„Wir sind keine Kinder mehr“
Alexandre Fedorenko von Plexus Solaire über das neue Album und seine Bar „Le Toquet“
Die französich-österreichische Rockband Plexus Solaire wurde im Jahr 2002 von Vincent Wohinz und Alexandre Fedorenko gegründet. Die mittlerweile vierköpfige Band tritt am 18. Mai in der Roten Bar im Vokstheater Wien auf und erfreut sich auch sonst bereits großer Beliebtheit. FM4 spielt die Single „Les Horizons“, es steht eine Österreich-Tour an – was will man mehr? „Einmal in Frankreich auftreten“, erklärt Frontmann Alexandre mit sehnsüchtigem Blick. Dass das Leben als Musiker, auch als erfolgreicher, gar nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheint, erzählt mir Alexandre während wir in seiner Bar Le Troquet sitzen, französischen Chansons lauschen und schwarzen Kaffee trinken.
mokant.at: Du bist also der Besitzer dieser Bar.
Alexandre: Einer davon. Wir sind zu zweit.
mokant.at: Le Troquet gibt es ja noch nicht so lange. Wann habt ihr diese Bar renoviert und sie zu dem gemacht, was sie jetzt ist?
Alexandre: Letzten Winter. Am zehnten Juni haben wir dann aufgesperrt. Wir haben damals die CD fertig gemacht und das hier eben auch. Ich sag dir, da gab es viel zu tun.
mokant.at: Stehst du auch hinter der Bar?
Alexandre: Ja, ich bin auch Barkeeper.
mokant.at: Brauchst du Le Troquet als Ausgleich zum Künstlerdasein?
Alexandre: Ich habe früher auf Schiffen gearbeitet: In England, Frankreich, Österreich – überall bis zu Marokko. Und das immer irgendwie mit Musik kombiniert. Wenn man das gut trennen kann, dann klappt es. Es ist hart aber machbar. Dadurch, dass wir im Troquet zu zweit sind, geht es. Einer muss immer hier sein. Und wenn ich ein Konzert habe, eine Studioaufnahme oder ein Interview (lacht) dann ist der Partner da – das ist verdammt wichtig weil hier zu Mittag und am Abend viel los ist. Wir haben DJs da. Die Leute tanzen. Wenn ich allein wäre, wäre das alles wahrscheinlich nicht möglich.
mokant.at: Wenn du dich für eines entscheiden müsstest?
Alexandre: Das ist eine schwierige Frage. Beides macht mir extrem viel Spaß. Heutzutage nur von Musik zu leben, ist ein bisschen schwer. Ich kenne sehr viele andere Profimusiker, die andauernd mit einer anderen Partie, einer anderen Band, spielen, andere Projekte machen. Ich finde, das ist Rock-and-Roll-Attitude. Ich nenne das auch immer „Bühne" (zeigt auf die Bar). Man verdient mit Musik schon auch etwas, aber jeder von uns hat nebenbei auch einen anderen Job.
mokant.at: Was machen die anderen Bandmitglieder?
Alexandre: Jürgen, unser Schlagzeuger, ist Grafikdesigner. Emanuel ist seit einem Jahr Produktmanager bei Universal. Unser Manager, Thomas, ist Geschäftsführer vom Radiokulturhaus in der Argentinierstraße. Und sein Bruder, Vincent, der bei uns Sänger und Gitarrist ist, arbeitet im Sozialbereich. Er ist für Wohngemeinschaften in fünf oder sechs Bezirken in Wien zuständig. Jeder von uns hat sozusagen ein gut befülltes Leben. Die Musik würde ich dabei aber nicht als Hobby bezeichnen, schließlich ist es sehr professionell, was wir machen. Für die anderen könnte es schwierig werden, wenn wir beschließen zwei Monate lang auf eine große Tour zu gehen. Sie müssten sich von ihren Jobs frei nehmen. Bei einer Bar ist das leichter. Aber ich habe so gut wie keine Freizeit.
mokant.at: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?
