Ein Lustspiel im Frauenbad
Derzeit zeigt das Arnulf Rainer-Museum neue Werke von Arnulf Rainer und Georg Baselitz
„Die Ausstellung ist eine Sehübung“, sagte Kurator Rudi Fuchs anlässlich der Eröffnung des Gemeinschaftsprojekts „Lustspiel“ von Arnulf Rainer und Georg Baselitz. Und wenn Besucher das kleine, aber feine Arnulf Rainer-Museum in Baden betreten, wissen sie auch sofort, was er damit meinte. Im ehemaligen Frauenbad eingebettet, sind die Ausstellungen in diesem Haus ein Gesamtkunstwerk, das Geschichte, Architektur und die aktuell ausgestellten Werke einschließt. Rainer selbst spricht vom „Appartement“, das man mit passender Kunst einrichten müsse. Die Arbeit vergleicht er mit einem Brunnen – in eben diesem Bad angesiedelt, sind stets nur neue Sachen zu sehen, die gerade frisch herausgesprudelt sind. Etwaige Bedenken, man würde als Besucher mit zu wenig Fachwissen fehl am Platze sein, werden von Rudi Fuchs gleich zu Beginn aus dem Weg geräumt. „Es gibt nur das zu sehen, was zu sehen ist“, meint er und erntet damit die Zustimmung der Künstler.
„Mir gefallen seine Bilder“
Die Bekanntschaft von Arnulf Rainer und Georg Baselitz reicht in die 1960er-Jahre zurück, als Georg Baselitz als ostdeutscher Student in Berlin, erstmals Werke des österreichischen und westlich-frei orientierten Künstlers Arnulf Rainer in der Galerie Springer sah. Schon dort setzte die Bewunderung für ihn ein und hält bis heute an, nicht nur wegen des bereits damals bewundernswert freien Gedankenguts, sondern auch seiner Kunst an sich wegen, die so viel Liebe und Intensität ausstrahlt. „Künstler lieben die Kunst, nur dürfen sie's nicht zeigen“, stellt er mit einem Schmunzeln fest.
Arnulf Rainer schätzt Baselitz als großen Künstler, der konsequent arbeitet und mit der Zeit viel freier und ungenierter geworden ist. Außerdem gefallen ihm seine Bilder einfach, worauf es in der bildenden Kunst im Grunde ja auch ankommen sollte.
Der Raum als Kunst, die Kunst im Raum
Die Ausstellung selbst hat keinen festen Parcours, in jedem der groß angelegten Räumen befinden sich gleichermaßen Werke von Baselitz wie auch von Rainer, ersterer ist mit sehr großformatigen Bildern, Rainer mit seinen etwas kleiner angelegten Neuheiten vertreten. Die Bilder sind in das alte Frauenbad auf interessante und teilweise auch erheiternde Art und Weise eingebunden, hängen etwa eine Arnulf-Rainer-Bilderserie zentral in den schön restaurierten Umkleidekabinen, oder Baselitz' Großformate beinahe flächendeckend über einem trockengelegten Badebecken. Inhaltlich ergänzen sich die beiden Künstler auch ziemlich. Durch Rainers Bilder zieht sich größtenteils das Motiv der Frau in Form von übermalten Fotografien von Damen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, aber auch energiegeladene abstraktere Werke finden ihren Platz. Parallel dazu sind die wuchtigen Werke von Baselitz ebenfalls durchwegs abstrakter Natur, teilweise jedoch mit figürlichen Aspekten, beispielsweise mit vier Frauenbeinen, wiederum passend zum Rahmen der Ausstellung.
Die Räume sind angenehm aufgebaut und ausgestattet, bewusst eingerichtet und nie überladen. Die Atmosphäre ist eigenartig, aber in sehr positivem Sinne, da Besucher die Thermalluft praktisch auf Schritt und Tritt noch spüren und die Kunst dadurch noch besser in sich aufnehmen können.
Die Ausstellung ist noch bis zum 16.04.2012 zu sehen.




























