28. Februar 2011 | Kultur

„Von Schnitzelwirt zu Schnitzelwirt fressen“

blackbrownwhite.com
„Ein Verbrechen, wie diese Welt funktioniert“ meint Fritz Karl

Fritz Karl über die Vorbereitung auf eine Rolle und Fans in der Sauna

 

mokant.at: Wie haben Sie sich auf die Rolle des Don Pedro vorbereitet?
Fritz Karl: Ich habe mir überlegt: Was ist ein Lastwagenfahrer, wie schaut ein Lastwagenfahrer aus? Ich habe mir bei Autoraststationen die Leute angeschaut, und da gibt es sehr unterschiedliche Menschen. Es gibt Leute, die lesen Bücher, lesen Zeitung, es gibt dicke, die sich von Schnitzelwirt zu Schnitzelwirt fressen. Diese Figur kommt aus einer Ärztefamilie, ist sehr früh von zu Hause weg und Lastwagenfahrer geworden, um diese Dinge hinter sich zu lassen und on the road zu sein, um sich nicht zu konfrontieren. Das ist ja kein dummer Mensch oder so. Es ist jemand, der sich seine Moral aufbaut, er fragt sich, Ist das ein Verbrechen, was ich mache? Dabei ist es ein Verbrechen, wie diese Welt funktioniert, dass man sowas machen muss. Diese Figur ist voll mit Brüchen, es ist einfach keine einfache Figur. Ich drehe fast nur Figuren, die etwas Gebrochenes haben.

 

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mokant.at: Sie haben in einem Interview gesagt, dass der Hund bei den Dreharbeiten so furchtbar war …
Fritz Karl: Dieser Hund konnte nichts! Ich hab immer behauptet, dass der Hundetrainer diesen Hund in Marokko auf der Straße aufgelesen haben muss. Er hat zwar behauptet, dass er trainiert sei, aber Fakt war, dass er nichts konnte. Er konnte nicht einmal „Sitz“, der hat uns echt einen Tag gekostet. So ein Viech ist mir noch nie untergekommen. Und er hat gehaart.

mokant.at: Sind Sie kein Tierfan?
Fritz Karl: Ich hab nichts gegen Tiere. Aber wenn es Abmachungen gibt, wenn wir sagen, wir drehen mit diesem Hund und der muss ein bisschen was können, aber der dann nichts kann, kann der Hund nichts dafür, sondern dann ist der Hundetrainer der Arsch.

 

mokant.at: Und die Arbeit mit einem Kind?
Fritz Karl: Es ist schwierig, es kommt darauf an, in welchem Alter das Kind ist, und Theo war sehr jung. Das ist ein schwieriges Alter für ein Kind, weil es nur sehr kurze Zeit konzentriert und sehr schnell abgelenkt ist. Das ist dann aber eine Sache, auf die man sich einstellen muss. Das löst man technisch, mit der Kamera und dem Schnitt. Man kann von einem Kind mit vier, fünf Jahren nicht erwarten, dass es eine Szene durchspielt.

 

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mokant.at: Wenn man von Ihnen eine Biographie liest, steht immer als erstes, dass Sie bei den Wiener Sängerknaben waren. Hat Sie diese Zeit denn so stark geprägt?
Fritz Karl: Ich glaube das hat eher was mit Österreich zu tun. Ich glaube, dass das drinsteht, weil die Leute das gerne immer wieder schreiben und hören. Aber Fakt ist, dass dieser Beruf, den ich mache, sicher seine Wurzeln dort hat. Man bekommt eine Idee, was es heißt, auf der Bühne zu stehen, welche Kraft das hat, was ein Zuschauerraum ist, dafür bekommt man ein Gefühl.

mokant.at: Werden Sie auf der Straße erkannt?
Fritz Karl: Ja.

mokant.at: Stört das?
Fritz Karl: Manchmal ist es vielleicht nicht so angenehm, aber es stört nicht, es ist ein Produkt meines Berufes. Man ist in der Öffentlichkeit. In gewissen Situationen ist es unangenehm, in der Sauna um eine Unterschrift gebeten zu werden, find ich eher blöd.

 

mokant.at: Ist das passiert?
Fritz Karl: Ja.

mokant.at: Sie haben auf Facebook eine Fanpage …
Fritz Karl: (erstaunt) Echt wahr?

 

 

 

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mokant.at: Ja, mit 130 Fans.
Fritz Karl: Oh Gott, 130!

mokant.at: Verfolgen Sie das gar nicht?
Fritz Karl: Nein, das habe ich nicht gewusst. Wirklich wahr? Da müsste ich mich ja fast einmal melden, oder? Und mit denen in Kontakt treten? Die würden sich sicher freuen.

mokant.at: Sie drehen momentan einen Film namens „Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“ – können Sie dazu etwas sagen?
Fritz Karl: Das ist ein Kinderfilm, ich spiele mit Jessica Schwarz ein Ehepaar und wir haben ein gemeinsames Kind, und der rettet mit seiner Freundin den letzten echten Weihnachtsmann.

mokant.at: Jetzt eine Komödie und danach wieder etwas Ernstes?
Fritz Karl: Das ist gar keine Komödie, es ist eher „Family Entertainment“. Und jetzt mache ich Pause, weil ich letztes Jahr gut gearbeitet habe und freu mich total, dass ich momentan keine Drehbücher lese, sondern Romane und Literatur. Ich geh Schifahren und verbringe Zeit mit meiner Familie und beginne vermutlich im Mai wieder zu drehen. Das wird dann auch keine Komödie.

 

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„Man bekommt sehr viel Kraft zurück“


Link dazu ...
Homepage von „Black Brown White“

Interview führte


Fotos: blackbrownwhite.com

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