25. Oktober 2012 | Gesellschaft

Wo bleiben die Nerdinnen?

 
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Technische Berufe liegen bei Frauen nicht im Trend
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Frausein und Erfolg in der Technik schließen sich nicht aus

Warum sind technische Berufe immer noch wenig interessant für Frauen? mokant.at fragt nach. 

 

„Ich wollte nie so sein wie die uncoole Mathestreberin in der Schule“, gestand eine Studienkollegin. Die wenigsten Mädchen zählen Mathematik, Physik oder Chemie zu ihren Lieblingsschulfächern und dementsprechend selten entscheiden sich Frauen danach auch für einen technischen Beruf. Laut Wirtschaftskammer Österreich halten sich Einzelhandels-, Bürokauffrau, Friseurin und Stylistin verlässlich unter den Top-Fünf Lehrberufen bei Mädchen. Auch aktuelle Immatrikulationszahlen der Universität Wien bestätigen, dass die eher klassischen Studiengänge wie Jus, Medizin, vergleichende Literaturwissenschaft oder Sprachen nach wie vor zu den beliebtesten Studien bei Frauen zählen. Und dass, obwohl technische Berufe sehr gute Zukunftsaussichten und auch vergleichsweise hohe Einstiegsgehälter bieten. 

 

Die Fakten

Einer aktuellen Microsoft-Studie zufolge soll es 2013 alleine in Österreich 10.000 Jobs in der IT-Branche geben. Doch ausgebildete Fachkräfte sind Mangelware und besonders Frauen sind in diesem Bereich rar gesät. Trotz der Aussicht auf einen fixen Job und ein gutes Gehalt hält sich der Ansturm auf die technischen Universitäten bei jungen Mädchen in Grenzen. Dabei versucht die Politik mit verschiedensten Initiativen seit Jahren, Schülerinnen die Technik schmackhaft zu machen. Doch Maßnahmen wie FiT (Frauen in der Technik), die Töchtertage oder Techwomen zeigen nur geringen Erfolg. Obwohl von Jahr zu Jahr mehr Mädchen an diesen Veranstaltungen teilnehmen, schlägt sich das nur bedingt in der Berufswahl nieder: Der erste technische Lehrberuf ist erst an zwanzigster Stelle in der Lehrberufsstatistik bei Mädchen zu finden.

 

Auch die Zahlen der Wiener Universitäten ergeben ein ähnliches Bild: Im Sommersemester 2011 waren rund 26.000 Studierende an der Technischen Universität Wien für ein technisches Studium inskribiert, davon waren nur 6000 Frauen. Dennoch lässt sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren in einzelnen technischen Studien ein Aufwärtstrend bei weiblichen Studierenden beobachten. So studieren mittlerweile fast genauso viele Frauen Architektur oder Raumplanung wie Männer. Dafür sind exotischere Studien wie Verfahrens- oder Elektrotechnik wiederum eindeutig männlich dominiert.

 

Beruf oder Berufung?

Die Mathematikstudentin Nicole hat sich mit ihrer Studienwahl einen Kindheitstraum erfüllt. „Mein Interesse für Mathematik war schon von klein auf gegeben, daher war es naheliegend, dass ich später einmal einen technischen Beruf ergreifen werde“, sagt die 23-jährige. „Auch in der Schule wurde ich von meinen Lehrern und Lehrerinnen eigentlich immer gefördert. Außerdem sind viele in meiner Familie technisch begabt, ich bin also quasi in dem Umfeld groß geworden.“

 

Rosa, eine der wenigen Vertreterinnen des männlich dominierten Studiengangs Elektrotechnik weiß genau, dass sie später einmal kein Problem haben wird, einen Job zu finden. Doch nicht nur wegen des guten Einstiegsgehalts, sondern vor allem wegen ihrer technischen und mathematischen Begabung hat sie sich für ihr Studium entschieden. Jedoch betont die 20-Jährige auch, dass sie sich nie wirklich gefördert oder motiviert gefühlt hat: „Meine Lehrer und Lehrerinnen hätten mir das nie zugetraut. Obwohl ich immer gut in Naturwissenschaften war, gehörte ich eher zu den Schülerinnen, die durch ständiges Quatschen negativ aufgefallen sind. Ich war nie wirklich das, was man einen typischen Nerd oder Streber nennen könnte.“

 

Vergessene Vorbilder

Als ein Grund für das geringe Interesse vom Mädchen an technischen Berufen wird oft das Fehlen von weiblichen Vorbildern ins Treffen geführt, mit denen sich Mädchen identifizieren können. Obwohl die männliche Dominanz nicht zu verleugnen ist, gibt es doch einige Beispiele von erfolgreichen Frauen in der Technik. Die wohl bekannteste ist die zweifache Nobelpreisträgerin Marie Curie (1867 – 1934). Sie ist nach wie vor die einzige Frau, die es geschafft hat, in zwei verschiedenen Gebieten (Chemie und Physik) Nobelpreise zu erhalten. Curie hat nicht nur verschiedenste chemische Elemente entdeckt, sie war es auch, die den Begriff Radioaktivität prägte, wie wir ihn heute kennen und verwenden. Doch auch aktuelle weibliche Erfolgsgeschichten zeigen, dass Frausein und Erfolg in der Technik nicht zwingend ein Widerspruch sein muss.

 

Tatjana Oppitz etwa steht seit Anfang 2011 als Generaldirektorin IBM Österreich vor. Die Absolventin der Wirtschaftsuniversität Wien demonstriert, dass auch ohne ein technisches Studium eine Führungsposition in einem internationalen technischen Unternehmen möglich ist. Und auch das Technische Museum in Wien wird seit zwölf Jahren von einer Frau geführt – Gabriele Zuna-Kratky ist dort seit dem Jahr 2000 Direktorin und Geschäftsführerin. Und schließlich hat seit dem 11. Oktober des Vorjahres an der TU Wien eine Frau das Sagen. Sabine Seidler, die in Werkstoffwissenschaft promovierte, ist die erste Rektorin der größten technischen Universität Österreichs.

 

Artikel von Lisa Radda

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