30. Juni 2011 | Meinung

KopfhörerInnen XX: Kvelertak

 
Indie Recordings / John Dyer Baizley

KopfhörerInnen 20:
Kvelertak

 

Kvelertak - s/t
(VÖ: 21.06.2010, Indie Recordings)
An irgendeinem Punkt ihrer Geschichte müssen die Norweger einen Pakt mit dem südlichen Lord abgeschlossen haben. Entweder das, oder die von Varg Vikernes angesprochene intuitive Identifikation eines jeden Norwegers mit Odin, Thor und dem Rest der mythischen Gesellschaft muss in der Tat existieren. Wie sonst wäre es zu erklären, dass der Metal, Punk und Rock aus Skandinavien immer etwas kompromissloser, etwas authentischer wirkt als aus anderen Gefilden? Dass Norwegens Musikgeschichte einen starken Einfluss auf die entstandenen Szenen hat, dürfte klar sein. Die Nachwirkungen einer der dabei interessantesten Subkulturen, der Kreis um die Hochzeit des Norwegischen 90er Jaher Black Metals mit ihren zentralen Figuren und Gruppen wie Vikernes (Burzum), Dead und Euronymous (Mayhem) oder Fenriz (Darkthrone), sind bis in die Gegenwart zu spüren. Gleichzeitig findet sich auch heute noch in norwegischen Städten wie Oslo und Moss eine lebendige Hardcore Punk Szene.

Dass diese beiden Szenen, Black Metal auf der einen Seite und Hardcore Punk auf der anderen Seite, nicht nur aufgrund ihres Augenmerks auf Intensität verwandt sind, sondern zeitweise auch gerne kombiniert werden, beweisen vermehrt Bands und Entwicklungen der letzten Jahre. So veröffentlichten beispielsweise Okkultokrati aus Oslo im Jahr 2010 ein Debut, das sie selbst mit Termen wie „Metaphysical Black’n’Roll“ und „Frosty and nihilistic punk metal“ umschreiben. Geschwindigkeit und Rotzigkeit auf der einen Seite, Dunkelheit auf der anderen Seite.

Die Band des eigentlichen Interesses, Kvelertak (zu Deutsch „Würgegriff“), lassen sich ebenfalls in diesem Bereich des grenzerweiternden Hardcores ansiedeln. Ihr Debut, das sie ebenfalls im Jahr 2010 veröffentlichten, erntete vom Großteil der in der Szene respektierten Gazetten, Hoch- bis Höchstbewertungen. Kvelertak klingen dabei wie selten eine Band vor ihnen geklungen hat und doch scheinen ihre Lieder bereits beim ersten Durchhören aus einem zumindest entfernt vertrauten Kanal zu stammen. Ihr Klangkonglomerat aus Hardcore Punk, Sludge, Rock’n’Roll und Black Metal intonieren sie dabei wie eine erfrischende Kreuzung von Einflüssen, die zu allerlei Name Dropping in den diveresten Genres einlädt. Sachte gesagt, möge man sie als eine Variante der zu ihren Anfangszeiten noch dunkleren Turbonegro und den wütenden Mastodon beschrieben, zelebriert vor einer heidnischen Kapelle auf einer nächtlichen Norwegischen Waldlichtung.

Das Album an sich setzt sich dabei keine Grenzen, schwankt zwischen Geschwindigkeit und Groove, inkorporiert an wenigen kurzen Stellen sogar Akustikgitarren und waschechte Rock’n’Roll Soli, nur um dann wieder in Black Metal typische Blast Beats und hohes Gekreische umzubrechen. Textlich in ihrer Muttersprache verwurzelt, lassen einschlägige Liedtitel wie „Blodtørst“, „Nekroskop“ oder „Sultans of Satan“ dabei trotzdem die Linie der Band auch ohne fundierte Kenntnisse des Norwegischen erahnen.

Das Gütezeichen eines Albumartworks von „Baroness“ Masterminds John Dyer Baizley spricht dabei bereits Bände, zieren seine Illustrationen doch die meisten der aktuellen Bands, die sich einem innovativeren und individuellerem Musikzugang verschrieben haben.
Kvelertak sind sicherlich eine der interessantesten nordischen Gitarrenbands der Stunde und stehen die Gestirne günstig, könnten sie eventuell sogar zum „next big thing“ mutieren.
8,3/10

 

 

 

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