Sexuelles Selbstbewusstsein stärken
Natalie Chrstos über Notwendigkeit von Beratungsstellen und früher Aufklärung
Es ist nicht leicht als junger Mensch in einer Gesellschaft aufzuwachsen, die eindeutig oversexed ist. Man hat das Gefühl, alle machen „es“, anscheinend immer und überall. Da möchte man natürlich mitziehen, auch wenn es einen eigentlich überfordert. Es hängt viel am Sex und die angeblich „schönste Nebensache“ der Welt kann ganz schön Stress machen. Unklarheiten in Bezug auf Verhütung vor ungewollten Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Krankheiten werden im Freundeskreis ausverhandelt. Eltern oder Lehrer fragen? Oh nein, wie peinlich!
Aufklärung aktuell
Gut, dass es Institutionen gibt,
die ohne großen bürokratischen Aufwand und vor allem kostenlos Beratung
und medizinische Unterstützung anbieten. Diese Beratungsstellen können
aufgesucht werden, wenn man das richtige Verhütungsmittel noch sucht und
nicht die Mutter nach der E-Card fragen möchte, um zum Frauenarzt gehen
zu können. Oder wenn aus der traditionellen Einstellung oder der
kulturell-religiösen Herkunft der Familie heraus die Verhütung verborgen
passieren muss.
Der Bedarf ist groß, teilt Martina Morawitz,
diplomierte Sozialarbeiterin, mit. Die Klientinnen kommen mit ebenso
vielen Fragen wie Wünschen. Etwa drei Viertel aller Mädchen, die in die
„First Love“-Beratungsstelle kommen, haben bereits sexuelle Erfahrungen
gesammelt. Das bedeutet, dass die Verhütung nicht immer von Anfang an
klar geregelt ist. Das Bewusstsein für eine damit riskierte mögliche
Elternschaft, die eine lebenslange Aufgabe und Verpflichtung darstellt,
haben die wenigsten Jugendlichen. Ein weiterer problematischer Aspekt
ist die Tatsache, dass gerade Mädchen, die selber nicht aus einer
intakten Familie kommen, glauben, ihr Glück in einer eigenen kleinen
Familie zu finden. Dieser Kinderwunsch muss offen thematisiert und
hinterfragt werden.
Verhütungsmissstände
Reality-Serien
wie „Teenager werden Mütter“ vermitteln schlussendlich den Eindruck,
dass das „alles nicht so schlimm ist“ und die dargestellten jungen
Eltern „es eh gut hinkriegen“. Doch die Realität der Teenie-Eltern sieht
meist anders aus, doch das läuft abseits der Kameras. Daher versucht
Sozialarbeiterin Martina Morawitz sowohl das Thema Vaterschaft als auch
Mutterschaft im Gespräch bewusst zu machen und die Möglichkeiten der
Verhütung aufzuzeigen. Die immer gleichen Ausreden der männlichen
Jugendlichen lässt Morawitz ebenso wenig gelten, wie die falsch
platzierte Zurückhaltung und Angepasstheit der Mädchen, die den Freunden
zuliebe auf das Kondom verzichten und Schwangerschaften und Krankheiten
riskieren. Hier ist das sexuelle Selbstbewusstsein der Mädchen zu
stärken, auf Kondome zu bestehen und auch andere Wünsche und Bedürfnisse
zu formulieren.





















































