21. Februar 2012 | Gesellschaft

Könige der Herzen

 
flickr.com/Klaus Nahr, flickr.com/Gunnar Wrobel
König Edward VIII und Prinz Louis entschieden sich gegen die Krone
mokant.at collage > fotos: flickr.com/Kevin Dooley, flickr.com/Thomas Quine, flickr.com/sandra.scherer (cc), wikimedia.com/Bir2000 (cc)
Franz Müntefering pflegte lieber seine krebskranke Frau

Nur wenige Mächtige haben sich für die Liebe entschieden und auf Macht verzichtet


Als sich König Edward VIII im Jahre 1936 gegen den britischen Königsthron und für die Liebe zu einer Frau entschied, waren ihm die Schlagzeilen rund um den Globus sicher. Er hatte sich in eine verheiratete und bereits einmal geschiedene bürgerliche Amerikanerin namens Wallis Simpson verliebt und wollte sie heiraten. Ein absolutes No-Go für die konservative britische Regierung und Kirche. Beide wandten sich klar gegen die, ihrer Meinung nach, unmoralische Verbindung. Doch während sich andere in der Regel für die Macht und gegen die Liebe entscheiden, tat der britische König genau das Gegenteil. Er dankte als britischer König ab, heiratete seine Geliebte und lebte fortan nur mehr als „Seine Königliche Hoheit, Duke of Windsor“, fernab jeder königlichen Verantwortung.

 

Verzicht auf die Thronfolge

Den britischen Thron übernahm statt ihm sein stotternder Bruder George VI., auf dessen Leben im Übrigen der Oscar-Abräumer des vergangenen Jahres, The Kings Speech, basiert. So kitschig die Geschichte um Edwards Abdankung auch klingen mag, so außergewöhnlich ist seine Entscheidung für die Liebe und gegen die Macht, wie die raren Beispiele aus der Welt des Adels und der hohen Politik zeigen.

 

Beinahe unbemerkt von den ausländischen Medien verzichtete der luxemburgische Prinz Louis im Jahre 2006 auf seine Rechte als Thronfolger. Seine Eltern Großherzogin Maria-Teresa und Großherzog Henri von Luxemburg waren „not amused“ als sie im Jahr davor erfahren hatten, dass ihr erst 19-jähriger Sohn Louis sie zu Großeltern machen würde. Der Teenager hatte sich während eines Truppenbesuchs im Kosovo in die um wenige Monate ältere Unteroffizierin Tessy Antony verliebt. Ähnlich wie bei Edward rümpften besonders die konservativen Royalisten ihre adeligen Nasen ob der Verbindung des Prinzen mit einer Bürgerlichen. Doch Prinz Louis ließ sich davon wenig beeindrucken und heiratete noch 2006 die Mutter seines Sohnes Gabriel, der Anfang desselben Jahres zur Welt gekommen war. Für die Zustimmung seiner Eltern verzichtete er auf alle seine Rechte als Thronfolger. Louis und Tessy sind mittlerweile Eltern zweier Söhne. Durch den Verzicht ihres Vaters auf den Thron sind aber auch die beiden von der Thronfolge im luxemburgischen Großherzogtum ausgeschlossen.

 

Entscheidung für die krebskranke Frau

Gegen einen Thron der anderen Art entschied sich der SPD-Politiker Franz Müntefering. Der heute 72-jährige Deutsche war von 2005 bis 2007 deutscher Vizekanzler und Minister für Arbeit und Soziales. Seine Frau und Parteikollegin Ankepetra litt damals bereits jahrelang an einer schweren Krebserkrankung. Am 13. November 2007 ließ Müntefering seine Regierungskollegen und die Öffentlichkeit wissen, dass er ab sofort all seine politischen Funktionen zurücklegen werde. Mit dem denkwürdigen Satz „Ich will jetzt bei meiner Frau sein“ entschied sich Franz Müntefering gegen die Macht — und für seine Liebe. Seinen neuen Job als Krankenpfleger am Bett seiner schwerkranken Frau versah er bis zu ihrem Tod acht Monate später. Dass aber auch ihm der Verzicht auf die Macht nicht gerade leicht gefallen war, zeigt sein baldiger Wiedereinstieg in die Politik: Nicht einmal einen Monat nach dem Tod seiner Frau kehrte er in die Spitzenpolitik zurück und wiederum ein Monat später war er bereits Bundesvorsitzender der SPD.

Erzähle von uns:


 

Kommentare (0)






Erlaubte Tags: <b><i><br>Kommentar hinzufügen:


-->