25. Oktober 2012 | Meinung

Editorial vom 24. Oktober 2012

 
mokant.at montage > foto: georg marlovics
Sofia Khomenko ist Chefredakteurin von mokant.at

Liebe Leserin!

Lieber Leser!

 

Letzte Woche habe ich eines meiner bisher schwierigsten Interviews geführt. Schwierig, weil Aussagen, wie „Vernichtungsprogramme waren auch irgendwo eine Sache, die wir uns gewünscht hatten“ einen einfach nicht kalt lassen können. Schwierig ist es, da ruhig, fair und objektiv zu bleiben, während man innerlich einerseits Bewunderung und Sympathie empfindet und sich gleichzeitig fragt: Darf mir ein Mensch der mal so gedacht hat und jetzt so ruhig und analytisch darüber spricht, überhaupt sympathisch sein? Die Aussagen von Johannes, der Neonazi war, eine fünfjährige Haftstrafe verbüßte und jetzt Pastor ist, ließen auch unsere Leser nicht kalt. Zum Beispiel, als er meinte, er habe wegen seiner damaligen Einstellung ein Stück weit keinen fairen Prozess gehabt. Einer unserer Leser kommentierte das so auf Facebook: „Mir erscheinen fünf Jahre für Totschlag ohnehin sehr milde.“

 

Dass es oft erst gar nicht zu einem Gerichtsverfahren kommt, war Thema eines Interviews, das Redakteurin Manuela Griessbach mit Angela Kreilinger, Gründerin der der Selbsthilfegruppe Opfersolidarität und selbst Missbrauchsopfer, geführt hatte. Unter anderem meinte Kreilinger, es komme ihr vor, dass gar kein Interesse darin besteht, Sexualverbrechen aufzuklären, wenn es teuer ist. Ein Polizist soll zu ihr gesagt haben, dass er gerne ermitteln würde, es aber nicht dürfe. Jede der dreißig bis vierzig Anzeigen wegen sexuellen Kindesmissbrauchs, die sie als Leiterin  der Selbshilfegruppe begleitet hatte, war bisher ergebnislos verlaufen. 

 

mokant.at bat das Bundesministerium für Justiz um eine Stellungnahme dazu, die uns jetzt vorliegt. Dort heißt es unter anderen: „Im Hinblick auf die von Angela Kreilinger abstrakt formuliere Kritik an der Staatsanwaltschaft ist eine konkrete Stellungnahme zu den jeweiligen Einzelfällen vorerst nicht möglich. Angela Kreilinger wurde daher unter anderem eingeladen, dem Bundesministerium für Justiz eine Liste der von ihr betreuten Fälle und der bezughabenden Kritikpunkte zur Verfügung zu stellen, um die Vorgangsweise der Staatanwaltschaft prüfen zu können“ (Hier kannst du die vollständige Stellungnahme nachlesen)

 

Wie sich das Ganze weiterentwickelt, wird sich zeigen. In der Zwischenzeit sollen auch diese Woche die Nerds bei uns nicht zu kurz kommen. Unsere neue Redakteurin Barbara Tiefenbacher hat Menschen dazu befragt, was sie überhaupt unter einem „Nerd“ verstehen und dabei sehr unterschiedliche Dinge erfahren. 

 

Lisa Radda hat sich unterdessen mit der Frage auseinandergesetzt, warum technische Berufe für Frauen immer noch nicht besonders attraktiv zu sein scheinen. Die geänderte Bundeshymne scheint sich in dieser Hinsicht nicht auszuwirken. Der Nationalfeiertag am Freitag wird aber jedenfalls der erste sein, an dem auch die Töchter Österreichs besungen werden können. Redakteur Michel Mehle und Fotograf Georg Marlovics werden den Feierlichkeiten am Heldenplatz einen Besuch abstatten und dabei der Frage nachgehen, die doch nur die Söhne betrifft, nämlich was denn nun besser ist: Berufsheer oder Wehrpflicht? 

 

Wir lesen uns!

 

Sofia Khomenko

Chefredakteurin

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