21. Juni 2012 | Kultur

Sommerkino 2012: Science Fiction im Park

 
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Soylent Green (1973) - eine 70er-Jahre-Vision des Jahres 2022
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Ein sommerlicher Filmabend im Kreisky-Park geht zu Ende

Die Sommerkino-Saison startet mit Science-Fiction: „Soylent Green“ im Bruno-Kreisky-Park

 

Unser liebes Dorf Bécs gibt sich manchmal schon wirklich Mühe. Pünktlich wenn die Hosen kürzer werden, die Zehen erleichtert aufatmen und die Stechmücken zu surren beginnen, gehen die filmliebenden Heinzelmännchen ans Werk und errichten quer durch die Stadt verteilt provisorische Leinwände. So auch geschehen im Rahmen der Margaretener Filmnächte, die mit ihrem Programm Science Fiction im Park auch heuer wieder die Bécsianer Freiluft- und Gratiskinofans beglücken. Ich faltete sorgfältig die Picknickdecke in den Rucksack, packte ein bisschen Wein, Chips und gute Laune dazu und begab mich am vergangenen Freitag in den Bruno-Kreisky-Park.

 

Charlton(s), Kiddies und Decken-Hijackers

„Menschenfleisch!“ hieß es in Soylent Green (1973), einer Dystopie mit dem fesch-stoischen Charlton Heston in der Hauptrolle. Wenn Frauen als Inventar in der Wohnungsmiete inkludiert werden und ganze 40 Millionen verarmte New Yorker um viereckige, färbige Blättchen als Nahrung streiten, dann kann die Verschwörungstheorie nicht weit sein – alles in allem ein interessante, teils amüsante und trashige Mischung.

 

Dem Filmgenuss ein klein wenig Abbruch tun aber externe Faktoren, wobei das natürlich ganz auf subjektiver Wahrnehmung beruht. So hat nicht jeder Verständnis dafür, dass freilaufende Kiddies vor der Leinwand hin und her hüpfen und in Spielplatzlautstärke um die Wette schreien. Kämpfen muss man auch schon mal gegen das eine oder andere käferartige Wildtier, das es sich gerne unterm Shirt bequem machen würde. Das gleiche gilt auch für andere Filmseher, die langsam und ohne zu fragen auf die Decke anderer Leute vorrutschen, bis die rechtmäßigen Deckenanrainer kaum mehr Platz haben. Aber so was kann halt passieren. Ein Schluck Beerenauslese, ein paar schnelle Griffe in die Chipstüte, und die Zucker-Kohlenhydrat-Glückshormone wirken lassen!

 

Wien, Wien, nur du allein

Wer’s nicht weiß: mit Bécs ist natürlich die österreichische Hauptstadt gemeint. Dank Facebook-Tagging hat sich der ungarische Name nun auch hierzulande in den Sprachgebrauch gemischt (oder doch noch nicht so ganz und es gibt hier Vorreiter-Punkte?). In Sachen Sommerkinoangebot ist die Stadt jedenfalls sehr fit unterwegs: die Bécsianer schauen Film im Park, am Dach (Hauptbibliothek), im Parkdeck (WiPark Stiftgasse), im Schloss (Neugebäude) und vor allem unter Sternen (Karlsplatz). Der Volxkino-Karawane kann der beschuhte Pilger sogar durch ganz Wien folgen – bis Mitte September macht es an jedem Spieltag woanders Halt. Wer es kurz und pfiffig wie Espresso mag, holt sich den Filmkick bei einem espressofilm-Screening im Gartenpalais Schönborn.

 

Auch für musikorientierte Projektionen ist gesorgt: vor dem Rathaus wird etwa eine Live-Übetragung des Adele-Konzerts in der Royal Albert Hall gezeigt, sowie Opernklassiker und Ballett-Vorführungen. Warum man sich La Traviata schon mal antun kann? Weil’s, wie viele Sommerkinoaktionen, gratis ist! Und ein Klassiker. Und wertvoller als das entsprechende Vinyl beim hipstrigen Flohmarkt als Trophäe zu erstehen und dann nie wieder anzugreifen.

 

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