jahren die Geschwindigkeit und Kompromisslosigkeite wieder zurück in das Genre brachte, sind Metallica die erfolgreichste Gruppierung. Sie waren am letzten Tag des Festivals jedoch nicht der einzige große Name, den die blaue Bühne für die Besucher bereithielt.
Slayer, ebenfalls ein Teil der großen Vier, lieferten mit ihrem Auftritt am Nova Rock eine ungewöhnlich lebendige und überzeugende Show ab. Seit den 1980ern ist die Band für ihren brachialen Sound und ihr aneckendes Image bekannt. In den letzten Jahren wurden jedoch Stimmen laut, die der Band eine langsam einsetzende Antriebslosigkeit bei Liveauftritten nachsagen. Für das diesjährige Nova Rock schienen Slayer aber ebenjene Energie wiederentdeckt zu haben, die ihre Shows bereits vor Jahrzehnten so legendär machte. Mit einem derart klassischen Doppel im Ärmel, sicherten sich die Veranstalter trotz unbeständigen Wetters den ganz großen Knall zum Ende des dreitägigen Festivals.
„Death to all but metal!“
Doch nicht nur den klassischen Haudegen des Genres wurde in diesem Jahr Tribut gezollt, sondern auch bedeutend jüngeren Bands und solchen, denen ihre große Karriere noch bevorsteht. Bands wie Machine Head und Mastodon, die im Jahr 2011 von der Fachpresse hochgelobte Alben veröffentlichten, trafen auf moderne Klassiker wie P.O.D. und Limp Bizkit, von denen Letztere wahrscheinlich eine der größten Überraschungen des Festivals waren. Frontmann Fred Durst war vor einigen Jahren bei seiner Fangemeinde in Ungnade gefallen, nachdem er temporär den Gitarristen und Publikumsliebling Wes Borland aus der Band verabschiedet hatte. Nun wurde von den Fans willkommengeheißen wie ein alter Freund und als Ikone des Nu Metals gefeiert. Erwähnenswert gute Auftritte lieferten auch die 2011 gegründete Metal-Supergroup AxeWound, sowie die überzeichnete Glam Rock Formation Steel Panther. Mit ihrer „Death to all but Metal“-Attitüde projezierten Letztere eine karikierte Variante des Sunset-Strip-Flairs der 80er Jahre direkt auf die Felder Nickelsdorfs.
Mit anzüglichen und ausfälligen Bemerkungen stellten Steel Panther das Publikum (und dabei besonders das weibliche Publikum) humortechnisch auf die Probe - und waren dabei nicht die einzigen. So machte Killswitch Engage Mastermind Adam D. durchaus keinen Hehl daraus, dass er einige Mädchen aus den vorderen Reihen höchst anziehend fand. Auch die stets anstößigen, doch von ihrer „Turbojugend“ verehrten Death Punker Turboneground machten viele humorvolle, doch nicht immer jugendfreie Sager. Metalfestivals scheinen ein Ort zu sein, an dem sich Musiker wie auch Besucher ungestraft den einen oder anderen Herrenwitz erlauben und damit anstatt Empörung ein herzhaftes Lachen ernten können.
Todesfall und abgesagte Konzerte
Doch das Nova Rock Festival 2012 war nicht nur musikalisch ein Fest der Vielfalt und der Gegensätze. So brütend heiß und staubtrocken sich das Wetter am ersten Tag präsentierte, so stürmisch und verregnet war es am folgenden Abend. Besonders bitter war der Wetterumschwung für die Musiker auf der roten Bühne. Aufgrund einer Sturmwarnung wurde der Auftritt der frisch wiedervereinigten Hardcore-Helden REFUSED abgebrochen. Das letzte Konzert der Band im Oktober 1998 war von der Polizei abgebrochen worden. Fast schien es wie ein Zeichen, dass die Fans auch nach der Wiedervereinigung nicht in den Genuss eines vollen Auftritts kommen sollten. Die Performances von Marilyn Manson und Within Temptation fielen ebenfalls den Sturmböen zum Opfer.
Tragisch war der Tod eines 24-jähriger Niederösterreichers, der auf dem Festivalgelände zusammenbrach und auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb. Laut Veranstalter und Rotem Kreuz litt der Verstorbene an einem Herzfehler. Es sind Momente wie diese, die das gängige Kokettieren mit Todessehnsucht und -symbolik in der Metalszene als zutiefst fragwürdig und weltfremd erscheinen lassen.
Gesittet, aber nicht ausverkauft
Alles in allem präsentierte sich das Nova Rock dieses Jahr mental aufgeräumt. Weder fiel das Publikum durch überzogenes Randalieren auf, noch trafen vor den Bühnen übermäßig erhitzte Gemüter aufeinander. Es wurde die gemeinsame Liebe zum Metal und zur Rockmusik gefeiert – und das trotz wechselhaften Wetters, bei viel Bier und guter Laune. Das Festival war diesmal ausnahmsweise nicht ausverkauft. Das zeigt, dass ein innovativerer Zugang beim Booking und moderatere Ticket- und Getränkepreise noch immer nicht schaden würden. Nach 130 Euro für die Tickets waren die Besucher wie jedes Jahr nicht gerade amüsiert über Bier um 5,50 Euro.














