08. September 2011 | Meinung

Spektakel in Schönbrunn

 
© Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. / Bildagentur Zolles; Fotograf: Markus Wache
Gräfinnen Fuchs und Löwenstein kämpfen um einen Federhut

Ein Erlebnistheater nach dem Zitat von Maria Theresia: „... denn Spectacle müssen seyn!“

 

Nach der Sommerpause kann man das Schloß Schönbrunn nun wieder im Rahmen einer Aufführung besuchen und somit die Geschichten bei Hofe hautnah erleben. Das Erlebnistheater von Gigga Neunteufel führt Besucher durch die prukvollen Räume des Schlosses und erzählt von Intriegen und geheimen Liebschaften und gibt einen Einblick in den Alltag und die Freizeitbeschäftigungen der gehobenen Gesellschaft. Historische Figuren tauchen, in thearaler Freiheit von Neunteufel, auf und inszenieren einen Abend, der sich bei Hofe genauso zugetragen haben könnte.

 

Wenn die regulären Besucher am Abend das Schloß bereits verlassen haben, wird dieses unter dem Motto „... denn Spectacle müssen seyn!“ zur Bühne und öffnet die Türen für kulturbegeisterte Gäste, die nicht nur die eindrucksvollen Räumlichkeiten besichtigen möchten, sondern auch einen Einblick in den Alltag und die Freizeitbeschäftigungen der gehobenen Gesellschaft erhaschen wollen.

 

Von Fächercode bis Hofknicks

Sobald man das Schloß betreten hat, wird man auf der Blauen Stiege von zwei Damen in barockem Gewand empfangen. Es ist von einem Ball die Rede, doch zuerst sollen die unkultivierten Gäste in die Kunst des Tanzens und der Fächersprache eingeweiht werden.

Der Fächer war zu der damaligen Zeit Instrument zur Selbstdarstellung und einfachen Kommunikation. Bestimmte Bewegungen des Fächers betonen die Körpersprache und enthüllen Emotionen. Somit war es den Gästen der feinen Gesellschaft möglich, über einen universellen Code über den Raum hinweg insgeheim miteinander zu flirten ohne sofort von jemandem dabei ertappt zu werden. Der ruhende Fächer auf der rechten Wange bedeutete zum Beispiel: „Ja”. Dasselbe auf der linken Wange bedeutete: „Nein“. Wer den Stiel des Fächers auf den Lippen platzierte oder ihn doppelt durch die Hand zog, wollte geküsst werden.

 

Im Theaterstück bringt Gräfin Fuchs, Oberhofmeisterin der Kaiserin, den Gästen die wichtigsten Gesten bei und lässt sie an diesem beliebten Gesellschaftspiel teilhaben. Die Vorbereitungen für den Ball laufen auf Hochtouren. Sogar der skandalöse Casanova kommt einige Male vorbei und erzäht den Gästen von seiner Person. Gräfin Löwenstein aus Bayern macht es sich zur Aufgabe den noch unerfahrenen Besuchern den Hofknicks beizubringen. Bei dieser Gelegenheit kommentiert sie den ausgefallenen Beinschmuck der Gäste.

Obwohl sich alles auf einen Ball vorbereitet, bleibt dieser leider aus. Dennoch ermöglicht das Erlebnistheater  „... denn Spectacle müssen seyn!“ seinen Besuchern eine bezaubernde Reise in die Zeit als man sich mit Fächern verständigte und weite, bauschige Kleider gerade im Trend lagen. Was jedoch beachtet werden muss, ist dass dieses Theater nichts für schwache Füße ist. Es gibt vereinzelte Sitzmöglichkeiten, diese sind allerdings schnell besetzt.

 

Diese Aufführung kann noch bis Anfang November besucht werden.

Links dazu ...
Schönbrunn Website
Webpräenz des Erlebnistheaters



Foto: © Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. / Bildagentur Zolles; Fotograf: Markus Wache

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