26. Jänner 2012 | Kultur

Mama Makeba

 
(c) thimfilm.at, foto: Jürgen Schadeberg
Eine Dokumentation über Apartheidgegnerin Miriam Makeba
mokant.at collage > (c) thimfilm.at, wedding miriam makeba & stokely carmichael 1968 (c) lohnson publishing company
Miriam Makeba als Künstlerin, Aktivistin, Mutter – und als Mensch

Filmriss Pro und Contra: „Mama Africa“, Dokumentarfilm, FIN/USA, 2011

 

Afrikas Mutter – so kann Miriam Makeba bestimmt und ohne Umschweife genannt werden

Die 1932 in Johannesburg geborene Zenzile Makeba Qgwashu Nguvama Yiketheli Nxgowa Bantana Balomzi Xa Ufun Ubajabulisa Ubaphekeli Mbiza Yotshwala Sithi Xa Saku Qgiba Ukutja Sithathe Izitsha Sizi Khabe Singama Lawu Singama Qgwashu Singama Nqamla Nqgithi (ja, das ist ihr richtiger Name; Anm. der Redaktion) entdeckte bereits im frühen Jugendalter ihre Begeisterung und Begabung für die Musik und gelangte nicht nur in Afrika, sondern vor allem auch in Amerika zu großem Ruhm. Ihre Musik brachte sie in die ganze Welt, teils jedoch auf unfreiwilliger Basis. Wegen ihrer Mitwirkung in „Come Back, Africa" 1959 bekam sie ein Einreiseverbot nach Südafrika von über drei Jahrzehnten auferlegt, das erst nach Nelson Mandelas Freilassung 1990 seine Gültigkeit verlor. Sie setzte sich Zeit ihres Lebens für ihr Land, ihre Kultur und ihre Mitmenschen ein – konzertant wie auch politisch – und strahlte trotz einiger Schicksalsschläge des Lebens stets eine immense Freude und Energie aus.

 

Pro ohne Contra:

Mika Kaurismäkis Film über Miriam Makeba ist eine rundum gelungene Dokumentation über diese außergewöhnliche Sängerin. Er und sein Team haben es geschafft, Wegbegleiter vor die Kamera zu holen, die ein abgerundetes und stimmiges Bild von Miriam Makeba liefern. Gleich zu Beginn wird der Zuseher durch einen kurzen Mitschnitt eines Live-Konzerts in die Atmosphäre gerissen und von Mama Afrikas positiver Ausstrahlung angesteckt. Es herrscht eine ausgewogene Abwechslung zwischen Einspielungen von Interviews, Archivaufnahmen und Konzertübertragungen, die den Film keine Minute langweilig werden lassen. Der Finne Kaurismäki sagte selbst, er wäre von Miriam Makebas Musik und Wirken in den 60er Jahren sehr begeistert gewesen und das ist in dieser Dokumentation auf Schritt und Tritt zu spüren. Nicht umsonst gewann er den 2. Publikumspreis im „Panorama" der Berlinale 2011.

 

Makebas langjährige Freundin und Gesangskollegin Abigail Kubeka führt das Filmteam und damit die Zuseher in ihre Kinder- und Jugendjahre zurück, während Hugh Masekela mit Schlapphütchen in Erinnerungen an seine schöne Ex-Frau schwelgt. Die ehemaligen Bandmitglieder Leopoldo Fleming und Bill Salter, die Miriam Makeba auf ihren Konzerten begleiteten, erinnern sich an unzählige denkwürdige Auftritte, doch den letzen Schliff verleihen der Dokumentation die Enkel Nelson Lumumba Lee und Zenzile Monique Lee, die von Familientraditionen, Höhen und Tiefen und von der Mutter, Großmutter und Aktivistin Miriam Makeba sprechen. Die Geschichte um das Einreiseverbot in ihr Heimatland und die dem zu Grunde liegende weiße Apartheid zog sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Sie kämpfte für Freiheit und Gleichheit in ihrem Land aus der Ferne und beobachtete jede Veränderung genau, was zu einem wichtigen Thema des Films wird. Ihr Leitspruch war stets „I don't sing politics, I sing the truth".

 

Mit dem Ende schließt sich in gewisser Weise der Kreis, da hier junge afrikanische Künstler gezeigt werden, die von Miriam Makebas Musik und Philosophie beeinflusst sind und sie somit weitertragen. Durch Makebas Tod 2008 haben sich die Dreharbeiten drastisch verändert, da sie ursprünglich persönlich in die Dokumentation mit einbezogen gewesen wäre. Doch die sozusagen verbliebenen Wegbegleiter zeichnen post mortem ein so schönes und intensives Porträt von ihr, dass es schwerfällt, nicht mit einem lachenden und einem weinenden Auge das Kino zu verlassen. Auf jeden Fall ist Kaurismäkis Film eine aufschlussreiche, spannende und emotionale Dokumentation über eine großartige Sängern, die die Welt nicht nur verändert wollte, sondern sie auch verändert hat.

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© Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. / Bildagentur Zolles; Fotograf: Markus Wache
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Mika Kaurismäkis
Mama Afrika im Filmriss
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