08. Februar 2012 | Kultur

Das gehört nicht hierher

 
(c) ARGEkultur Salzburg
Hosea Ratschiller perfomte beim Motz Art Festival in Salzburg

Hosea Ratschiller beim diesjährigen Motz Art Festival in der ARGEkultur in Salzburg

 

Sein zweites und aktuelles Kabarettprogramm „Das gehört nicht hierher“ lockte einen kleinen, aber feinen Kreis von Zusehern ins Nonntal. Ob Politiker, Fernsehnachrichten oder die Krocha – hier bekam jeder sein Fett weg.

 

Mit Elvis beim Happy Meal
McDonald‘s ist schön. Denn dort gibt es eine Rutsche, das Happy Meal und einen Clown. Dies ist nur eine der zahlreichen neuen Erkenntnisse, die man bei einem Besuch von Hosea Ratschillers neuem Kabarett gewinnen kann. Ansonsten tobt sich der junge Radiomacher bei Themen aus, die sowohl im Politischen als auch im Privaten angesiedelt sind. Das Publikum erlebt das Begräbnis von Ratschillers Großvater, einem begnadeten Elvis-Imitator. Weiße Blumen stehen auf einem Tisch. Ganz dunkel ist es zu Beginn, Elvis‘ „Unchained Melody“ erklingt und Ratschiller betritt die Bühne. Mit Perücke und Sonnenbrille performt er den Song, um seinem Opa die letzte Ehre zu erweisen. Auf seine Großeltern nimmt er im Laufe des Kabaretts noch häufig Bezug.

9/11 und Krocha
Der 30-jährige Kärntner spricht über zahlreiche politische Themen wie den Genua-G8-Gipfel 2001 und 9/11. Während er noch im Zug gesessen sei und Radieschen und Sunkist Orange ausgepackt hätte, sei schon in der Zeitung gestanden, die Demonstranten würden alles kurz und klein schlagen. Und bis Ende August sei das Jahr über nichts im Fernsehen gewesen – aber dann starteten die 9/11-Dokus auf allen Kanälen. Geschickt beobachtet Ratschiller, dass die Antwort auf die häufig gestellte Frage „Wo waren Sie am 11. September?“ stets lautet: „Ich habe den ganzen Tag vorm Fernseher verbracht.“ Fernsehnachrichten stehen bei Jungen nicht mehr hoch im Kurs, obwohl sie mitunter das Unterhaltsamste sind, was Fernsehen heute zu bieten hat – eine weitere Erkenntnis des Abends. Denn schließlich würde dort jeden Abend das Selbe präsentiert: Die Finanzmärkte kollabieren, hier ist der Experte. Wie können wir sie retten? Wie könnte es weitergehen?


Ratschiller spricht auch weitere aktuelle Phänomene an, wie den allseits zitierten Burnout. Aber auch vergessene Jugendkulturen wie die Krocha von 2008 bleiben nicht verschont: Was ist aus denen eigentlich geworden? Sind die jetzt abgestellt als Christbaumverkäufer – „Bam, oida!“? Im zweiten Teil des Kabaretts ist ein kleiner Wirtshaustisch auf der Bühne aufgebaut, man kehrt ein in die „Alte Post“. Und weil Frontal-Predigen sowas von out ist, darf das Publikum Witze verlesen und darüber abstimmen, welche Pointen gut sind und welche nicht. Daumen hoch oder runter, so wie im alten Rom oder heute auf Facebook. Außerdem hat der Kabarettist endlich seine große Liebe gefunden: Anita, eine Schwedin.


Feinsinnige Beobachtungen
Ratschiller arbeitet bei den Radiosendern FM4 und Ö1. Bei ersterem ist er bekannter als FM4-Ombudsmann, wo er seit 2006 die Fragen der Hörerschaft in allen Lebensbereichen beantwortet. Der FM4-Ombudsmann ist nach wie vor ein beliebter Podcast. Weiters ist er Co-Autor der wöchentlichen Satiresendung „Welt Ahoi!“ auf Ö1. Während bereits das Debütprogramm des Satirikers „Liebe Krise 2.0 “ sehr unterhaltsam und treffend war, wirkt „Das gehört nicht hierher“ noch ausgereifter und weiß mit zahlreichen feinsinnigen Beobachtungen der Gesellschaft zu unterhalten, aber auch nachdenklich zu stimmen. Zudem wirkt das Programm intellektueller als manch anderer Hau-drauf-Schmäh, den man von diversen anderen Witzemachern kennt. Das Programm hatte im November in Wien Premiere und ist unter anderem am 4. März in Wien (Kabarett Niedermair) und am 8. März in Klagenfurt (Kabarena) zu sehen.


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