11. Oktober 2011 | Meinung

Aufgeblättert: „Sommer wie Winter“ von Judith W. Taschler

 
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„Sommer wie Winter“ erzählt eine dramatische Familiengeschichte

„Sommer wie Winter“ von Judith W. Taschler

 

Mit einem Schlag ist alles anders, die Welt steht auf dem Kopf und das alte Leben ist unwiederbringlich zerstört. Alexander Sommer kann es nicht fassen, endlich ist er neunzehn geworden und dann passiert eine solche Tragödie. Auf diesen Geburtstag hat er schon so lange gewartet. Genauer gesagt hat er weniger auf seinen Geburtstag gewartet als viel mehr darauf endlich alt genug zu sein, um von daheim weg zu können. Wobei daheim war er dort sowieso nie und jetzt weiß er auch warum. Judith W. Taschler erzählt in ihrem Debütroman „Sommer wie Winter“ die Geschichte eines jungen Mannes, der auf der Suche nach seiner Herkunft ist und am Ende mehr über seine Ursprünge herausfindet als ihm lieb ist. Ihr Buch ist eine Aneinanderreihung von Therapiegesprächen verschiedener Familienmitglieder der Familie Winter und dem Pflegekind Alexander Sommer. Stück für Stück kommt der Leser den tragischen Geschehnissen in der Familie auf die Spur und gewinnt einen Einblick in die Lebensgeschichte eines jungen Mannes.

 

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Dunkle Familiengeheimnisse

 Die Sprache des Romans ist einfach, der Inhalt dafür umso gewaltiger. Nach den ersten Seiten des Buches weiß der Leser, dass sich etwas Schreckliches ereignet hat, mehr aber auch nicht. „Ich habe Angst, dass das Sprichwort nicht stimmt! Jetzt auf einmal habe ich Angst, dass ich nicht alles erreichen kann, was ich mir vornehme! Dass ich bin wie – dass das Ganze wie ein Schatten über meinem Leben hängen wird! Dass es mich immer verfolgen wird.“ Von Therapiegespräch zu Therapiegespräch erfährt der Leser mehr über Inhalt, Ausmaß und Hintergrund der Tragödie. Wie bei einem Puzzle offenbaren die emotional geladenen Gespräche Teilchen für Teilchen das Bild eines Familiengeheimnisses. Die Sicht auf die Ereignisse wechselt kapitelweise, weil jeweils andere Familienmitglieder zu Wort kommen und dadurch die gleichen Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden.

 

Ein erfolgversprechender Start als Romanautorin Der Autorin Judith W. Taschler ist mit ihrem Debütroman ein emotionales, einfühlsames, trauriges und gleichzeitig hoffnungsvolles Buch gelungen. Dass ihr Werk gut ankommt, beweist auch ihre Qualifizierung für das Finale des Franz-Tumler-Literaturpreises. Diese nach dem aus Südtirol stammenden Schriftsteller Franz Tumler benannte Auszeichnung wird seit 2007 an deutschsprachige Autoren für gelungene Debütromane vergeben. Die Entscheidung über den diesjährigen Gewinner des mit 8 000 Euro datierten Preises fällt am 17. September in Laas, Südtirol. Dann heißt es fest Daumen drücken, denn verdient hätte es Judith W. Taschler allemal für ihren Roman „Sommer wie Winter“ geehrt zu werden.

 

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Judith W. Taschler im Picus Verlag

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Fotos: Picus Verlag

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