03. März 2011 | Musik

„Web 2.0 ist super für uns!“

mokant.at > foto: David Prieth
„Das Web 2.0 ist toll für DIY-Bands“, meint John Helps

Die erfolgreiche Englische Instrumentalband Maybeshewill im mokant.at-Interview

 

Maybeshewill aus Leicester sind so etwas wie die Schutzpatrone der englischen Do-It-Yourself-Musikszene. Die Band nimmt ihre Musik in Eigenregie auf, produziert sämtliche Alben, betreibt ein Label und ermutigt andere junge Bands dazu, es ihnen gleich zu tun. Ihre Musik, die sich irgendwo im Bereich des experimentellen Instrumentalrocks bewegt, hat ihnen bereits Vergleiche mit angesehenen Bands wie 65daysofstatic und Mogwai eingebracht. Gitarrist John Helps äußerte sich im mokant.at-Interview in Manchester zur Barrierefreiheit von Instrumentalmusik, DIY, exzessivem Touren und erklärte, wieso die Band durchaus manchmal bei Fans übernachtet.

 

mokant.at: Ihr verwendet eine Vielzahl von Web 2.0-Kommunikationsmitteln wie Twitter, Facebook und mehr. Wie wichtig sind diese Kanäle für Bands eurer Meinung nach?
John Helps: Für uns ist es super, weil wir versuchen so viel wie möglich selbst zu machen. Es sind sehr nützliche Mittel, um mit anderen Leuten in Kontakt zu treten. Bis vor kurzem hatten wir für heute Nacht keinen Schlafplatz, also haben wir einen Tweet rausgeschickt. Nicht mal zehn Minuten später hat jemand gesagt, dass wir dessen freies Zimmer verwenden können. Für eine Band, die versucht, bescheiden zu leben und so viele Dinge wie möglich selbst zu machen, sind diese Dinge wirklich gut.

mokant.at: Passieren solche Dinge desöfteren? Dass ihr in eine Stadt fahrt ohne euch eines Schlafplatzes sicher zu sein?
Helps: Nein, normalerweise kennen wir meistens jemanden, der in der jeweiligen Stadt wohnt, aber Manchester ist einer der letzten Städte in England, in denen wir gespielt haben. Seit unseren Anfangstagen waren wir mit der Band nicht oft hier, deshalb hatten wir noch nicht die Möglichkeiten, hier solche Freundschaften aufzubauen wie wir es in den meisten anderen Städten bereits getan haben. Manchmal passiert das also, aber normalerweise hilft uns dann jemand aus, was toll ist.

 

mokant.at: Dieser „Do it yourself“-Gedanke ist für eure Band offensichtlich sehr wichtig und prägend. Bekommt ihr auch Nachrichten von Bands die sich durch eure Aussagen inspirieren haben lassen, alles selbst in die Hand zu nehmen?
Helps: Ja, das ist wirklich schön. Wir bekommen regelmäßig E-Mails von jungen Bands, die gerade angefangen haben und um Rat fragen. Relativ oft weiß ich jedoch nicht was ich ihnen sagen soll, weil es zwar für uns funktioniert hat, aber ich glaube auch, dass eine große Portion Glück dabei war. Deshalb ist es schwierig anderen Leuten Ratschläge darüber zu geben, was sie tun sollen.

 

mokant.at > foto: David Prieth

mokant.at: Hat irgendjemand von euch eine Form von Ausbildung in diesem Bereich?

Helps: Ja, ein paar von uns haben, wie es sich ergeben hat, Musiktechnologie-Bakkalaureate an der Uni abgelegt. Das war eine große Hilfe, aber ich denke trotzdem, dass das etwas ist, was man sich selbst beibringen kann. Ich meine, ich war in meinem letzten Jahr auf der Uni in fünf meiner Vorlesungen, weil wir so intensiv an der Band gearbeitet haben. Deshalb weiß ich nicht ob diese Ausbildung dafür wirklich wichtig war.

mokant.at: Du betreibst ein Label, spielst in einer Band und arbeitest in einer Konzerthalle. Hast du auch Freizeit, die du mit Freunden und Familie verbringst?
Helps: Ich versuche ständig, gewisse Dinge nicht mehr zu machen. Aber jedes Mal wenn ich versuche etwas sein zu lassen, schmiede ich schon wieder neue Pläne. Ich habe immer etwas zu tun. Wenn ich nicht gerade in der Band spiele, arbeite ich in der Konzertlocation oder versuche neue Musik rauszubringen oder anderen Bands zu helfen. Ich habe beispielsweise gerade eine unglaubliche Band namens „Herra Hidro“ aufgenommen. Es ist ständig irgendeine Aufregung im Gange, in die ich involviert sein will. Meine Freundin ist sehr tolerant.

