Paris des nahen Ostens
Eine Ausstellung in der Kunsthalle zeigt Beirut als „Metropole im Wandel der Zeit“
Nach Detroit ist Beirut die zweite Ausstellung der Städtereihe „Metropolen im Wandel der Zeit“. Noch bis zum 24. August werden in der Kunsthalle im project space am Karlsplatz die verschiedenen gesellschaftlichen, kulturellen, sozialen und politischen Aspekte der Stadt auf eindrucksvolle weise dargestellt. Dabei stehen besonders Begriffe wie Freiheit und Selbstverwirklichung im Mittelpunkt des Interesses.
Sex und Tradition?
Das Thema der Sexualität ist ein sehr entscheidendes in dem christlich und islamisch geprägten Land. Die Jugend die zwischen Krieg und Wiederaufbau, Tradition und modernem Kapitalismus mit Sex umgeht, ist für die Zukunft von großer Bedeutung. Den älteren gefällt dies nur nicht so ganz und sehen das Land am Scheideweg. Wenn Mädchen und Junge Frauen schulterfrei, figurbetonend und mit Stöckelschuhen durchs Leben gehen, trifft das bei der Generation über 40 eher auf Ablehnung. Teils mit dezenter Wortwahl „Das gehört sich nicht“ oder in aggressiver Herabwürdigung „das sind alles Schlampen“.
Die Libanonkriege 1982 und 2006 und ihre Folgen stehen im Vordergrund der Ausstellung. Interviews mit Flüchtlingen und Soldaten geben einen ahnenden Einblick in die verzweifelte Lage der Menschen.
Die Gegenwartskünstler analysieren die Situation in der eigenen Stadt, im eigenen Land anthropologisch, historisch und auch (selbst-)ironisch, wobei sie sich von den westlichen KünstlerInnen sichtlich unterscheiden. Die persönliche, soziale sowie nationale Identität des Libanon ist gerade jetzt, durch die neu Gestaltung der arabischen Welt besonders aktuell.
Der Brunnen am östlichen Mittelmeer
Die libanesische Hauptstadt wird als „Spiegel der arabischen Welt“ bezeichnet. Zurecht. Sie ist nicht nur konfessionell und ethnisch die vielfältigste Stadt des nahen Ostens, sie blickt auch auf eine Geschichte zurück, die Mitte des 2. Jahrtausends vor Christus beginnt. Die antiken Phönizier nannten die Stadt Be'erot (dt. „Brunnen“). Die Stadt war einer der wichtigsten Stadtstaaten und ein unentbehrlicher Handelspunkt. Dennoch wurde dieser Handelspunkt, sowie ganz Libanon, gerade in jüngerer Zeit von Kriegen, Zerstörung, Emigration, Umstrukturierung und dem Wiederaufbau gezeichnet. Beirut ist bis heute sozialer, kultureller und ökonomischer Austragungsort gewaltiger Meinungsverschiedenheiten und Interessenskonflikte die weit zurück reichen.
Doch gerade aus dieser diversen und komplexen Dynamik entsteht ein einmaliger Reiz, den die KünstlerInnen als Inspiration zu verwenden wissen. Es werden kritische Reflexionen über die zerbrechliche Balance der verschiedenen Mächte gestellt.
Die Ausstellung ist noch bis zum 24. August zu sehen.
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