„Hauptsache es brennt“
Kreisky live in der ARGEkultur Salzburg
Franz Wenzl, Martin Offenhuber, Gregor Tischberger und Klaus Mitter, besser bekannt als Kreisky, haben eine neue Platte im Gepäck. Die Wahlwiener haben am 1. Juni in Salzburg Halt gemacht, um ihr drittes Album „Trouble" zu präsentieren. Und Trouble schien der fiktive österreichische Nörgler, den Frontsänger Wenzl verkörpert, wirklich zu haben. Tief gekrümmt schrie Wenzl seine Texte ins Mikro. Sie handelten von einem, der unzufrieden ist mit sich und der Welt, und der diese Wut irgendwohin entladen muss. Gitarre, Bass und Schlagzeug gaben den Texten das musikalische Gerüst. „Unsere Band heißt Kreisky. Untertitel: Olle zwa Meter noch vurn", begrüßte Wenzl das Publikum. Tatsächlich schienen noch nicht übermäßig viele Leute gekommen zu sein, die Publikumsdichte wuchs allerdings im Laufe der ersten Songs.
Cirque du Soleil und Olympique Marseille
Die neuen Lieder sind wie gewohnt Brachialstücke: Eher noch lauter, sperriger und wütender als jene auf „Kreisky" (2007) und „Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld" (2007). Gute Laune lag jenem der da sang fern: Er ist dagegen, worum auch immer es gehen mag und wurde wider Willens aus der persönlichen Wohlfühlzone gedrängt. Der Ungustl schrie seine Hilflosigkeit und Angst, in die ihn die Gesellschaft manövriert hat, heraus. So nahm Wenzl etwa in Olympique Marseille phraseologische Erfolgsgeschichten aufs Korn: „Ich habe Pro 7, und den Cirque du Soleil, und Olympique Marseille aufgebaut, mir ausgedacht, durchgerechnet, groß gemacht. Nur mit meinen haarigen Händen, nur mit meinen haarigen Händen."
Das persönliche Universum begann schließlich mit dem Eifersuchtsdrama „Menschen brauchen Liebe": „Was wir anzünden / Und wen wir anzünden / Ist doch letztlich egal / Hauptsache, es brennt", noch weiter zu bröckeln. Der Applaus nach der Nummer war erstmals etwas lauter. Inhaltlich an Tocotronics Kapitulation angelehnt, forderten Kreisky schließlich „Schließ Frieden mit deiner Frustration" und gewohnt rotzig ging es auch weiter: „Ihr Hunde, Lasst Mich Los!", sang der in die Enge Getriebene. „Ihr seid dumm, weil ihr dumm ausseht. Das ist meine Logik und ihr habt nichts dagegenzusetzen."
Hohle Phrasen
Kreisky sind sich bei ihrem erst im April erschienen Werk treu geblieben und spielen noisige Rockmusik. Während auf früheren Platten zwischenmenschliche Beziehungen thematisiert wurden („Und du wirst es nicht glauben, aber seit du fort bist, ist mein Asthma so gut wie verschwunden"- „Asthma"), bringt die Band auf „Trouble" primär ihren Hass gegenüber Künstlern („Scheiße, Schauspieler!") und Bobos zum Ausdruck. In „Scheiße, Schauspieler" werden Interview-Worthülsen wie „Ein ganz lieber Kollege, ein grandioser Mensch!" auf's Korn genommen, die selten mehr sind als hohle Phrasen.
Die Wahlwiener rockten inbrünstig und grantig wie gewohnt, der Funke mochte dennoch nicht ganz überspringen. Die erste Konzerthälfte verstrich, ohne dass jemand ausgelassen zur Brachialmusik getanzt hätte. Der Großteil verharrte regungslos vor dem Dargebotenen. Während die Kreisky-Tournee für Fans ein Muss ist, konnte sicher nicht jeder etwas mit den grantelnden und teils sehr unmelodischen Stücken anfangen. Ob Kreisky sich auf der nächsten Platte mit der Welt versöhnen werden oder weitergranteln, wir dürfen gespannt sein.
Kreisky spielen am 18. Juni am Augartenfest in Graz und am 26. Juni am Donauinselfest auf der FM4 Bühne.




































