Existenzkrise um die Vergangenheit
Pro und Contra: „Vegiss mich nicht“
Drama/Komödie, FR, 2010
Margaret (Sophie Marceau) ist eine erfolgreiche Frau, die keine Skrupel hat für ihre Karriere in der Pariser Konzernzentrale über Leichen zu gehen. Währenddessen wiederholt sie dabei immer wieder Namen anderer Frauen, die es ebenfalls zu etwas gebracht haben: Marie Curie, Mutter Theresa, Choco Chanel. Das gibt ihr Halt und hilft ihr dabei stark zu wirken. Sie lebt in einer festen Beziehung mit einem ihrer Kollegen, der ihre Lebensansichen über das Leben und die Karriere teilt. Nichts scheint Margeret aus der Fassung bringen zu können. Doch dann erhält sie an ihrem 40.Geburtstag unerwartet einen Brief. Es stellt sich dabei heraus, dass der mysteriöse Brief von niemandem anderen stammt, als von ihr selbst.
Genau vor 33 Jahren übergab das junge Mädchen Margaret in einem südfranzösichen Dorf einem Notar neun Briefe, mit der Bitte sie ihr an ihrem 40. Geburtstag zuzustellen, damit sie sich als Erwachsene wieder an die Dinge erinnern würde, die ihr als Kind einmal wichtig waren. Für Margaret beginnen mit den Briefen somit auch die Probleme. Immer wieder fragt sie sich wie das was sie als Kind werden wollte, mit dem vereinbar ist, was sie inzwischen geworden ist. Plötzlich findet sich die harte Bürofrau auf einer Reise durch die Vergangenheit wieder. Letzten Endes trifft sie sogar ihre Jugendliebe Philibert wieder, der ihr in ihrer Kindheit versprochen hatte, Löchergräber zu werden, damit sie ihn ewig lieben würde. Doch die Dinge haben sich geändert und langsam beginnen auch die Arbeitskollegen auf ihre Existenzkrise aufmerksam zu werden.
Pro: Sophie Marceau
„Vergiss mich nicht“, der dritte Film unter der Regie von Yann Samuell, befasst sich mit dem Geist der Kindheit der in jedem Menschen wohnt, doch nur selten an die Oberfläche tritt um sich in das aktuelle Geschehen einzumischen. Yann Samuell hat sich bereits in seinem Film „Liebe mich, wenn du dich traust“ mit diesem Thema beschäftigt und nimmt es mit seinem neuen Film erneut in Augenschein, doch diesmal von einer etwas weniger verhängnisvollen Seite.
Ob als rebellischer Teenager in „La Boum“ oder Jahre später als Mutter eines ebensolchen in „LOL“ – Sopie Marceau versteht es, sich in Szene zu setzen und ihre Rollen meisterhaft zu spielen. Die brutale Bürofrau kauft man ihr in diesen Film vielleicht etwas weniger ab als zuvor andere Charaktere, doch lässt sich dabu durchaus ein Auge zudrücken. Wesentlich ist, dass Sophie Marceau die Existenz dieses Films sichert.
Die Briefe, die die Managerin erhält, sind in einem typisch Französischen Stil gehalten. Sie sind aufwändig und abwechslungsreich gestaltet. Collagen verwandeln sich in Comics und vermitteln auf diese Weise einen Eindruck von der Leichtigkeit, Verspieltheit und dem unschuldigen Chaos von Kindheit. Die Rückblenden erinnern, zumindest teilweise, an Ausschnitte aus „Die fabelhafte Welt der Amelie“. Bei diesem Film überkommt ZuseherInnen beinahe selbst die Lust einen Brief an ein älteres Ich zu schreiben, was jedoch, wenn man das Alter der Zielgruppe bedenkt, vermutlich nicht besonders viel Sinn machen würde.
Contra: Heulkrampf
„Vergiss mich nicht“, keinesfalls zu verwechseln mit „Vergiss mein nicht“, erinnert, wenn man die bunten Collagen weglässt, an einschlägige Serien, in denen das Emotionsfass überläuft und damit zu rechnen ist, dass in jeder Folge jemand in Tränen ausbricht. Denn auch in „Vergiss mich nicht“ wird bei Heulkrämpfen und Gefühlsausbrüchen nicht gespart. Darauf abzielend den Besucher mitzureißen, erreicht die Gefühlsduselei hier jedoch das genaue Gegenteil und sorgt für unnötige Ablenkung von dem eigentlichen Thema, anstatt die Atmosphähe des Films zu unterstützen. Die Idee, dass ein kleines Mädchens, Briefe an sich selbst schreibt, ist herzergreifend, die Umsetzung leider minderwertig. Sie gewinnt nur halb das Herz des Zusehers und sorgt leider nicht für ein befriedigendes Kinoerlebnis.
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