Schönwetteraktivität
Am 20. Oktober 2012 fand in Luxemburg die Prinzenhochzeit statt und zu diesem Anlass wurde die ganze Stadt festlich geschmückt und gründlich gesäubert. Europas kleinste Hauptstadt glänzte in der Sonne und zeigte sich für „Die Hochzeit des Jahres“ - so der Titel von Point24, einer Luxemburger Gratiszeitung - von seiner schönsten Seite. Alle Fahnen wurden gehisst, Fotos des Brautpaars wurden extra vom Außenministerium an Shops und Bars verteilt, um die Auslagen damit zu schmücken und die Zeitungen kamen mit Extraausgaben über die Feierlichkeiten nicht mehr nach. Kurzum: Die ganze Stadt war dieses Wochenende im Hochzeitsfieber.
Wenn Luxemburg zum Hochsicherheitstrakt wird
Die sonst sehr idyllische Stadt wurde an diesem Wochenende zu einem Sicherheitsdiensttreffen sondergleichen. Gesperrte Straßen und Umleitungen soweit das Auge reicht. Alle fünf Minuten ertönen irgendwo Sirenen und Gehupe. Die Motorradpolizei mit Blaulicht gefolgt von schwarzen Limousinen rast weit über dem Tempolimit über die Straßen. Wirft man einen Blick auf die Gästeliste, ist dieses Aufgebot an Polizisten auch nicht verwunderlich. Denn unzählige Prinzen und Prinzessinnen ließen es sich nicht nehmen, bei der Trauung in der Notre-Dame-Kirche teilzunehmen. Zu den geladenen Gästen zählten neben der gesamten luxemburgischen Fürstenfamilie und dem belgischen Königshaus auch Kronprinz Haakon und Mette Marit von Norwegen, Kronprinz Willem Alexander und Maxima der Niederlande sowie auch Prinz Hassan und Prinzessin Sarvath von Jordanien.
Ils on dit „oui“
Freitagnachmittag gaben sich der Erbgroßherzog und die Gräfin im Luxemburger Rathaus das Ja-Wort. Die standesamtliche Hochzeit wie auch die am darauffolgenden Tag stattfindende kirchliche Trauung wurden auf dem Knuedler, Luxemburgs größtem Platz, via Videoscreen als Public Viewing übertragen. Nach der Trauung zeigten sich die Eheleute wie auch ihre Familien auf dem Balkon des großherzoglichen Palais um dem Volk zuzuwinken. Diese Zeremonie kennt man aus anderen Königshäusern auch, allerdings hatte man den Eindruck, dass die Luxemburger etwas volksnäher sind als andere gekrönte Häupter. Sie gingen auf die Kuss–Rufe sehr wohl ein und auch Großherzogin Maria Teresa lehnte sich des Öfteren übers Geländer, um besser sehen zu können.
Alles für das Volk
Damit auch die Luxemburger selbst nicht zu kurz kommen, fand Samstagabend ein zwanzig Minuten andauerndes Feuerwerk statt, das die Stadt in alle Farben tauchte. Ein junger Luxemburger neben mir meinte anerkennend: „Das ist fast noch schöner als zu Silvester.“ Und er schien damit nicht Unrecht zu haben, denn sobald der letzte Funke erloschen war, ertönte in der ganzen Stadt Jubel und Beifall. Trotz vorangegangener Missgunst über das teure Spektakel schien es den Einwohnern dann doch gefallen zu haben.
Und auch die Live-Auftritte von Selah Sue, einer beglischen Pop-Künstlerin, und Funky P, einer Luxemburger Soulband, begeisterten die Menge. Außerdem waren alle Öffi-Fahrten am Samstag kostenlos und auch die Öffnungszeiten der Lokale durften extra für den „Tag der Freude“ verlängert werden. Auch am Sonntag gönnten sich die Luxemburger keinen Ruhetag, sondern sperrten die Geschäfte für einige Stunden zum „After Wedding Shopping“ auf.
So feierte eine ganze Stadt an diesem Wochenende Hochzeit. Böse Zungen behaupten allerdings auch noch nach den Feierlichkeiten, dass alles inszeniert gewesen sei. Schon seit Längerem geht das Gerücht um, dass Erbgroßherzog Guillaume in Wahrheit schwul sei.
Artikel von Lisa Radda






