Alexandre: Wir haben jetzt ein neues Album, das bei der Release-Party gut angekommen ist. Derzeit arbeiten wir mit der Booking Agentur zusammen und schauen uns mal an welche Konzerte wir planen möchten und auf welchen Festivals wir auftreten wollen. Ich für meinen Teile habe jetzt wieder angefangen neue Sachen zu schreiben. Ein Fixtermin ist der 18. Mai. Da spielen wir in der Roten Bar im Volkstheater. An der CD haben wir über zwei Jahre lang gebastelt, jetzt ist es Zeit zu spielen.
mokant.at: Ihr habt zwischen der letzten CD und dieser relativ viel Zeit verstreichen lassen.
Alexandre: Fünf Jahre. In diesen fünf Jahren waren wir auf Tour. Und dann hatte ich diesen schweren Unfall. Ich wurde operiert und war gelähmt – das war wirklich scheiße. Wir haben pausieren müssen. Es ging nicht anders. Danach mussten wir wieder Geld zusammenbekommen um eine CD zu produzieren. Wir haben uns keine Deadline gesetzt, sondern beschlossen: Wenn es soweit ist, ist es soweit. Wenn die Chemie nicht gepasst hat, haben wir es eben gelassen. Wir wollten uns keinen Stress machen. Wir sind keine Kinder mehr. Wir brauchen keinen Druck. Wenn man vernünftig ist, muss man auch sagen können: „Hey, lassen wir uns jetzt Zeit.“ Die gesamte erste Aufnahmesession hat dann knapp zwei Jahre gedauert. Ein wichtiger Punkt, den viele Musiker heutzutage vielleicht nicht verstehen, ist, dass Musik extrem viel Spaß machen sollte. Man sollte nicht hinter dem Erfolg her sein, der vielleicht nie kommt.
mokant.at: Wie würdest du eure neue Platte beschreiben?
Alexandre: Ich finde es als Musiker immer schwer meine Musik zu beschreiben. Sie ist rockig. Es gibt ein paar keltische Elemente aus der Bretagne. Ein paar Punk-Elemente. Eine schöne Balade ist auch dabei. Eine Nummer habe ich bearbeitet und beschlossen ihr einen Black-Country-Touch zu geben. Man hört den Einfluss der 80er und 60er Jahre heraus. Ein Freund von mir hat mal gesagt, dass sie ein wenig so klingt wie die Talking Heads.
mokant.at: Welches Lied gefällt dir von der aktuellen CD am besten?
Alexandre: Die Nummer, von der ich wusste, dass sie gut wird, ist auch die Nummer, die FM4 gewählt hat - „Les Horizons“. Das ist meine Lieblingsnummer. Sie erzählt in 3.4 Minuten, was wir geworden sind. In den letzten fünf Jahren gab es einige Krisen, es gab meinen Unfall – und dann haben wir eben gesagt: „Vielleicht sollten wir jetzt aufhören.“
mokant.at: Wieso wolltet ihr aufhören?
Alexandre: Aufhören nicht direkt aber wir haben sehr lange Zeit nicht gespielt. Jeder hat extrem viel zu tun mit Privatleben, Job und Familie. Das hat viel Stress und Unzufriedenheit ergeben. Wir haben uns auch, was logisch ist, nach so vielen Jahren, die Dinge vor Augen geführt und nachgedacht: „Das war schön bis jetzt aber was machen wir weiter?“ Gebrannt hat das nicht, aber ein paar Mal haben wir uns jetzt nicht direkt gestritten, aber doch verschiedene Meinungen gehabt. Dazwischen war es schwierig. Wir haben bei anderen Projekten mitgearbeitet. Es war einfach nicht mehr wie am Anfang. Das war für uns keine leichte Zeit aber es war trotzdem sehr intensiv. Jetzt haben wir es geschafft, dass es wieder so ist, wie ganz am Anfang. Wahrscheinlich haben wir das gebraucht um wieder voll dahinter sein zu können. Es war wichtig, sich die Zeit zu nehmen und diplomatisch zu sein. Wir wissen wie wir sind. Wir kennen einander seit über zehn Jahren und sind gute Freunde. Wir sind eine Familie.




























