„In Lehrveranstaltung Strahlturbinen bauen“
Gerhard Pramhas von der FH Neustadt über die neue Studienrichtung Aerospace Engineering
Seit diesem Wintersemester gibt es an der FH Wiener Neustadt eine neue Studienrichtung, die für Österreich einzigartig ist. So gesehen eigentlich nicht aufregend, wenn es sich dabei nicht um Raum- und Luftfahrt handeln würde. Im Interview erklärt Direktor Gerhard Pramhas, was wir uns von der neuen Studienrichtung Aerospace Engineering erwarten können, welche Auswahlkriterien es gibt und welche Chancen sich den Absolventen dieser Studienrichtung bieten werden.
mokant.at: Was kann man sich genau unter der Studienrichtung „Aerospace Engineering“ vorstellen?
Pramhas: Wir sind hier in Wiener Neustadt in einem sehr interessanten Umfeld, was Luft- und Raumfahrt betrifft. Aus dieser historischen Lage heraus ist die Idee entstanden ein Maschinenbaustudium zu machen, das eine Ausrichtung auf Luft- und Raumfahrt hat – weil es einfach ein sehr interessantes Thema ist und weil die Arbeitsplätze hier in der Region vorhanden sind. Luft- und Raumfahrt soll letztendlich eine Ausbildung sein, die Studierenden sowohl im luftfahrttechnischen Bereich eine Ausbildung vorgibt als auch in der Raumfahrt. Der Bereich der Raumfahrt ist in Österreich ausbildungsmäßig noch überhaupt nicht abgedeckt. Wir haben begonnen Forschungsaktivitäten zu setzen, gemeinsam mit der europäischen Weltraumorganisation ESA und auch mit der NASA. Wir erhoffen uns, ein Nucleus für raumfahrttechnische Unternehmen zu sein.
mokant.at: Das bedeutet also, dass das der erstmalige Versuch ist, in Österreich eine solche Studienrichtung einzuführen?
Pramhas: Erstmalig im Sinne der Kombination von Luft- und Raumfahrt. Für Luftfahrt gibt es ein Studium an der FH Joanneum Graz. Aber ohne Raumfahrt-Schwerpunkt.
mokant.at: Welche Praktikumsplätze werden den Studenten angeboten? Inwiefern gibt es Kooperationen mit der ESA und NASA?
Pramhas: Die Praktikumsplätze werden zum Teil in der Region angeboten. Wir haben ein Arrangement mit Diamond Aircraft getroffen, einem Sportflugzeughersteller in Wiener Neustadt. Dann gibt es ein Motorenwerk, das sich auf luftfahrtspezifische Antriebssysteme spezialisiert hat, die Austro Engine. In der Nähe gibt es die Firma List, die sich mit dem Interieur von Flugzeugen, vor allem von Businessjets, auseinandersetzt. Auch hier wird es Praktikumsplätze geben. Natürlich werden wir auch unsere Kontakte zur europäischen Weltraumorganisation ESA und zur NASA nutzen, um auch dort Praktika zu ermöglichen – also besonders spannend.
mokant.at: Es gibt also die Möglichkeit direkt aus dem Studium ein internationales Praktikum zu beziehen.
Pramhas: Ganz sicher. Wir stellen uns das so vor: Das Studium startet im Herbst 2012 und innerhalb der Studienzeit wollen wir die besten Studenten bereits für Forschungsprojekte mitnehmen. Hier ergeben sich dann die Kontakte von selbst.
mokant.at: Welche Studenten wollen sie ansprechen? Wie viele Studenten werden gesucht und wie viele sollen letztendlich genommen werden?
Pramhas: Wir wollen internationale Studierende ansprechen. Wir werden den Studiengang in englischer Sprache anbieten. Wir haben vor, etwa zwanzig bis dreißig Studienplätze zur Verfügung zu stellen und wollen Absolventen von technischen Bachelorlehrgängen ansprechen: Maschinenbau, Elektrotechnik oder Mechatronik. Wir haben schon einige Werbeaktivitäten, auch im osteuropäischen Ausland, getätigt, und hier ist eine sehr große Response vorhanden. Die Studierenden fragen bereits nach dem Studium.
mokant.at: Sie wissen schon welche Vorlesungen abgehalten werden sollen, welche Professoren lehren sollen, was der Studienlehrgang bezwecken soll und welche Themen abgedeckt werden sollen?
Pramhas: Ja, das wissen wir. Wir haben einen Pool von etwa zehn Lehrenden aus den eigenen Reihen - aus den Forschungsprojekten, die wir mit unseren eigenen Mitarbeitern durchführen. Weiters werden auch die Unternehmen, die ich vorher genannt habe – aber es gibt noch einige mehr – Lehrende stellen. Das wird dann automatisch die Verbindung von den Studierenden zu den Unternehmen herstellen. Die Praktikumsplätze ergeben sich daraus von selber. Ich darf eine kleine Zahl nennen, die ich jetzt gerade im Kopf habe: FACC in Ried sucht aktuell zum Beispiel vierzig Ingenieure, die sie auf der Stelle nehmen würden, wenn wir sie hätten. Sie finden sie in ganz Österreich nicht.
mokant.at: Welche Ingenieure werden gesucht?
