„Man bekommt sehr viel Kraft zurück“
Schauspieler Fritz Karl über Arbeit, die Oscarverleihung und Rastlosigkeit
Der LKW-Fahrer Don Pedro schmuggelt Flüchtlinge nach Europa: Erwin Wagenhofers „Black Brown White“ ist kein klassischer Roadmovie. Er erzählt mit leisen Zwischentönen, wie aus einem egozentrischen Fernfahrer ein empathischer Fluchthelfer wird. Es ist der 25. Jänner 2011. Fritz Karl, der in „Black Brown White“ den Don Pedro mimt, erscheint müde zum Interviewtermin. Als einer der meistgebuchten Schauspieler Österreichs bleibt ihm nicht viel Zeit, um durchzuatmen, oder die eben bekannt gewordenen Oscar-Nominierungen zu verfolgen. Preise zu gewinnen ist aber keines seiner Ziele, meint er. Ob sich die Arbeit an einem Film auszahlen wird, wisse man vorher sowieso nicht.
mokant.at: Haben Sie die Oscar-Nominierungen heute verfolgt?
Fritz Karl: Nein gar nicht! Ich bin von München heute weggeflogen und hatte dort gleich einmal den Schock, ob ich überhaupt hier herkomme, weil alles voll Schnee war. Dann bin ich hergeflogen und seitdem gebe ich ständig Interviews und habe mich überhaupt nicht informieren können. Aber ich glaube, es sind die üblichen Verdächtigen, die nominiert sind.
mokant.at: Ich habe Ihnen eine Liste mitgenommen.
Fritz Karl: (liest sie sich durch) Ah, genau. „Black Swan“, „The King's Speech“, das war klar. „Social Network“ ist meiner Meinung nach erstaunlich …
mokant.at: Warum?
Fritz Karl: Weil mir der Film überhaupt nicht gefallen hat. Ich fand den nicht gut.
mokant.at: Wenn ich Ihnen sage, dass Sie ein bisschen wie Colin Firth (Hauptdarsteller von „The King's Speech“, Anmerkung der Redaktion) aussehen, freut Sie das?
Fritz Karl: Achso? Ich weiß nicht (lacht und liest weiter) Natalie Portman ist echt ein Wahnsinn in „Black Swan“, obwohl ich es Annette Benning einmal wünschen würde, weil sie so oft nominiert war und ihn nie bekommen hat. „Social Network“ … er hat das sehr gut gespielt, aber mir hat der Film nicht gefallen. Wir hoffen jetzt natürlich alle auf Colin Firth. (lacht)
mokant.at: Sind Sie neidisch auf einen Christoph Waltz, der in Hollywood so erfolgreich ist?
Fritz Karl: Überhaupt nicht. Christoph ist ein Freund von mir, ich habe mich total für ihn gefreut. Er ist ein Schauspieler, der immer wieder für Dinge kämpft und es hier nicht leicht gehabt hat, weil er einfach eine Haltung hat. Umso mehr habe ich mich für ihn gefreut – er hat ja richtig abgeräumt. Es ist immer gut, wenn solche Sachen passieren, weil sie uns allen helfen.
mokant.at: Steht der Oscar auf Ihrer Wunschliste fürs Leben?
Fritz Karl: Das kann man nicht sagen, dass ich mir das vornehme. Das würde bedeuten, dass man eine generalstabsmäßige Planung macht. Das beste Beispiel ist Christoph – da kenne ich andere Kollegen, die sich viel mehr darum bemüht hätten, dahin zu kommen.
mokant.at: Sie spielen die Hauptrolle in „Black Brown White“. Es ist Erwin Wagenhofers erster Spielfilm, davor hat er Dokumentationen gedreht – merkt man bei der Zusammenarbeit mit ihm, dass die Herangehensweise eine andere ist?
Fritz Karl: Nein, die Vorbereitung ist vielleicht eine andere. Er recherchiert unheimlich akribisch und bereitet ebenso akribisch vor. Das ist ein unglaublicher Vorteil, mit jemandem zusammen zu arbeiten, der so viel Wissen mitbringt.
Fritz Karl: Das weiß man nie. Es hat sich so ergeben, dass mich Erwin sehr früh angesprochen hat und man hat sich dann immer wieder getroffen, fast ein Jahr vorher, und hat über die Locations geredet und ich musste den Lastwagenführerschein machen. Man nimmt eine Rolle an, sieht, was man dafür tun muss, sie sich erarbeiten muss. Ich liebe diesen Beruf, von daher ist das auch nicht wasted time oder so, dass man sagt „wird sich das denn auszahlen?“. Wie soll es sich denn auszahlen? Indem man einen Preis bekommt? Nein, man versucht einen guten Film zu machen, eine Figur zu kreieren, das ist meine Arbeit. Ich glaube es ist eine falsche Herangehensweise, sich zu fragen, ob es sich auszahlen wird, Energie zu verwenden. Es ist einfach Teil meiner Arbeit. Und man bekommt für diese Arbeit ja auch sehr viel geschenkt, ich lerne tolle Menschen kennen, ich mache neue Erfahrungen.
mokant.at: Muss man für diesen Beruf rastlos sein? Sie machen ja sehr viele Filmprojekte.
Fritz Karl: Ich glaube da gibt es echt ein falsches Verständnis von Arbeit. Ich kenne Menschen, die wesentlich mehr arbeiten als ich, zum Beispiel in der Gastronomie, in einer Fabrik. Ich mache eine Arbeit, die mir Spaß macht, ich verbringe mit Arbeit die meiste Lebenszeit. Man sollte es nicht so sehen, dass man sich denkt Ich geh arbeiten, damit ich dann ein Wochenende frei habe und mir den Urlaub leisten kann. Sondern Arbeit soll Spaß machen und einen fordern und interessieren. Wenn man etwas macht, das einem Spaß macht, bekommt man auch sehr viel Kraft zurück. Es ist ja aufregend, es ist meine Leidenschaft, meine Passion.
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Interview führte




























