Nova Rock: Sonne, Lärm und Dixieklo
mokant.at berichtet von Festivals:
Das Nova Rock Festival 2011
Die siebte Ausgabe des Nova Rock-Festivals ging in der Nacht von Montag auf Dienstag mit den Auftritten der Bands „System of a Down“ sowie „Otto und die Friesenjungs“ zu Ende. Mit 160.000 Besuchern in drei Tagen das größte Rock- und Metalfestival Österreichs und eines der größten in Europa, präsentierte
es sich in diesem Jahr zwischen strahlender Sonne, einem vielfältigen Line-Up, wahnwitzigen
Warteschlangen vor den Sanitäranlagen und einem Wasserrohrbruch.
mokant.at war für dich dabei und hat sich mit kritischen Augen der Organisation gewidmet, sowie der Stimmung, der Kinderkrankheiten, die das Festival inzwischen eigentlich hinter sich gelassen haben könnte, und natürlich den Künstlern und ihren Auftritten.
Ein Festival der Höhen
Das Nova Rock-Festival ist inzwischen zu einer Institution im Rock- und Metalsektor und eines der größten Festivals Europas geworden. Umgerechnet auf drei Tage, verzeichnete das Festival 160.000 Besucher, rund 80 Bands und 2150 Patienten die von 120 Sanitätern versorgt wurden. Wettertechnisch hatte die diesjährige Ausgabe Glück, vom Regen blieben die Festivalbesucher verschont. Traditionellerweise waren jedoch nicht nur die Besucherzahlen, die Stimmung der Fans und der Stand der Sonne beim Nova Rock-Festival 2011 äußerst hoch. Die Preise für Getränke und Speisen standen diesen in nichts nach und sorgten bei Besuchern wiederholt für Kopfschütteln und großen Unmut.
Reaktionen im offiziellen Forum wie „total überdimensioniert“, „dagegen ist der Lifeball billiger" und „Oktoberfestwucherpreise“ sind die Rückmeldungen, die die Veranstalter angesichts von Bierpreisen zu 4,50 Euro nun ernten. An den dadurch hochfrequentierten Bankomaten, von denen es lediglich zwei gab, kam es dabei durchgängig zu stundenlangen Warteschlangen. „Ich habe heute drei Stunden in der Schlange gewartet, das ist eine absolute Frechheit“, meint dazu beispielsweise Noah aus Tirol im mokant.at-„Jugend spricht“.
„This sound guy here is amazing …“
Obwohl Feiern, Trinken und Entspannen auf einem Festival gängigerweise den Tagesablauf prägen, geht es auf einem solchen letztendlich doch primär um die Musik. Mit Bands wie „Iron Maiden“, „System Of A Down“, „Motörhead“ und „Danzig“ brachten die Veranstalter große Namen und weitrespektierte Bands auf die beiden Bühnen. Dementsprechend hoch waren auch die Erwartungen der Besucher hinsichtlich der Performances und der akustischen Qualität. Diese mussten hierbei jedoch feststellen, dass die Klangqualität bei einzelnen Bands oft sehr zu wünschen übrig ließ.
So wurden die ersten beiden Lieder der schwedischen Metaller „In Flames“ von tontechnsichen Problemen derart zugrunde gerichtet, dass sich der größte Teil der Menge vor der Bühne mit schwenkenden Mittelfingern beim hierfür zuständigen Techniker bedankte und dieser auch persönlich von Sänger Anders Fridén angeschnauzt wurde. Ähnlich gestalteten sich die Probleme bei den Mikrophonen von „Motörhead“ und an diversen anderen technischen Gerätschaften wie den Videowalls. Obwohl der Ablauf ansonsten größtenweils einwandfrei funktionierte, sind es Kinderkrankheiten wie diese, die ein Festival diesen Ranges und Namens inzwischen seit einigen Jahren hinter sich gelassen haben müsste.
Etwas fürs Auge und fürs Ohr
Nichtsdestoweniger konnte eine große Anzahl von Bands mit ihren Performances eindeutig überzeugen. Großer Applaus und klassische Szenen im Publikum mit Circle Pits, Walls of Death und Scharen von Crowd-Surfern bestätigten diese Tatsache. Neben den bühnentechnisch aufwändigeren Auftritten wie der von Iron Maiden, die trotz hohem Alter immer noch mühelos in der Lage sind klarzustellen, wieso ihre Stellung im Metalsektor derart zentral ist, waren es auch nachmittägliche Auftritte wie der von „Clutch“ oder „Wolfmother“, die durch pure Bühnenpräsenz, mitreißenden Riffs und musikalischer Größe das Publikum überzeugten. Ein Gitarrist der englischen Metalcore-Band „Bring me the Horizon“ sprang dabei beispielsweise von der Bühne, kletterte auf den gegenüberliegenden Kameraturm und spielte dort den Rest des Konzertes mit teilweise hinter dem Kopf gehaltener Gitarre.
