Kirchenvolksbegehren: Stimmenfang mit Nudelsieb und Unterhose

mokant.at> foto: Raimund Appel

Ab 15. April kann man das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien unterschreiben

Sie versteigern Unterhosen prominenter Kirchenvertreter und tragen ein Nudelsieb als Kopfbedeckung: Die Initiatoren des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien lassen keine Provokation aus, um sich immer wieder medial zu inszenieren. Heute beginnt die Eintragungsfrist für das Volksbegehren, das sich gegen die Sonderstellung der katholischen Kirche in Österreich wendet. Um nur einige Kirchenprivilegien zu nennen: Steuerbefreiung von Grund- bis Körperschaftssteuer, Immunität gegenüber Justiz und Strafverfolgungsbehörden und Zugriff auf amtliche Daten. Getragen wird die Initiative vom Personenkomitee „Kein Staat im Staat“, dem sich zahlreiche Prominente wie Dirk Stermann oder der Comedian Gunkl Paal angeschlossen haben.

Die Causa Groer
Die Causa Groer (der ehemalige Kardinal Hans Hermann Groer wurde des Kindesmissbrauchs verdächtigt, Anmerkung der Redaktion) erschütterte 1995 die katholische Kirche in Österreich und führte zu einer massiven Austrittswelle. Weitere Missbrauchsfälle wurden in den letzten Jahren medial bekannt. Sie waren laut Sepp Rothwangel, Mitinitiator des Begehrens, für viele Menschen ausschlaggebend für die Unterzeichnung der bereits gesammelten Unterstützungserklärungen. Rothwangel, selbst Betroffener kirchlicher Gewalt, ist mit der Aufklärungsarbeit der kirchlichen Missbrauchsfälle durch die Klasnic-Kommission unzufrieden: „Sie dient in erster Linie der Kirche als Zugdeckmantel der Fälle von sexueller Misshandlung und Machtmissbrauch und ist absolut nicht unabhängig.“

Privilegien über Privilegien
Was der breiten Öffentlichkeit jedoch weniger bekannt ist als die medial präsenten Missbrauchsfälle, sind die zahlreichen zusätzlichen Privilegien, die die Kirche hierzulande genießt. Ihre Sonderstellung hat sich die Kirche zur Zeit des Austrofaschismus‘ durch Sondergesetze gesichert; die einzelnen Privilegien sind im sogenannten Konkordat festgehalten. Das ist ein spezieller Vertrag zwischen Österreich und dem Vatikan, der der Kirche in Österreich eine privilegierte öffentlich-rechtliche zuerkennt.

So ist der ORF beispielsweise verpflichtet über religiöse Inhalte zu berichten, Religionslehrer werden vom Staat bezahlt, Priester sind vom Wehrdienst befreit und auch die Erhaltung katholischer Privatschulen erfolgt überwiegend aus Steuergeldern. Sogar Land grabbing wird der Kirche auf der Homepage des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien vorgeworfen. In Niederösterreich treibe die Kirche die Grundstückspreise für Ackerland in die Höhe und kaufe dann Land auf, für das es von der EU zum Teil enorme Agrarförderungen gebe, erzählt Rothwangel.

Pastafaris Nudelsieb
Sepp Rothwangel steht mit seinen Ansichten zur Kirche nicht alleine da und fand in Medienmacher Niko Alm einen Partner. Der ausgebildete Publizist ist seit seinem Engagement für „Kein Staat im Staat“ medial stark präsent und lässt kaum eine Provokation aus. So hat er sich die Domain www.satan.at zugelegt und leitet von dieser Adresse direkt auf die offizielle Homepage der römisch-katholischen Kirche in Österreich weiter. Der Unternehmer ist für sein Engagement mittlerweile sogar international bekannt.

Alms berühmtester Streich: Der Vorsitzende des Zentralrates der Konfessionsfreien und Gründer der Laizismus-Initiative (Laizismus ist die Trennung von Staat und Kirche, Anmerkung der Redaktion) erschien mit einem Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung bei der Führerscheinbehörde. Er gab sich als Anhänger der Glaubensgemeinschaft der Pastafari (Pastaliebhaber) aus. Längere Diskussionen und sogar eine amtsärztliche Bestätigung für seine psychische Gesundheit waren notwendig, doch Alm erhielt letztendlich sein Führerscheinfoto mit Nudelsieb am Kopf.

Heilige Unterhosen auf Ebay
Auch Sepp Rothwangl steht seinem Kollegen in Sachen Aktionismus um nichts nach. Der Autor und Forstwirt verbat im eigenen Wald etwa das Pilgern und stellte zu diesem Zwecke selbst entworfene Pilgerverbotstafeln auf. Diese zeigen einen Geistlichen, der Kindern nachstellt. Für viele Gläubige ein Affront, war doch Rothwangels Wald ein gut besuchter Teil des Jakobsweges.

Mit einer weiteren Provokation machte ein anonymer User der Rothwangel-Gruppierung betroffen.at im Internet auf die Situation der kirchlichen Missbrauchsopfer aufmerksam. Er versteigerte die gebrauchte Unterhose des in Verruf geratenen Kardinals Groer auf Ebay. Diese sei ihm angeblich vom mittlerweile verstorbenen Geistlichen selbst geschenkt worden. Eine Reliquie, wie auf Ebay versichert wurde, da die Gruppe betroffen.at mit einer baldigen Seligsprechung Groers rechnet.

Die damit ersteigerten fünfzehn US-Dollar kamen den Missbrauchsopfern zugute. Rothwangel ist selbst Betroffener kirchlicher Gewalt und möchte mit derartigen „Medienereignissen“, wie er sie nennt, auf „die peinlichen Vertuschungen und Lügen“ der Kirche aufmerksam machen. Sein Ziel ist es, dass sich Missbrauchsopfer in Zukunft vor Ende der Verjährungsfrist melden und die Strafverfolgung nicht der Kirche selbst überlassen wird.

Auch Josef Ratzinger hat unterschrieben
Nach 8.683 unterzeichneten Unterstützungserklärungen darf man nun auf den Erfolg des medial und von Promiseite gehypten Volksbegehrens gespannt sein. Es kann von heute bis 22. April auf jedem Gemeindeamt unterschrieben werden. Der berühmteste Unterzeichner ist übrigens Josef Ratzinger. Dem niederösterreichischen Lokführer und Namensvetter des ehemaligen Papstes Benedikt XVI. war es, glaubt man der Homepage der Initiative, ein besonderes Anliegen seine Unterstützung zu bekunden.

Passend dazu: Niko Alm – der Lugner des Kirchenvolksbegehrens

Titelbild: mokant.at> foto: Raimund Appel

Manuela Griessbach ist als Leiterin des Ressorts Gesellschaft für mokant.at tätig. Kontakt: manuela.griessbach[at]mokant.at

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