MS Dockville 2014: Musikgenuss auf der Elbinsel

2014-08-17 141

Um die 25.000 Besucher fanden sich vom 15. bis 17. August in Hamburg-Wilhelmsburg ein. Sie feierten ein künstlerisches und hippes Musikfestival zwischen Natur und Industrie. 

Das MS Dockville ist bereits ein fixer Bestandteil der Hamburger Festivalkultur. Schon zum achten Mal fand dieses Jahr das liebevoll gestaltete Kunst- und Musikfestival beim Hafen der Hansestadt statt. Dabei pilgerten nicht nur Einheimische aus Hamburg und Umgebung mit dem Fahrrad durch den Elbtunnel Richtung Wilhelmsburg. Das Festival lockt immer mehr Besucher aus anderen Teilen Deutschlands und Europas an. Am Hauptbahnhof ließen sich bereits Freitag-Früh glitzernde Festivalfeen, vollgepackte Hipstergrüppchen und jugendliche Festivalneulinge mit Gummistiefeln als Dockville Anrainer entlarven.

Foto (c); Katharina Egg

Jake Bugg

Am ersten Tag konnte der mitgebrachte Regenschutz noch getrost im Zelt neben dem vollen Biervorrat ruhen. Zuerst musste man sich Orientierung über die beiden Campingplätzen verschaffen. Obwohl das Dockville Festival vergleichsweise klein ist, erkundeten schon kurz nach Einlassbeginn viele Musikhungrige das Kerngelände. Aber auch ohne größere Entdeckungstouren stieß man zwangsläufig im kleinen Wald auf dynamische Fahrradskulpturen oder auf eine Containerburg mitten im Feld. Das dreitägige Musikfestival stellte den Höhepunkt eines künstlerischen Sommers dar: was innerhalb des kreativen Prozesses im Zuge des MS Artville in den vergangen Wochen entstanden ist, zeigte sich unscheinbar und auch pompös am Gelände. Jeden Tag wurden von Kunstvermittelnden mehrere Führungen angeboten, bei denen Interessierten alle Fragen rund um die Kunstwerke beantwortet wurden. Musikalisch zählten Acts wie Mighty Oaks, MO, Jake Bugg oder der Österreicher SOHN zu den sonnigen Highlights am Eröffnungstag.  Wer sich von dem zwanzigjährigen Briten, der einen auf der großen Bühne irgendwie an Nino aus Wien erinnerte, losreißen konnte, wurde von ALLE FARBEN nicht enttäuscht.

„Wir tanzen den Regen weg“
Am zweiten Festivaltag mussten dann doch kurze Hosen und Sommerkleider gegen Pullis und Regenponchos getauscht werden und immer mehr Dockvillianer suchten Unterschlupf in dem großen Zirkuszelt mit dem Unterhosenautomaten. Am Nachmittag verdichtete sich ein Regenbogen zu einem langen Strahl quer über das Kerngelände über die Mainstage. Die Wolken, der Wind und die Regenschauer, die immer wieder vorbeizogen, sind keine Seltenheit für das Gebiet rund um Hamburg. Dieser Regenbogen machte das Festivalgelände noch realitätsferner, als es ohnehin schien. Die anwesenden Menschen ließen sich davon jedoch kaum beirren, manche tanzten weiter, manche fotografierten. Was für den Regenbogen galt, hat zum Glück auch für den Regen an sich gegolten. „Wir tanzen den Regen weg“ schien das Grundmotto beim diesjährigen MS Dockville zu sein.

Foto (c); Katharina Egg

Foto (c); Katharina Egg

Das Hamburger Rapper-Quartett Neonschwarz tat es ihnen gleich, präsentierte Lieder vom neuen und formal gesehen ersten Album. Dabei sangen sie die Sonne quasi herbei. Gegen Abend war nicht mehr das Wetter das Problem, sondern das sich überschneidende Line-Up. So lässt einen die Aufteilung vermuten, dass an diesem Tag das Ziel der Veranstalter die Aufteilung der Massen war. Die Auftritte der kalifornischen Musikerinnen Warpaint mit ihrem psychedelischen Pop, des Dockville-Stammgasts Dillon und der Festivalband Kakkmadafakka überschnitten sich teilweise mit Milky Chance und Die Antwoord. Für Freunde der elektronischen Musik reihten sich noch die Wiener HVOB und Produzentin MÖWE ein. Durch den dauernden Bühnenwechsel und den mittlerweile größeren Bekanntheitsgrad von Dillon, war es ohne Gewaltanwendung unmöglich einen Blick auf die melancholische Sängerin zu erhaschen. Da half nicht einmal der Übertragungsbildschirm.

Big, Bigger, Internationalisierung
Aber nicht nur Dillons Bekanntheit ist in den letzten zwei Jahren gestiegen. Kleine Festivals, die gut laufen, wachsen von Jahr zu Jahr. Die Nostalgiker, die einen internationalen Typus von Festivalbesuchern darstellen, weinen dem alten Dockville hinterher. Kleiner soll es wieder werden, unbekannter und wieder ein besseres Line-Up bieten. Womöglich haben diese Besucherinnen und Besucher einfach nur Angst, die Bekanntheit könnte die eigene Geheim-Tipp-Kompetenz schmälern. Das Line-Up lebt auch heute noch von Vielfalt und Regionalität, das Kunstcamp blieb bestehen und entwickelte sich weiter.

Überraschend war die Aufbruchsstimmung am Campinggelände Sonntag Mittag (!). Die meisten mussten Montag arbeiten oder flüchteten einfach vor der Kälte. Von den Reisen zurück in die Realität merkte man im bei den Bühnen und im Butterland nichts: Hier vergnügten sich bis zur Sperrstunde früh morgens noch die motiviertesten Festivalgäste. Außerdem wurde beim Poetry Slam Finale noch reichlich geklatscht und gelacht. Zu guter Letzt testete der Gewinner auch noch seinen Whiskey auf der Bühne. Am Montag traf man dann zufriedene und erschöpfte Partytiger, Musikfreaks und die eine oder andere Waldfee am Hauptbahnhof wieder.

Hier noch ein paar Fotoeindrücke:

Titelbild (c): Katharina Egg

Katharina Egg leitete zwei Jahre lang das Ressort Politik. Jetzt ist sie als außerordentliche Redakteurin bei mokant.at tätig und untersucht als Publizistik-Studentin Wirkungen Sozialer Netzwerke auf Politische Kommunikation. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten am Fahrrad, auf Reisen und im Wiener Nachtleben. Kontakt: katharina.egg[at]mokant.at

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