mokant.at: Das heißt, du genießt es sehr auf Tour zu sein?
Helps: Ja, manchmal sind wir relativ lange weg. In diesem Jahr werden wir beispielsweise für knappe sechs Monate auf Tour sein. Osteuropa, Russland, vielleicht Japan – wir versuchen zurück zu allen Orten zu fahren, an denen wir bereits waren.

mokant.at: Wie kamt ihr von Leicester zu dem Kontakt in Japan?
Helps: Ich weiß nicht wie das zustande kam. Das war eines der ersten Dinge die der Band passiert sind, was eine Art Schritt vorwärts bedeutete. Wir hatten hier gerade selbst unsere EP veröffentlicht, da ist das japanische Label XTAL in Kontakt mit Field Records getreten. Ich glaube, dass sie generell zusätzlich ein paar Bands von Field Records veröffentlichen wollten, XTAL wurde als Label für Instrumentalbands gegründet, und schließlich haben sie uns aufgenommen. Inzwischen haben sie eine nette Gemeinschaft von Instrumentalbands zusammenbekommen.

 

 

 

mokant.at > foto: David Prieth

mokant.at: Instrumentalmusik hat ja den Vorteil, dass sie sich nicht mit Sprachbarrieren herumschlagen muss. Wie war das Feedback des japanischen Publikums auf eure Musik?
Helps: Ziemlich unglaublich. Ich glaube, dass das auch der Grund ist, wieso Instrumentalmusik im Umkreis von Europa so populär ist. Ich frage mich allerdings, ob das nicht auch eine etwas herablassende Sichtweise ist.

 

mokant.at: Könnt ihr von all euren musikbezogenen Aktivitäten leben? Du arbeitest ja nebenbei noch in der Konzertlocation hast du gesagt.
Helps: Im Moment noch nicht. Aber in einer Konzertlocation zu arbeiten ist die Art Job, die ich auch machen würde, wenn ich von der Band alleine leben könnte. Jamie betreibt ein Aufnahmestudio, wir sind gerade dabei, das neue Album aufzunehmen. Robin und James haben derzeit keine derartigen Jobs, sie widmen viel Zeit dafür unsere Band am Laufen zu halten. Wir nähern uns dem Punkt, an dem wir die Band Vollzeit betreiben können. Aber sich ganz darauf festzulegen ist ein großer Schritt. Es ist sehr riskant sechs Monate wegzugehen und zu denken, dass man das die ganze Zeit machen kann.

mokant.at: Gibt es Dinge, die euch auf Tour am meisten nerven und die ihr am meisten liebt?
Helps: Das meiste am Touren ist gut, doch jeder wird auch einmal mürrisch. Wenn du sieben Tage in Folge im Van sitzt, werden Leute etwas gestresst. Wenn du hier hinten sitzt, ständig jemand neben dir sitzt und dir seinen Ellbogen in die Seite bohrt, ist das ziemlich nervig. Der Großteil der Zeit ist aber toll, wir hatten gestern eine ziemlich wilde Nacht in Nottingham, deshalb ist heute jeder richtig gut gelaunt.


mokant.at > foto: David Prieth
mokant.at: Ihr seid gerade vom europäischen Festland zurückgekommen. Wie war die Tour bis jetzt?
Helps: Ja, wir sind letzte Woche durch Deutschland getourt und sind jetzt gerade von Southampton und Cardiff heraufgefahren. Bis jetzt war es wirklich sehr gut! Gute Beteiligung von den Leuten und das deutsche Publikum hat wirklich gut reagiert. In Deutschland waren wir die Support-Band für „Long Distance Calling“ und jetzt supporten sie uns hier in England. Auf dem Festland waren fünf der Clubs ausverkauft, was hervorragend und für uns natürlich eine tolle Gelegenheit war.

mokant.at: Wie habt ihr den Kontakt zur deutschen Band „Long Distance Calling“ hergestellt?
Helps: Das hat unser Agent vereinbart und ich schätze mal, dass wir doch einige ähnliche Teile der Musikindustrie bedienen.

mokant.at: Ihr veröffentlicht im Jahr 2011 auch ein neues Album.
Helps: Ja, hoffentlich im Mai oder Juni. Die Jungs draußen versuchen gerade ständig zu uns in den Van zu kommen und es durchzuhören (lacht). Wir haben es gerade heute per Post geschickt bekommen, da es bis vorhin weg zum Mastern war. Deshalb wollen wir noch die Sounds überprüfen. Jeder ist gerade ziemlich aufgeregt das zu machen und es sich anzuhören. Es ist beinahe fertig.

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