KopfhörerInnen XXI: Van Halen
KopfhörerInnen XXI:
Van Halen
Van Halen – 1984
(VÖ:09.01.1984, Warner Bros)
Was könnte im Leben eines Musik-Nerds besser tun als Unbeschwertheit, der pure Spaß an der Musik, die Abwesenheit von Interpretation, Analyse, Einordnung und Bewertung? „1984" ist eines der Alben, das primär Spaß macht, wenn man es denn an sich heranlässt und die Bilder aus seinem Kopf vertreibt, die einen David Lee Roth in Spandex evozieren, sowie die musikalisch darauf folgenden Hair-Metal-Bands, denen Van Halen zum Teil eine musikalische Blaupause angeboten haben. Doch „1984" ist, das muss deutlich gesagt werden, besser, interessanter und musikalisch hochwertiger als das meiste, was in diesem Bereich danach noch folgen sollte.
Die Soli von Eddie sind grandios, die Riffs sind eingängig und doch nicht zu einfach, Düsternis und Melancholie scheint etwas zu sein, das diese Platte so gut wie gar nicht kennt. Dafür umso mehr Ausgelassenheit, Leichtsinn und Unsinn, pubertären Humor, richtig also gerade, um sich einen Sommer wieder wie ein Jugendlicher zu fühlen, der man in dieser Form vermutlich ohnehin nie gewesen ist. Wie schön ist es, neben der neuen (wunderbaren) Platte von Peter Evans, die auf den Namen „Ghosts" hört, auch eine Platte wieder auszugraben, die sich explizit nicht an den Kopf und an den Intellekt des Hörenden richtet, sondern einfach nur gute Laune verbreiten will.
Der Kolumnist will eigentlich auch gar nicht mehr über „1984" schreiben, sondern sehnt sich schon danach, den einen oder anderen See zu besuchen, seinen alten Walkman wieder auszugraben und die Kassette von Van Halen in diesen einzulegen, sich dann auf ein Badetuch zu legen und zu sehen, welche Frauen sich denn an ihm vorbeibewegen, im Ohr dazu „Panama". „1984" ist der Aufruf dazu wieder pubertär zu sein, Frauen nachzupfeifen, sich ganz auf seine „Männlichkeit" zu besinnen. Eine Stimmung kommt dann an diesem Badetag auf, den man eigentlich nur mit einem Van Halen Lied selbst beschreiben kann, dem man sonst nicht nahekommt mit all den Gedanken, den Ideen, den intellektuellen Betrachtungen, die unter der glühend heißen Sonne ja ohnehin nur ins Leere führen. Van Halen sagen und singen es besser: „Girl gone bad, yeah, ooooo-oh, ooooo-oh, oh!" Das ist ein Satz, der nachweislich nicht dazu auffordert, verstanden, interpretiert und in einen gesamtliterarischen Kontext gesetzt zu werden, sondern der in seiner Formulierung universell ist.
Es geht um „das Eine" und das auf dieser Platte erstaunlicherweise immer wieder. Denn alle Lust will Ewigkeit...? Doch halt, hier rutscht man schon wieder in bekanntes Terrain und hat vergessen, dass Van Halen dazu aufgefordert haben, endlich mal den Kopf zuhause zu lassen und andere Körperteile dazu zu benutzen um zu denken bzw. diesen den Vorrang zu geben. Heute bleiben die Hausaufgaben liegen, man denkt nicht daran, was man alles an Bildung verpasst haben könnte, denn: „whoa, oh, ooh, yes i´m hot, wow! Oh my god, woo!" Dieses Meistwerk der lyrischen Dichtkunst entstammt dem mit einem Killerriff ausgestatteten Song „Hot For Teacher" und sollte allen Bildungsversagern ans Herz gelegt werden, vielleicht auch jenen, die das noch werden wollen. Bildung ist ja schön und gut, auch ein Studium mag Sinn machen, doch eigentlich verfolgt man doch höhere Ziele, teacher sind ja schließlich nicht nur zum lehren da.
Will man sich also wirklich etwas Gutes tun, dann sollte man sich, sofern man diese Platte noch nicht besitzt, dieses Album unbedingt zulegen, den Tipps des Rezensenten folgen und bemerken, wie schön einfach die Welt sein kann, wenn man sich auf Van Halen einlässt. Eine Platte, die man im Winter wieder wird einmotten können, doch für den Sommer zweifellos und mindestens:
10,0/10
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