22. März 2012 | Gesellschaft

Kuss = x² + (a-b)³

 
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„Küssen“ ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen
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Männer küssen für Sex, Frauen für die Beziehung

mokant.at hat sich das Phänomen „Kuss“ aus wissenschaftlicher Sicht angesehen

 

Eigentlich tun wir es alle. Ob zur Begrüßung, zum Abschied oder aus Liebe. Die Rede ist vom Küssen. Küssen ist ein soziales Phänomen, das in verschiedensten Kulturen auf der ganzen Welt geläufig ist. Studien zufolge legen über 90 Prozent der Weltbevölkerung dieses Verhalten an den Tag. Und wer schon mal jemanden geküsst hat, sollte meinen, dass Küssen keine Wissenschaft ist. Nun, falsch gedacht! Es ist eine und nennt sich Philematologie. Die Philematologie untersucht den Kuss in jeder Hinsicht: von den physischen Auswirkungen eines Kusses, bis hin zu sozialen und kulturellen Aspekten. mokant.at hat sich einige Aspekte genauer angesehen.

 

Der Ursprung des Kusses

Obwohl derzeit nur wenig über die Entstehung dieses sozialen Phänomens bekannt ist, gibt es dennoch hierzu einige Erklärungsversuche. Eine der ersten Theorien nahm an, dass Küssen auf die Römer zurückgeht. Als die römischen Ehemänner am Abend nach Hause kamen, sollen sie ihre Frauen geküsst haben, um zu sehen ob diese nicht Wein getrunken hatten. Diese Theorie wurde jedoch widerlegt, als man herausfand, dass Küssen schon den alten Indern, Persern und Griechen lange vor der römischen Zivilisation bekannt war. Moderne Theorien sehen den Ursprung des Kusses noch viel weiter in der Vergangenheit zurückliegen. Elisabeth Oberzaucher vom Institut für Anthropologie der Universität Wien zitiert die folgende Theorie: „Küssen hat seinen Ursprung im Mund zu Mund füttern, also darin, dass Mütter einfach Nahrung zu einem Brei zerkaut haben und dann ihre Kinder damit fütterten.“

 

Austausch genetischer Informationen

Eine zweite Theorie setzt sich mit der Partnerwahl auseinander: „Wir können anhand des Geruchs relativ gut einschätzen, wie ähnlich oder unähnlich die Gene des Partners sind. Geruch ist etwas, das wir besser aus der Nähe wahrnehmen können und beim Küssen kommt man sich nahe. Aber wir haben auch herausgefunden, dass sich bestimmte Stoffe in allen menschlichen Körperflüssigkeiten wiederfinden“, meint Oberzaucher weiter. Anhand des Speichelaustausches, der beim Küssen stattfindet, erhalte man so noch zusätzliche Informationen über die genetische Ausstattung des Partners.

 

Obwohl wir nicht genau wissen wie der Kuss entstanden ist, gibt es viele Fakten, die übers Küssen bekannt sind. Durchschnittlich verbringen wir ungefähr 26 Stunden pro Jahr mit Küssen. Während eines 5 Sekunden langen Zungenkusses werden zwischen den Partnern bis zu 11.000 Bakterien ausgetauscht. Die Hautdurchblutung steigt um 30 Prozent, bis zu 34 verschiedene Gesichtsmuskeln werden aktiviert und verbrennen rund 4 Kalorien pro Minute. Und ein Kuss ist noch mehr als ein Gesichtsworkout. 

 

Küssen macht glücklich und süchtig

„Es werden Hormone ausgeschüttet, die auch eine wichtige Funktion für das Entstehen einer Bindung haben. Diese Hormone machen uns glücklich, man sucht diese Erfahrung immer wieder, wie bei einer klassischen Sucht eben. Das positive Gefühl verbindet man dann mit einer Person“, erklärt die Anthropologin. Dabei gibt es Unterschiede im Kussverhalten von Männern und Frauen. So ist das männliche Geschlecht eher von feuchten Küssen mit viel Zungenaktivität angetan, während Frauen es lieber trockener haben. Es wird nachweislich mehr Speichel vom Mann auf die Frau übertragen als umgekehrt. Wissenschafter nehmen an, dass dadurch bei Frauen vor der Schwangerschaft eine Immunisierungsreaktion ausgelöst werden soll, damit das Kind später vor gewissen Erregern des Mannes geschützt ist.

 

Sex oder Beziehung?

Männer und Frauen unterscheiden sich aber nicht nur in der Art wie sie küssen, sondern auch in der Absicht warum sie küssen. Psychologen der New York State University haben herausgefunden, dass während die Männer sich vom Küssen höhere Chancen auf Sex erwarten, Frauen dadurch vor allem die Beziehung festigen wollen. Aber kann man diese Unterschiede auch wirklich spüren? „Ich hab die Erfahrung gemacht, das Frauen beim Küssen sanfter und kreativer sind als Männer“, ist Julia, Publizistikstudentin aus Wien, überzeugt. Jelle, ein Austauschstudent aus Brüssel, der bei einer Love Parade einmal einen anderen Mann geküsst hat, ist da anderer Meinung: „Es ist total gleich. Wenn man die Augen schließt, kann man keinen Unterschied erkennen.“

 

Artikel von Lubomir Polach

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