23. September 2011 | Meinung

Das Pendel, die Grube und andere Absonderlichkeiten

 
Detail aus Natural History, 1972-73 (c) Jan Švankmajer
Švankmajers Wesen scheinen einer Fantasiewelt zu entspringen

Die Kunsthalle präsentiert eine Ausstellung rund um Jan Švankmajer und seine skurillen Werke

 

Die Werke des tschechischen Künstlers Jan Švankmajer waren und sind noch heute Inspirationsquellen für Filmemacher wie Terry Gilliam, Tim Burton und Henry Selick. Der Künstler selbst gilt als Geheimtipp unter Cineasten, ist jedoch hauptsächlich unter ausgewiesenen Liebhabern des Animationsfilms bekannt. Erstmals wird auch im deutschsprachigen Raum die ganze Bandbreite seines Schaffens präsentiert.

 

Der Albtraum, der nach Außen drang

„Was immer auch aus meinem Unterbewusstsein kommt, verwende ich, weil es für mich die reinste Form hat. Während alles in unserem Bewusstsein durch die Realität, die Kunst und die Erziehung geprägt ist, sind die ursprünglichen Erfahrungen in uns die unverfälschtesten.“

 

Sowohl seine Filme, als auch Radierungen und skulpturale Objekte von surrealen Geschöpfen werden in der Kunsthalle Wien gezeigt und ausgestellt.

In seinen Filmen verwendet Švankmajer die über Jahrzehnte weiterentwickelte Stop-Motion-Technik und flöst somit seelenlosen Objekten einen Hauch von Leben ein. Diese verwandelt er in surrealistische Geschöpfe, die aussehen, als seien sie einem (Alb-) Traum entsprungen. Jan Švankmajer schafft es, den Betrachter in eine Fantasiewelt voller Grauen und Wunder zu entführen, in der nichts mehr so ist, wie es scheint.

 

Im Garten der Träume

Surrealismus ist eine Reise in die Tiefen der Seele, wie Alchemie oder Psychoanalyse. Im Unterschied zu diesen beiden jedoch ist es keine persönliche Reise, sondern ein kollektives Abenteuer."

 

Sehr deutlich zeichnet sich Švankmajers Faszination für die Schriftsteller Edgar Allan Poe und Lewis Carroll aus. Sowohl die Ausstellung in Wien, als auch die in Kraichtal, fokusieren sich auf seine filmischen Werke, die dieser Faszination entsprangen. Mit beiden Künstlern fühlt sich Švankmajer „mentally on the same side of the river“.

 

Die Kunsthalle Wien bietet Filme wie „The Pendulum, the Pit and Hope“ und „The Fall of the House of Usher“, beide basieren auf Edgar Allan Poes Kurzgeschichten. Das zum Kultfilm gewordene Werk „Alice“, der eine dunkle Version von Lewis Carrolls „Alice in Wonderland“ darstellt, ist darüber hinaus auf der Ausstellung in Kraichtal zu sehen.

 

Studie des Unbekannten

Neben seinen (Kurz-)Filmen fertigt Švankmajer skulpturale Objekte aus Muscheln, Federn, Knochen, Vogeleiern und Porzellanglieden an. Viele seiner Materialien stammen von seinen unzähligen Reisen. 
Daraus entstehen die Skelettteile toter Tiere, Fabelwesen, die die Menschen schon vor Jahren in ihren Bann zogen und immernoch für Staunen sorgen. Auch seine Radierungen gleichen zoologischen Studien fabelartiger Geschöpfe, die seinem Unterbewusstsein entsprungen sind.

 

Seit der Samtenen Revolution im Jahre 1989 werden Švankmajers Arbeiten weltweit ausgestellt.

Besonderen Anklang fangen diese bisher in Japan, Großbritannien und Frankreich.  

 

Die Ausstellung „Das Pendel, die Grube und andere Absonderlichkeiten“ in der Kunsthalle Wien kann noch bis 2. Oktober besichtigt werden.


Link dazu ...
Webpräsenz der Kunsthalle Wien



Foto: Detail aus Natural History, 1972-73 (c) Jan Švankmajer,

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