Am 9. Juni öffnete die dreizehnte Documenta ihre Türen. Seit 1955 findet die Ausstellung alle vier bis fünf Jahre statt - diesmal unter der Leitung von Carolyn Christov-Bakargiev. Wer noch Lust hat hinzugehen, kann das bis zum 16. September tun.
Das Fredericianum und der Friedrichsplatz sind auch dieses Jahr der Mittelpunkt des Geschehens, zu dem viele Touristen ins deutsche Kassel strömen. Zeitgenössische Kunst findet sich aber auch an vielen anderen Orten der Stadt.
Diese Zelte sind keine günstige Übernachtungsmöglichkeit, sondern gehören zum Occupy Project. Es gibt ein Schild mit Forderungen wie dem Zusammenbruch des Establishments, aber offiziell handelt es sich nicht um zugelassene Künstler.
Im Erdgeschoss des Fredericianums gab es nicht viel zu sehen, aber zu spüren. Ryan Gander erschuf eine leichte künstliche Brise, die durchaus Verwunderung erzeugte, da keine Fenster geöffnet waren.
Zwei scheinbar identische Steine: Guiseppe Penones „Essere fiume“ (1998) stellt zwei Steine dar, einer davon ist eine exakte Kopie des anderen Flusssteins aus Carrara-Marmor. Beide waren im sogenannten „Brain“ des Fredericianums hinter Glas zu bewundern.
Eines von vielen Dias auf einem Leuchttisch. Horacia Larran Barros dokumentiert so seit dreißig Jahren die Atacama-Wüste, einen der trockensten Orte der Welt. Eine Lösung für den drängenden Wassermangel könnte die Technik des Nebelfangens sein.
Dieses amorphe Gebilde stellt irgendetwas dar; man weiß nicht mehr was, denn es wurde im libanesischen Bürgerkrieg zerschmolzen. Es werden somit Leitpunkte der d13 deutlich: Konflikt, Trauma, Zerstörung, Zusammenbruch und Wiederaufbau.
Eine der Tonfiguren von Juana Marta Rodas und ihrer Tochter Julia Isidrez. Sie sind Keramikerinnen aus Paraguay und produzieren nach jahrtausendealten Traditionen, abgeschieden von jeglichem modernen Kunstkontext.
Anna Boghiguian beschreibt in „Unfinished Symphony“ (2012) die Komplexität der Sinne des menschlichen Körpers. Dieser Gang stellt wirre Gedankengänge dar und lädt zur Verwirrung ein.
Eine Wand ist voller gerahmter Briefe. Es handelt sich um ein Projekt von Amy Balkin. Sie ist Konzeptaktivistin und bat zusammen mit der d13 um Unterstützung der Länder zum Schutz der Atmosphäre. Die andere Wand zeigt die wenigen Antwortschreiben.
„Leaves of Grass“ (2012) ist eine riesige Collage von Geoffrey Farmer. Er hat aus den Ausgaben des Life Magazine der Jahre 1935-1985 hunderte Schattenspielpuppen gebastelt. Damit stellt er die Fotos in einen völlig neuen Kontext.
Plüschesel in einer Glasvitrine mit Namen wie Rosa Luxemburg und Paul Celan sind in der Neuen Galerie zu sehen. Sanja Ivekovic bezieht sich auf ein Foto aus 1933; es zeigt einen eingezäunten (faulen) Esel, der vom Einkauf bei Juden abschrecken soll.
Claire Pentecost erschuf mit dieser gepressten Erde in Barrenform auf goldenem Untergrund ein neues Wertesystem. „Soli-erg“(2012) möchte eine nachhaltige Alternative zum Petrodollar erschaffen.
In der Orangerie ist sogar Konrad Zuse zu finden. Er schuf neben der ersten programmierbaren Maschine, deren Funktionsprinzip der binäre Umschaltmechanismus ist, auch Zeichnungen und Linolschnitte.
Ein kleines Highlight gibt es im Hauptbahnhof von Kassel in Form einer audiovisuellen Walkingperformance von Janet Cardiff und George Bures Miller. Für den „Alter Bahnhof Video Walk“ gibt es einen iPod und Kopfhörer und schon kann es losgehen.
István Csákánys detailgetreue Holz-Nachbildung einer Nähmaschinenwerkstatt. „The Sewing Room“ lässt die Zeit stillstehen und erinnert damit an das verschollene Bernsteinzimmer.
Rabih Moroué behandelt vor allem den libanesischen Bürgerkrieg. Für die d13 kreierte er Daumenkinos aus Handyvideos von der syrischen Revolution. Wer sie sehen will, macht sich die Hände mit blauer Tinte schmutzig.
Abul Qasem Foushanji beschäftigt sich mit der dunkleren Seit der menschlichen Natur. Seine beschriebene Fliesenwand steht im ehemaligen Elisabeth-Krankenhaus - dem Ausstellungsort für afghanische Künstler.
Im Karlsaue Park gibt es viel zu entdecken. Um das große Areal zu bewältigen, eignet sich am besten ein Fahrrad, das man auch bequem ausleihen kann. Im Hintergrund eine kleine Hütte von Fiona Hall.
Fabio Mauri weist mit diesem filmischen Titeln auf einen wichtigen Punkt hin: Es gibt bei der d13 viel zu sehen und noch mehr zu erleben. Weil die Zeit aber begrenzt ist, muss auch mal Schluss sein, oder eine Pause gemacht werden.