08. März 2012 | Meinung

Wege zum Unglück

 
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Telenovelas: Alles nur Show oder doch echte Gefühle?
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Einsame Herzen in der Landidylle - der Plot der Nachmittagssoap

Eine Bestandsaufnahme über Telenovelas, die den Blick auf die Liebe trüben - oder doch nicht

 

In den Semesterferien hat man für vieles mehr Zeit als sonst. Einige gingen Ski fahren und genossen die Sonne in den Bergen, ich für meinen Teil blieb zu Hause und zappte mich an etlichen Nachmittagen durch das belanglose TV-Programm. Ob ich dabei mehr oder weniger absichtlich bei diversen Seifenopern hängen blieb, sei dahingestellt, aber ich tat es und hatte meine Freude daran. Denn: So eine Telenovela ist schon ein kurioses Ding.

 

Das Wesen der Telenovelas

Nach kurzer Recherche weiß ich, dass Telenovelas ursprünglich aus Lateinamerika stammen und bereits seit den 1980er Jahren den gesamten Erdball überschwemmen. Im deutschsprachigen Raum kann man sich vor diesem Meer an schmalztriefenden Endlosserien ja kaum noch retten, aber bei genauerer Betrachtung muss ich zugeben, dass sich mir ein großes, neues Universum eröffnet hat. Dieses Telenovela-Universum lässt sich aber gleich zu Beginn in zwei Kategorien unterteilen: die Nachmittagstelenovela („Wege zum Glück“, „Sturm der Liebe“, „Alisa – Folge deinem Herzen“) und die Abendtelenovela („Verliebt in Berlin“, „Anna und die Liebe“). Ich schätze, die Aufmachung der Serien richtet sich nach dem Zielpublikum. Während die Nachmittagstelenovelas allesamt 45 Minuten dauern, einen sehr ländlich-idyllischen Charakter und stets einen hellgelben Filter haben, wirken die nur rund 20-minütigen Abendtelenovelas extrem hip und dynamisch und handeln stets in einer Großstadt, also Berlin. Senioren versus arbeitendes Volk? Vielleicht.

 

Man nehme …

Die Zutaten für eine Telenovela sind eigentlich sehr schnell aufgezählt und haben auch Universalcharakter. Das Wichtigste ist natürlich das Liebespaar, um das sich die nächsten 3000 Kapitel ranken. Es findet sich meist gleich zu Beginn, erfreut sich schöner und inniger Stunden, wird aber umgehend auseinandergerissen, damit es auch spannend bleibt. Gründe dafür können sein: das böse Schwiegermonster, der Ex-Partner, eine untergeschobene Schwangerschaft, Gräueltaten aus der Vergangenheit, Entführungen (sehr beliebt) oder – und das ist die Königsdisziplin unter den Telenovelakrisen – der scheinbare Inzest. Der scheinbare Inzest tritt regelmäßig auf und lässt das Hauptpaar in dem Glauben, Geschwister zu sein, bis sich ein Elternteil endlich dazu durchringt, zuzugeben, ein bisschen über den Ehezaun hinausgegrast zu haben. Cousins hingegen – kein sehr großes Problem. Davon abgesehen ist eine sehr wichtige Zutat die kommentierende Off-Stimme, also die für uns hörbaren Gedanken, die der Protagonistin durch den Kopf gehen, während sie für alle anderen in der Telenovela einfach nur stumm Löcher in die Luft starrt.

 

Ein Kopfschütteln über den goldenen Nachmittag

In der Regel gibt es in einer Telenovela stets die Alten, die Jungen und die ganz Jungen, damit pro forma für alle Zuschauer-Generationen etwas dabei ist. Bei den Nachmittagstelenovelas werden diese Kategorien auch schön herkömmlich auseinanderdividiert, bei den Abendtelenovelas jedoch sind Jung wie Alt ungemein cool und speedy, da hat selbst eine Nahtoderfahrung nichts zu melden. Sehr interessant ist die frappante Absurdität der Nachmittagstelenovelas. Sei es nun im bayrischen Hinterland oder an einem mitteldeutschen Binnensee: Welche Frau versauert Ewigkeiten in einem faden, deutschen Kaff, nur um auf den Typen aus dem Vorspann zu warten?

 

Die Moral von der Geschicht‘?

Glaube der Telenovela nicht! Sie ist hinterhältig und schleicht sich langsam und unbemerkt in dein Unterbewusstsein hinein, bis du schließlich selbst davon überzeugt bist, dass irgendwo da draußen der heldenhafte Mann/die zauberhafte Frau aus deinem ganz persönlichen Vorspann herumlaufen muss - jemand, der allen Intrigen und Umwegen zum Trotz an der Liebe zu dir festhält, dich eigenhändig vor dem Tod rettet und allen Versuchungen abschwört. Aber vielleicht ist es ja so? Vielleicht wollen die Telenovelas wirklich unseren Glauben an die Liebe stärken? Das ist wohl jedem selbst überlassen. Ich werde es jedenfalls auch noch herausfinden, aber bis dahin: Verbrenn den Schnee und gib mir Sahne! Oder war es doch die Sonne?

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