Musik. Schweigen.
Am 10. Dezember 2011 findet in Wien die „Lange Nacht der Hörspielmusik“ statt
Die erste, inzwischen beinahe vergessene, Kunstform des Hörfunks war das Hörspiel. Laut Peter Zwetkoff, einem der Meister dieser Kunst, ist die Aufgabe der Kunst etwas „Chaos in die Ordnung“ zu bringen. Am 10. Dezember 2011 wird die „Lange Nacht der Hörspielmusik“ nun auch in Wien stattfinden.
Eine in Vergessenheit geratene Kunstform
„Die Hörspielmusik Peter Zwetkoffs weiß, was Schweigen ist (das kann man nicht von jeder Musik sagen, aber die Hörspielmusik ist eine Musik, die zum Sprechen dazukommt, daher weiß sie mehr vom Schweigen als jede anderer Musik)“, sagte Elfriede Jelinek.
Hörspiele, also rein akustische Inszenierungen mit verteilten Sprechrollen, Musik und Geräuschen, sind die erste Kunstform, die der Hörfunk hervorgebracht hat. Dieses Genre, das hauptsächlich über Radio verbreitet wurde, geriet durch die Etablierung von Film und Fernsehen immer mehr in Vergessenheit. Matthias Breit, Sohn des bekannten Tiroler Komponisten und Regisseurs Bert Breit, will diesem Prozess entgegenwirken und organisierte am 5. November 2011 eine „Lange Nacht der Hörspielmusik“ mit besonderem Schwerpunkt auf Peter Zwetkoff im ehrwürdigen Gasthaus Bretze in Hall in Tirol. Sieben Hörspiele aus den Jahren 1956-2006, bei denen der Komponist mitgearbeitet hat, wurden für rund hundert interessierte Besucher aufgeführt. Auch ein Gespräch mit dem Radioregisseur Ulrich Lampen vom SWR und ARD, der unter anderem Mitschnitte der Nürnberger Prozesse als Hördokumente veröffentlicht hat, stand am Programm.
Chaos in die Ordnung bringen
„Formal und strukturell kann Musik enorm wichtig sein. Man muss aber auch einiges dazu tun, dass etwas nicht so deutlich wird, dass Sprache nicht so greifbar wird. Ich glaube überhaupt, dass die Kunst viel damit zu tun hat – hätte – oder haben sollte, Chaos in die Ordnung zu bringen“, so Peter Zwetkoff, der als „Meister der angewandten Komposition“ gilt. Das bedeutet, dass seine Musik niemals reine Musik ist, sie ist eng mit Sprache und Handlung verknüpft. Dies ist besonders wichtig in Bezug auf das Hörspiel, in dem der Text in sehr engem Verhältnis mit der Musik steht. Dem Hörer ist es möglich, zeitweise Musik, Text oder Geräusche zu vergessen bzw. sich nur auf eine Komponente zu konzentrieren.
Der Komponist Peter Zwetkoff
Das Leben des Komponisten Peter Zwetkoff (geboren 1925 in Bulgarien), vor allem seine Jugendzeit, sind geprägt von Opposition und Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Aufgewachsen in Hall in Tirol wurde er zweimal verhaftet und nicht zur Matura zugelassen. Er besuchte die Musikschule in Innsbruck, wo er in Klavier, Harmonielehre und Kontrapunkt unterrichtet wurde und studierte ab 1947 am Mozarteum in Salzburg, unter anderem Komposition bei Karl Orff. 1954 nahm Zwetkoff eine Stelle als „musikdramaturgischer Berater“ der Hörspielabteilung des Südwestfunks in Baden-Baden an, wohin er ab diesem Zeitpunkt seinen Lebensmittelpunkt verlegte. Aufgrund seiner den Text interpretierenden gestischen Kompositionsweise fand er weit über den Sender hinaus Anerkennung und erhielt Aufträge von zahlreichen anderen deutschsprachigen Rundfunkanstalten, schrieb Musik für Filme und Bühnenstücke. Er wurde mit einigen Preisen, unter anderem vier Mal mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden, ausgezeichnet. Seit seiner Pensionierung 1990 arbeitet er als freischaffender Komponist und lebt in Baden-Baden und Wien. Er hat mit namhaften Regisseuren wie Ulrich Lampen, Max Ophüls oder Urs Widmer zusammengearbeitet. Am 17.9.2011 wurden Peter Zwetkoff das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und der Billy-Wilder-Award verliehen.
„Lange Nacht der Hörspielmusik“ auch in Wien!
Am 10. Dezember 2011 finden diese sieben großartigen Werke, denen in der heutigen Zeit leider viel zu wenig Beachtung geschenkt wird, von 15:00 bis 24:00 Uhr Aufführung im Literaturhaus Wien, Seidengasse 13. Ein besonderes Highlight wird ein Gespräch mit der Autorin Marlene Streeruwitz über Hörspiele generell und Zwetkoffs Hörspielmusik im Speziellen sein.














