Political Correctness ist tanzbar
Im Dezember fand die erste Ausgabe der Veranstaltungsreihe KUNSTtransPORT statt
Die im Dezember 2011 von einem jungen Studentenpärchen ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe KUNSTtransPORT ging nun in den Räumlichkeiten des Szenario Theaters in Hall in Tirol in die erste Runde. Sie soll jungen kreativen Köpfen eine Projektions- und Diskussionsfläche bieten und der „kulturellen Nahversorgung“ dienen. Das Programm ist dabei äußerst vielseitig: Gleich am Eingang empfängt den Besucher eine Videoperformance, ausgestrahlt auf sechs Fernsehern. Am Gang zum Hauptraum hängen Fotos, zu thematischen Gruppen sortiert. Im Hauptraum findet sich eine Leinwand, die den Raum gewissermaßen teilt. Sie soll als partizipatorischer Raum genutzt werden, beispielsweise könnten darauf Schattenbilder entstehen, die anschließend fotografiert werden, erklärt Johanna, eine der beiden Initiatoren von KUNSTtransPORT.
Neuer Kunstraum
Eine kleine Schachtel aus Karton, befestigt am Brunnen, mitten in der Altstadt von Hall in Tirol. Die Schachtel ist besprüht, „KUNSTtransPORT" steht darauf. Es ist dunkel, aber im Inneren der Schachtel leuchtet es. Man kann durch eine Öffnung einen Blick ins Innere wagen oder seine Hand hineinschieben.
Die 23-jährige Studentin Johanna und ihr Freund Johannes haben die Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Ihr Anliegen ist es, in Tirol Raum für künstlerische Kreation und Austausch verschiedenster ART (im doppelten Wortsinn) zu schaffen. Theater trifft auf elektronische Musik, Film auf Text, Smalltalk auf Poesie. So auch am Abend des 3. Dezembers, für den sich die beiden viel vorgenommen haben. Es gibt eine Theater- und eine Literaturperformance, die Bar ist mit Bildern auf Leinwand geschmückt und zu später Stunde sorgen einige DJs für Tanzstimmung.
Vielseitig und werbefrei
Johanna und Johannes wollen mit KUNSTtransPORT auf ein aktives, interessiertes und heterogenes Publikum eingehen, das Kunst vielseitig und abseits von einschränkenden Räumlichkeiten wie Museen, Galerien oder Clubs erleben möchte. Dabei erichten die beiden eine „werbefreie Zone“: Sie verzichten gänzlich auf Sponsorengelder und –material, was den Fokus auf die ausgestellte und dargebotene Kunst legt.
In den Kinderschuhen
Vierteljährlich soll KUNSTtransPORT in Zukunft stattfinden, wenn möglich auch in wechselnden Locations. Die erste „Ladung" des Transports machte einen sehr ambitionierten Eindruck, aber man merkte ihr genauso an, dass sie noch in den Kinderschuhen steckt. Die vom Organisatorenteam speziell gewünschte Undefinierbarkeit zwischen Ausstellung und Party stellt sich noch als problematisch dar, weder das eine noch das andere wollte so richtig in die Gänge kommen. Ein wenig schade war es auch um die „Klolesung“, für die die zumindest in Tirol durch ihre Lesebühne „Text ohne Reiter“ bekannten Jungautoren Martin Fritz und Stefan Abermann Texte auf Band gesprochen hatten, die anschließend auf der Toilette des Szenario abgespielt wurden. Eine an sich tolle Idee – doch leider war das Gelesene akustisch kaum verständlich, und um einigermaßen den Inhalt verstehen zu können, musste man schon ziemlich lange am Lokus sitzen bleiben. So blieb eher der Eindruck einer Durchsage am Bahnhof, die man zwar wahrnimmt, aber bei der man nur bedingt hinhört.
Eine kleine „Starthilfe“ hat die Veranstaltungsreihe also noch nötig, doch KUNSTtransPORT trumpft mit einigen witzigen, frischen Ideen auf und versucht, Kunst aus alteingesessenen Diskursen zu lösen und in einen neuen Kontext einzubetten – das kann Johanna und Johannes nicht hoch genug angerechnet werden!




