Eines der optischen Highlights stellte jedoch klar die englische Hard-Rock-Band „The Darkness“ dar, die jedes einzelne Klischee und jede Einlage, die in den 1980er-Jahren einmal essentiell gewesen sind, mit dermaßen viel Herz und Authentizität umsetzten, dass nicht wenige Besucher zwischen Sprachlosigkeit und Gekreische schwankten. Zusätzlich sorgten außermusikalische Showeinlagen wie die beiden Red-Bull-Flugshows und das Abschiedsfeuerwerk, die jeweils vom Publikum großen Beifall ernteten auch abseits der Bühnen für optische Unterhaltung.
Vielfältige Töne
Einen großen Pluspunkt des Festivals stellte in diesem Jahr die Bandbreite der vertretenen Genres dar. Eine gesunde Mischung aus Metal, Rock, Hardcore, Punk und einigen Genres, die gerne durch das einfache Anhängen des Präfixes „Post-“ gebildet werden, sorgte dafür, dass für verschiedene Geschmäcker zumindest einige wesentliche und teilweise sogar der eine oder andere Geheimtipp dabei war. Bands wie „Flogging Molly“, „Sublime“ oder „Katzenjammer“ erweiterten dabei den Aspekt um Folk-, Ska- und Balkanaspekte und boten interessante Diskussionsgrundlagen darüber, welche Band denn nun eigentlich wozu gezählt werden kann und welche Musikgruppen der jeweiligen Meinung nach überhaupt keine Existenzberechtigunge hätten.
Fragwürdig fiel bei vielen BesucherInnen jedoch die Einteilung des Line-Ups aus. Fast alle der großen Namen spielten am Abend des letzten Tages und der dadurch ausgelöste Besucheransturm bei „System of a Down“, die aufgrund des Auftrittes von „Iron Maiden“ auf der kleineren Bühne spielten, führte dazu, dass der Platz vor der Bühne bis in ein angrenzendes Feld erweitert werden musste und es zu großen Platzproblemen kam.
Ein Festival der Besucher
Die Stimmung unter den Musikliebhabern blieb in diesem Jahr größtenteils positiv. „Das Wetter und die Leute“, sind zum Beispiel für Andreas die definitiven Stärken des diesjährigen Festivals. „Die Besucher sind generell unstressig“, meinen auch Martin und Philipp.
Beim Nova Rock-Frühschoppen mit „Wendy’s Böhmischer Blasmusik“ am Sonntagmorgen fanden sich dann schließlich auch Thrash-Metaller neben Lederhosenträger und Gothic-Lady neben Hardcore-Punk wieder. Hilfsbereitschaft beim Tragen, gesteigerter Humor, Umarmungen mit Fremden und die vereinzelte, kurzlebige Intimbekanntschaft mit namenlosen BesucherInnen („Auf einer Skala von 1 bis 10, sage ich 13“, meint dazu W. aus Tirol), prägten die Gesellschaft des diesjährigen Nova Rocks. Ein Festival scheint die Moral des oftmals grauen Alltags oft ins Gegenteil zu verkehren. Allerdings sollten sich die VeranstalterInnen des Festivals nicht allzu sehr in Sicherheit wiegen. Denn obgleich des großen Erfolgs werden genauso Stimmen im offiziellen Forum laut, die sich besonders den Missständen bezüglich der Sanitäranlagen, der Staubproblematik vor den Bühnen, der An- und Abreiselogistik und den überteuerten Getränkepreisen widmen. Falls sich diesbezüglich nicht gravierende Verbesserungen ergeben sollten, könnte sich die Zukunft des derzeitigen Mekkas der österreichischen Rock- und Metalszene als durchaus ungewiss herausstellen.
Hitzige Diskussionen im Forum, bestätigen mit Aussagen wie „dagegen is wacken sogar billig ...“, dass die Konkurrenz von Rock am Ring, Wacken oder Sziget schließlich nicht schläft und zahlende BesucherInnen auch abseits einen eindrucksvollen Line-Ups bei Laune gehalten werden wollen.














