14. September 2011 | Musik

Big in Saalfelden

 
(c) Alex Feiglstorfer
Am Festival in Saalfelden trafen Jazz und Avantgarde aufeinander
(c) Alex Feiglstorfer

Rene Nuderscher berichtet von seinem Besuch des Jazzfestes Saalfelden

 

Eigentlich kennt man sich im Jazz nicht wirklich aus, man ist eher ein Popjünger, der dem düsteren Krawall zugewandt ist. Zugegebenermaßen hat man aber einige Dinge für sich entdeckt, die dem Avant-Jazz zuzurechnen sind, welche aber für den Jazzpuristen wahrscheinlich ketzerische und subversive Elemente darstellen. Umso gespannter war man deshalb auf Saalfelden, wo das renommierte Jazzfestival stattfinden sollte und man die Möglichkeit in Aussicht gestellt bekam in den V.I.P-Bereich vorzudringen, um sich mal so richtig wichtig zu machen - in jazzahnungsloser Manier wie bereits gesagt. Man brach also um 9:45 von Innsbruck auf, folglich fast mitten in der Nacht, und begab sich mit Hilfe von Navigationsgerät und Sonic Youth „on the road“.

 

Die lange Suche nach dem Jazz

Man lässt hier nun die Beschreibung der Landstraßen und Bergketten weg, um sich während des Schreibvorgangs nicht selber zu langweilen und kommt direkt zu dem malerischen SPAR-Parkplatz mitten im idyllischen Saalfelden.
Hier musste erst einmal für kleine Bergtiger gemacht werden, die Adjustierung nachjustiert und ein großer Zug Salzburgerluft in die Lungenflügel gelassen werden. Erfreut darüber, dass bisher fast alles glatt gelaufen war - bis auf die Tatsache dass der Fotoapparat nicht mehr funktionierte - machte man sich mit munteren Gedanken, und einem, wie sich kurz darauf herausstellen sollte, verhängnisvollen Stadtplan/Dorfplan auf den Weg. Eigentlich hätte man nur über die Straße gehen müssen und wäre schon am Ziel gewesen, doch aufgrund eines unübersichtlichen, wenn nicht sogar komplett falschen Stadtplans, irrten meine Brüder im Geiste und meine Wenigkeit durch ganz Saalfelden. Auch die Hilfe der „Eingeborenen“ brachte uns nicht viel, ganz im Gegenteil, jeder der Angesprochenen schickte uns in eine andere Richtung, so dass man meinen konnte, ein Schildbürgerstreich sei im Gange. Irgendwann traf man dann eine unglaublich nette Psychologin, die schon 3 Tage lang das Festival besuchte und sich trotzdem, wie wir, verirrt hatte. Hätte diese Frau uns nicht mit herrlichen Vergleichen von Freejazz mit Kinderpsychologie intellektuell und auch unterhaltungstechnisch am Leben gehalten, ich wüsste nicht wo wir heute wären.

 

Jim Black und die Kunst der Leichtfüßigkeit

Als wir dann endlich beim so genannten Kongresshaus, wo auch die Mainstage war, angelangt waren – ca. 1 Schachtel Zigaretten von unserem Ausgangspunkt später – mussten wir erst einmal das Bierzelt aufsuchen um uns zu stärken und lachend alles Revue passieren zu lassen. Dann verabschiedeten wir uns von der Psychologin (ohne Bussi, Bussi) und kümmerten uns um die Akkreditierung. Der V.I.P.-Bereich wo wir uns, bis auf die Konzerte, künftig aufhalten sollten, ließ keine Wünsche offen. Überall waren Kühlschränke, randvoll mit Getränken und eine riesige Terrasse mit Liegestühlen lud zum Müßiggang ein. Eine freundliche Dame die für das ganze Organisationsmanagement zuständig war, kümmerte sich auf überaus unbürokratische und deshalb sehr nette Art und Weise, um unsere Belange.

 

Um 14 Uhr fand dann das erst Konzert in einem bestuhlten Saal statt. Mit unseren V.I.P - Bändchen hätten wir auf der Galerie platznehmen können, wären noch unbesetzte Stühle vorhanden gewesen. So mussten wir dann stehen, um dem grandiosen Schlagzeugspiel von Jim Black beizuwohnen. Ein Schlagzeugspiel, das auch für einen Laien wie mich eine Sensation darstellte. Mit allen technischen Finessen ausgestattet, bearbeitete dieser Herr auf eine leichtfüßige und rhythmisch doch so komplexe Art und Weise das Schlagzeug, dass die eigenen Ohren immer einen Schritt zurückblieben. Man wollte wieder Schlagzeugsoli hören und blendete seine zwei Mitstreiter am Kontrabass und Klavier fast vollständig aus. Mit einem Gefühl für Soundtemperatur wusste er das Schlagzeug in unterschiedlichen Intensitätsabstufungen, einer durch ihn definierten, umfassenden Bestimmung zuzuführen. Keineswegs anstrengend, sondern farblich differenziert nutzte er Rhythmik als Selbstzweck, um aufzuzeigen was möglich ist und suspendierte Vorstellungen von Schlagzeugspiel als reines Taktgeben.

 

Als Nächstes stand für uns Nels Cline auf dem Spielplan, mit dem wir nach dem Konzert auch ein Interview bekommen sollten - doch vorerst war eine kleine Pause angesagt um neue Aufnahmefähigkeit und Jazzkompetenz zu entwickeln.

„Thank God I am a V.I.P.“

 

Reportage von Rene Nuderscher

 

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Webpräsenz Jazzfest Saalfelden



Fotos von Alex Feiglstorfer

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