Pramhas: Grundsätzlich Maschinenbauer und Elektrotechniker, Elekroniker und Mechatroniker. Aber wenn die dann, so wie wir es vorhaben, eine facheinschlägige Ausbildung dazu haben, wenn sie sich während des Studiums schon mit luft- und raumfahrtspezifischen Themen beschäftigen, dann werden die bevorzugt genommen. Und genau das haben wir vor.
mokant.at: Können sie einen Überblick darüber geben welche Themengebiete und Bereiche in den Vorlesungen abgedeckt werden sollen?
Pramhas: Wir werden in der mechanischen Konstruktion sehr viel mit den Firmen zusammenarbeiten und Luftfahrzeuge konstruieren. Wir werden Flugzeugteile und Triebwerksteile konstruieren. Wir werden kleine Raketentriebwerke bauen. Das machen wir jetzt in der Forschung auch schon. Das heißt: Unsere Studierenden werden während der Lehrveranstaltungen kleine Strahlturbinen und kleine Raketentriebwerke entwickeln und auch bauen. Grundsätzlich ist die Mechanik ein sehr wesentlicher Bestandteil der Ausbildung. Hier kommt es sehr stark darauf an, wie hoch das Mechanikniveau aus dem Bachelorstudiengang ist. Dann gibt es einige Spezialvorlesungen wie zum Beispiel: Navigation von Satelliten in der Umlaufbahn. Das ist ein nicht ganz einfaches Thema. Wir werden auch rechtliche Themen streifen und Projektmanagement.
Ein ganz ein wesentlicher Punkt wird die Masterarbeit im vierten Semester sein, die dann schon bei den Firmen abgeschlossen werden soll. Das vierte Semester wird bei einem Unternehmen oder bei der ESA oder NASA stattfinden.
mokant.at: Welchen Auswahlverfahren werden sich die Studierenden unterziehen müssen? Welches Vorwissen muss man als Bewerber besitzen?
Pramhas: An Vorwissen fachlicher Natur gar nichts. Es ist einfach nur wichtig, dass man einen Bachelorabschluss hat. Wir werden das Studium auf 25 Bewerber auslegen. Wenn mehr als 25 Bewerber da sind, dann werden wir nach der Herkunft der Studierenden auswählen – also nach den Universitäten, wo sie herkommen –, nach dem Notendurchschnitt und nach einem persönlichen Gespräch - wobei der Notendurchschnitt das unwichtigste Kriterium ist. Hier geht es auch um den Eindruck. Da wir eine studienplatzbezogene Förderung haben, also pro Student eine öffentliche Zuwendung bekommen, können und werden wir auch nicht mehr Studierende aufnehmen, als wir auch finanziert bekommen. Das soll auch ein Qualitätskriterium sein.
mokant.at: Besteht die Chance, die Zahl der Studienplätze bei einer hohen Anzahl an Interessenten und Interessentinnen noch zu erweitern?
Pramhas: Ja, genau. Das können wir machen, haben wir im Moment aber nicht vor.
mokant.at: Weil Sie damit rechnen, dass, wie in jedem Studiengang, einige das Studium vorzeitig abbrechen werden?
Prahams: Genau. Das wird auch hier passieren. Ich hoffe es nicht, aber es ist einfach die Realität.
mokant.at: Wieso soll man sich für dieses Studium entscheiden?
Pramhas: Abgesehen vom faszinierenden Thema und von faszinierenden Unternehmen, ist es einfach annähernd eine Jobgarantie, aus heutiger Sicht. Es gibt derartig viel Nachfrage, grundsätzlich nach Ingenieuren und vor allem nach Ingenieuren aus Luft- und Raumfahrt. Österreich beginnt sich jetzt über das Infrastrukturministerium mehr in Weltraumfragen einzuklinken. Wir sind ja ein zahlendes Mitglied bei der ESA, der europäischen Weltraumorganisation, und es beginnt sich jetzt schon langsam in Österreich eine Weltraumzulieferindustrie zu entwickeln.
Es braucht niemand Angst haben, dass wir eine Raketenstartrampe bauen, aber es gibt jetzt schon eine zunehmende Anzahl von Unternehmen, die an die ESA liefern. Oder an Raumfahrtkomponentenerzeuger liefern. Und natürlich an die großen Luftfahrtunternehmen in Europa – an Airbus zum Beispiel. Die Anzahl der Unternehmen ist stetig im Steigen. Das heißt, es gibt hier eine sehr interessante Möglichkeit von Jobs – nicht nur im Ausland, sondern auch zunehmend im Inland. Wir wollen einfach dazu beitragen, dass Unternehmen, die sich mit diesen Hightech-Themen beschäftigen wollen, auch die entsprechenden Arbeitskräfte vor der Haustür finden.






































