28. Jänner 2011 | Meinung

Sexuelles Selbstbewusstsein stärken

mokant.at > foto: natalie chrstos
Chrstos plädiert für sexuelles Selbstbewusstsein bei Mädchen

Natalie Chrstos über Notwendigkeit von Beratungsstellen und früher Aufklärung

 

Es ist nicht leicht als junger Mensch in einer Gesellschaft aufzuwachsen, die eindeutig oversexed ist. Man hat das Gefühl, alle machen „es“, anscheinend immer und überall. Da möchte man natürlich mitziehen, auch wenn es einen eigentlich überfordert. Es hängt viel am Sex und die angeblich „schönste Nebensache“ der Welt kann ganz schön Stress machen. Unklarheiten in Bezug auf Verhütung vor ungewollten Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Krankheiten werden im Freundeskreis ausverhandelt. Eltern oder Lehrer fragen? Oh nein, wie peinlich!

 

Aufklärung aktuell
Gut, dass es Institutionen gibt, die ohne großen bürokratischen Aufwand und vor allem kostenlos Beratung und medizinische Unterstützung anbieten. Diese Beratungsstellen können aufgesucht werden, wenn man das richtige Verhütungsmittel noch sucht und nicht die Mutter nach der E-Card fragen möchte, um zum Frauenarzt gehen zu können. Oder wenn aus der traditionellen Einstellung oder der kulturell-religiösen Herkunft der Familie heraus die Verhütung verborgen passieren muss.

Der Bedarf ist groß, teilt Martina Morawitz, diplomierte Sozialarbeiterin, mit. Die Klientinnen kommen mit ebenso vielen Fragen wie Wünschen. Etwa drei Viertel aller Mädchen, die in die „First Love“-Beratungsstelle kommen, haben bereits sexuelle Erfahrungen gesammelt. Das bedeutet, dass die Verhütung nicht immer von Anfang an klar geregelt ist. Das Bewusstsein für eine damit riskierte mögliche Elternschaft, die eine lebenslange Aufgabe und Verpflichtung darstellt, haben die wenigsten Jugendlichen. Ein weiterer problematischer Aspekt ist die Tatsache, dass gerade Mädchen, die selber nicht aus einer intakten Familie kommen, glauben, ihr Glück in einer eigenen kleinen Familie zu finden. Dieser Kinderwunsch muss offen thematisiert und hinterfragt werden.

Verhütungsmissstände
Reality-Serien wie „Teenager werden Mütter“ vermitteln schlussendlich den Eindruck, dass das „alles nicht so schlimm ist“ und die dargestellten jungen Eltern „es eh gut hinkriegen“. Doch die Realität der Teenie-Eltern sieht meist anders aus, doch das läuft abseits der Kameras. Daher versucht Sozialarbeiterin Martina Morawitz sowohl das Thema Vaterschaft als auch Mutterschaft im Gespräch bewusst zu machen und die Möglichkeiten der Verhütung aufzuzeigen. Die immer gleichen Ausreden der männlichen Jugendlichen lässt Morawitz ebenso wenig gelten, wie die falsch platzierte Zurückhaltung und Angepasstheit der Mädchen, die den Freunden zuliebe auf das Kondom verzichten und Schwangerschaften und Krankheiten riskieren. Hier ist das sexuelle Selbstbewusstsein der Mädchen zu stärken, auf Kondome zu bestehen und auch andere Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren.

 



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