01. Juni 2011 | Meinung

One Apple a day …

flickr.com/gautsch.net (CC)
Gesunde Ernährung muss nicht immer aus Obst bestehen

… keeps the doctor away! Natalie Chrstos testet drei Tage die aktuellen Diät-Trends

 

Bei der jährlichen Untersuchung weist mich mein Hausarzt darauf hin, dass ich zukünftig – da ich auf die Dreißig zugehe – auf meine Ernährung achten soll. Das eine oder andere Kilo könnte ich durch eine bewusstere Ernährung und Sport verlieren. Doch auf Laufen habe ich keine Lust, da hilft wohl nur noch ein Schlemm-Stopp. Ich informiere mich bei meinen Freundinnen, was diättechnisch gerade so angesagt ist und entscheide mich dafür, drei Tage mit Obst, Ayurveda und Detox zu verbringen. Dann schaue ich, wie es mir dabei geht.

 

flickr.com/[Crewe]

Tag eins: Obst

Am Abend vor dem Obsttag nehme ich nur mehr ein leichtes, kohlenhydratfreies Abendessen zu mir: Gemüse und Tofu. Schade, dabei hätte ich gern ein Käsebrot gegessen. Stark sein, das ist erst der Anfang! Der Obsttag beginnt um 8 Uhr mit einem frisch gepressten Saft aus Orangen, Äpfeln und Karotten. Das ist ein ganz schöner Arbeitsaufwand, das viele Obst vorzubereiten und zu verwerten. Dafür ist der Saft echt lecker. Eine Stunde später habe ich Hunger. Eine Banane muss her. Wieder eine Stunde später treibt es mich zum Obstkorb: Hm, wieder einen Saft? Aber ja, diesmal mit Banane. Um 11 Uhr habe ich unendlichen Hunger. Durchhalten. Ich versuche zu arbeiten, denke aber nur ans Essen. Ich rette mich mit Apfel- und Karottenknabbern über den Mittag. Nachmittags um drei gehe ich außer Haus, weil ich einen Tanzkurs habe - sanfte Bewegung kann ja nicht schaden. Aber jeder Schritt ist anstrengend, ich habe das Gefühl, betrunken zu sein. Nach einer halben Stunde Fahrt durch die Stadt beschließe ich, bei dem Take-away-Japaner eine Misosuppe zu erstehen. Die Erlösung um 15:40: Ich habe noch nie so etwas Gutes gegessen! Ich fühle mich nach der Suppe zwar besser, aber noch immer etwas benommen. Nach dem Tanzunterricht beschließe ich, dass Obsttage nichts für mich sind, diesen Tag aber irgendwie noch umzubiegen. Ich lass' mir doch nicht nachsagen, dass ich aufgebe. Also sitze ich abends mit Karottensticks vor dem Fernseher und lechze bei jeder Nahrungsmittel-Werbung nach einem warmen, fettigen und am besten süßen Gericht. Fazit: Obst ist ja toll, schmeckt sogar, aber ausschließlich davon kann ich keinen Tag leben. Das kann ich meiner Umwelt nicht antun.

 

flickr.com/Damaris R (CC)

Tag zwei: Ayurveda

Nachdem ich mich von meinem Obsttag mit reichlichem Schlaf erholt habe, starte ich in einen ayurvedischen Ernährungstag. Wenn das stimmt, was der Internet-Test mir verraten hat, dann bin ich ein Pitta-Typ. Das bedeutet, dass ich Nahrungsmittel bevorzugen soll, die bitter, süß oder zusammenziehend im Geschmack sind. Das wären brauner Zucker, Weizen, Gerste, Reis, Zucchini, Banane, Weintrauben, Mango, Granatäpfel, Koriander und Nelken. Na bitte, daraus lässt sich doch was zaubern! Ran an den Herd, zum Frühstück soll es ein Getreidebrei werden, bestehend aus Haferflocken, Sojamilch, anregenden Gewürzen und frischem Obst. Dazu gibt's einen Tee aus Rosenblütenblättern und Süßholz. Endlich was Essbares, wie fein! Mittags gibt's ein Couscous-Gericht mit Zucchini, Paprika und Käse (der ist für mein Gemüt) und als Nachspeise einen bunten Obstteller. Abends eine Suppe aus Brokkoli und Kohlrabi. Der Tag ist vorüber, ich bin satt und fühle mich gut. Außerdem rät mir die Ayurveda-Website, dass ich mich mit angenehmen Menschen umgeben soll, die mir guttun. Das ist mal ein Tipp! Fazit: Eine Ernährung nach dem Ayurveda-Prinzip ist gut machbar, lecker und kommt dem Typ und Charakter entgegen. Sie nimmt aber Zeit für Planung, Einkauf und Zubereitung der Speisen in Anspruch. Aber vielleicht sollte man es sich wert sein.

 

flickr.com/anasararojas (CC)

Tag drei: Detox

Meine Mitbewohnerin, die mit mir und meinen Ess-Experimenten mitleidet, weiht mich in ein Konzept ein, das gerade der neueste Schrei sein soll: Detox! Das ist sicher als Imperativ gemeint, geht es doch darum, zum Entgiften aufzurufen. Wichtig ist, auf alles Schädliche und Ungesunde zu verzichten, wie Zigaretten, Zucker, Alkohol, gebackene, panierte und frittierte Speisen sowie Junkfood. Hingegen erwünscht sind Mahlzeiten aus Obst, Gemüse, ausgewählten Getreidesorten, vier Stunden Sport in der Woche und ausreichend Schlaf jede Nacht. Ah ja, Positivdenken ist auch ein Entgiftungsgrundsatz. Mal sehen, was mir heute so auf den Teller kommt. Mein Frühstück besteht aus einem gekochten Getreidebrei (wie am Ayurveda-Tag, nur mit Heidelbeeren heute). Dazu trinke ich einen Tee mit Goji-Beeren - soll sofort meine Leber entgiften. Vormittags gibt's ein Glas Buttermilch mit frischen Erdbeeren und einer Prise Cayennepfeffer - das heizt ein! Zu Mittag bereite ich einen Salat aus gekochtem dunklen Reis, einer Mango und Cashewkernen zu. War ganz gut, aber hat mich nicht vollends befriedigt. Dafür esse ich nachmittags einen Becher Cottage Cheese mit frischen Kräutern und einen Apfel. 18:00 Uhr: Hunger! Im Ofen brutzelt ein Lachsfilet, das mit Zitrone und Lavendel gewürzt ist, dazu gibt es ein frisches Spargelgemüse aus der Pfanne. Lecker war's! Der Tag ist um, ich liege glücklich und zufrieden im Bett. Fühlt sich gut an irgendwie. Fazit: Ähnlich wie bei der Ernährung nach Ayurveda wird viel Wert auf eine frische Zubereitung von hochwertigen Produkten gelegt, das muss in den Tag eingeplant werden. Sonst ist das Konzept gut handzuhaben und abzuwandeln für den täglichen Gebrauch, wenn man nur die Grundregeln beherzigt.

 

flickr.com/Pink Sherbet Photography

Und die Moral ...

Alle drei Methoden im Vergleich zeigen, dass eine ausgewogene Ernährung auch vom Typ abhängt. Ziel einer gesunden Ernährung soll ja sein, dass man sich wohlfühlt mit dem, was man isst, und dabei den Anforderungen des Alltags gerecht wird. Hungern und kalorienreduzierte Gerichte sind absurd. In Zukunft werde ich darauf achten, was ich esse, wie die Nahrungsmittel zubereitet sind, und vor allem wie es sich anfühlt.

 

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