17. Oktober 2012 | Meinung

Editorial vom 17. Oktober 2012

 
mokant.at > foto: georg marlovics
Hans-Georg Eilenberger ist Chef vom Dienst

Lieber Leser!

Liebe Leserin!

 

Manchmal ist es schwierig, Worte zu finden. Für furchtbare Dinge und Menschen, die davon nichts wissen wollen. Was soll ich etwa jemandem sagen, der den Holocaust gut fand? Sofia Khomenko stellte sich dieser Herausforderung im Skype-Interview mit dem ehemaligen Neonazi Johannes Kneifel. Kneifel schloss sich in jungen Jahren einer rechtsextremen Gruppe an, Rassismus und der Glaube an die eigene Überlegenheit waren dort allgegenwärtig. Heute schämt er sich für seine rechtsextreme Vergangenheit. Kneifels Leben nahm eine einschneidende Wende, als er wegen Körperverletzung mit Todesfolge ins Gefängnis musste. Die Haft veränderte den Skinhead, Kneifel wurde religiös und arbeitet heute als Pastor.

 

Menschen können sich ändern – und oft genug tun sie es auch. Dass Johannes Kneifel die Kraft hatte, den ideologischen Hass hinter sich zu lassen, ist eine beachtliche Leistung. Doch wie ernsthaft ist die Läuterung, die er für sich in Anspruch nimmt? Was ging in seinem Kopf vor, als der noch voll war von deutschen Großmachtfantasien? Und wie kam er von dieser Gesinnung wieder los? Das und viel mehr erfährst du in diesem sehr persönlichen Gespräch.

 

Das Interview mit Johannes Kneifel ist übrigens Teil einer Kooperation zwischen mokant.at und dem TV-Sender VIVA. Es ist quasi ein Vorgriff auf die fünfte Episode des VIVA-Magazins 180 Grad, das sich diesen Freitag dem Neonazi-Aussteiger widmet. Damit ist die Zusammenarbeit aber noch nicht zu Ende: Auch die kommenden Wochen werden VIVA und mokant.at gemeinsam von außergewöhnlichen Menschen berichten.

 

In manchen Wochen ist es schwierig, ein Editorial zu schreiben – den Bogen zu spannen zwischen zwei völlig verschiedenen Realitäten. Ich will das hier gar nicht versuchen, doch das Cover dieser Woche sollte trotzdem nicht unter den Tisch fallen. Wieder macht es sich der Nerd an prominenter Stelle bequem, und zwar diesmal in der Musik. Vielleicht ist dir aufgefallen, dass skurrile Performances und nerdige Künstlerpersönlichkeiten im Kommen sind. Der Nerd erobert die Musikindustrie – anhand von ausgewählten Beispielen tritt Nitori Reichel den Beweis an.

 

Wir lesen uns (und schauen ausnahmsweise auch fern)!

 

Hans-Georg Eilenberger

Chef vom Dienst

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