09. Dezember 2011 | Gesellschaft

Bildung anderswo

 
wikipedia/Metropolitan School
„Mamlachti“ oder „High School“: Schule in anderen Ländern
mokant.at collage > foto: Matan Shenhav, wikipedia/User:Avi1111wikipedia/Scientist-100, Lisa Weise, flickr.com/austinevan, wikipedia/Albertoch90, Rudorowasha McGrath, wikipedia/Pilise Gábor, flickr.com/ velkr0
Matan, Lisa und Rudo kennen kulturelle Bildungs-Unterschiede

Das Bildungssystem und das Verständnis von Bildung unterscheiden sich von Land zu Land 

 

Matan, Lisa und Rudorowasha haben eines gemeinsam, alle drei haben eine multikulturelle Bildungskarriere hinter sich. Zusammen haben sie das Bildungssystem in Israel, den Niederlanden, Schweden, Deutschland, den USA, Irland und Österreich kennengelernt. Worin liegen die Unterschiede und Besonderheiten der jeweiligen Bildungssysteme? Und was ist das erste, was den Dreien zum Begriff „Bildung“ einfällt?

 

Israel

„Erforschen, Unterhaltung, formend, einmischend, verwirrend.“ Das sind die ersten fünf Schlagworte, die Matan Shenav einfallen. Der 25-jährige Matan wuchs bis zu seinem zwölften Lebensjahr in Israel auf. Dort besitzt Bildung einen sehr hohen Stellenwert. Ziel der Politik ist es, den Bürgern eine hohe Bildung angedeihen zu lassen. Das Bildungssystem hat sich seit der Staatsgründung 1948 vor allem unter dem Blickwinkel der Multikulturalität der Bevölkerung entwickelt und ist entsprechend differenziert: Hier kann sich ein Schulanfänger zwischen staatlichen „Mamlachti“, staatlich-religiösen, privaten und arabischen Schulen entscheiden. 

 

Grundsätzlich besteht in Israel Schulpflicht von fünf bis sechzehn Jahren, das israelische Schulsystem teilt sich, ähnlich wie in Österreich, in drei Stufen: Primärstufe, Sekundärstufe und die Oberstufe – danach geht's ab auf eine der acht Universitäten.

 

Niederlande

Mit zwölf Jahren zog Matan mit seiner Familie aus Israel in die Niederlande. Im Vordergrund des niederländischen Bildungssystems steht die individuelle Betreuung und Förderung der Schüler. Dieser Ansatz ist in der Geschichte begründet. Immer wieder kam es in den letzten Jahrhunderten zum Kampf um ein liberaleres Schulsystem. 1848 wurde dafür ein Gesetz im Staatsvertrag verankert, das die Freiheit des Unterrichts garantieren sollte. Über die Methoden des Unterrichts darf daher jede Schule selbst entscheiden. Dieses Konzept scheint erfolgreich zu sein: In den PISA-Rankings der OECD liegen die Niederlande immer weit vorne.

 

Da sich die Schulen vor allem nach den jeweiligen Bedürfnissen der Schüler ausrichten, ist das Bildungssystem viel mehr gegliedert, als in Österreich. Grundsätzlich wird aber zunächst die „Basisschool“ und danach eine der drei weiterführenden Schulen absolviert. Danach können sich die Niederländer zwischen 42 Universitäten entscheiden.

 

Deutschland und USA

Die 21-jährige Lisa Weise hat ebenso wie Matan schon Erfahrung mit unterschiedlichen Bildungskonzepten. „Interkulturelle Bildung, private vs. staatliche Bildung, Finanzierung, Schulreform, BA/MA Frustration“, das sind die ersten fünf Begriffe, die Lisa zu „Bildung“ einfallen. Lisa stammt ursprünglich aus München, wo sie auch die Schule besuchte. Während ihrer Schulzeit verbrachte sie ein Jahr in North Carolina und konnte dort die typische amerikanische High School kennen lernen.

 

Während in Deutschland die Schulbildung auf dem Ideal eines möglichst breiten Allgemeinwissens basiert, ist das High-School-System in den USA individualisierter. Hier gibt es einige Pflichtkurse, ansonsten kann zwischen Wahlfächern gewählt werden. Die Klassen werden jährlich neu zusammengesetzt und der Unterricht dauert meistens bis zum Nachmittag. Danach werden viele unterschiedliche Sport- und Freizeitaktivitäten angeboten. In den USA steht Lisas Erfahrung nach vor allem die Förderung der Gemeinschaft im Vordergrund: „An amerikanischen Schulen werden die Stärken, vor allem die sportlichen Leistungen, aber auch das Miteinander durch Motivation gefördert.“ Dieser Aspekt steht im deutschen System eher im Hintergrund. „Allerdings ist in Deutschland der Wissenserwerb größer“, so Lisa.

 

Irland

„Privileg, einseitig, essentiell, interessant und überbewertet“, so sieht die 25-jährige Rudorowasha McGrath Bildung. Rudorowasha stammt aus Irland und studiert heute in Salzburg im Masterlehrgang Kommunikationswissenschaften. Für sie besteht einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Irland und Österreich in der irischen Uniformpflicht. „Zwar werden die von den Schülern oft als lästig empfunden, ich denke aber, dass die Schuluniform vor allem im Bezug auf einen "Gleichheitsgedanken" nur Vorteile bietet“, so Rudo.

 

In Irland führten langfristige Investitionen in den Bildungssektor zu einer der höchsten Bildungsbeteiligungsrate weltweit. Über 80 Prozent der irischen Schüler absolvieren erfolgreich eine höhere Schule, 60 Prozent besuchen dann eine Universität oder andere weiterbildende Kurse. Die irischen Bildungseinrichtungen sind kostenfrei – auch die Colleges verlangen keine Gebühren. Um studieren zu können muss für jeden Studiengang eine bestimmte Punkteanzahl im jeweiligen Schulfach vorgewiesen werden, die durch die Leaving-Certificate-Prüfung erfasst wird. „Da es im letzten Schuljahr in verschiedenen Fächern nur diese eine Leaving-Certificate-Prüfung gibt, die darüber entscheidet was man letztendlich studieren kann, ist der Druck auf die Schüler sehr hoch“, erzählt Rudorowasha. Und sie fügt hinzu: „In Österreich gibt es wesentlich mehr Möglichkeiten für junge Menschen, einen Studiengang zu wählen oder einen Hochschulabschluss zu erhalten.“

 

Artikel von

Elisabeth Schmidbauer

 

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Kommentare (1)

    halifax 15.12.2011 | 15:44

    ein bisschen unkritisch, dass die autorin in dem abschnitt über die niederlande den citotoets nicht erwähnt. mit 12 (!) werden niederländische schulkinder diesem eignungtest unterzogen. wer dabei schwach abschneidet, hat fast keine möglichkeit, später an der uni zu studieren. die auswirkungen sind wahrscheinlich noch verheerender als mit dem geteilten mittelschulsystem in österreich. in den niederlanden wird der citotoets jedenfalls stark diskutiert.

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