Kling, Glöckchen
Die Ursprünge unserer Traditionen haben zum Teil nichts mit dem Christentum zu tun
Heutzutage gehört das Christkind in Österreich ebenso fix zum Weihnachtsfest, wie der Weihnachtsbaum. Im Advent öffnen jeden Tag Millionen österreichische Kinder ihren Adventkalender und freuen sich noch etwas mehr auf das bevorstehende Fest und die Geschenke. Kaum vorstellbar, dass das einmal nicht so war. Einige weihnachtliche Brauchtümer, die für uns selbstverständlich sind, haben sich nämlich erst im Laufe der Zeit entwickelt – andere entstanden auf Basis von Traditionen, die so gar nichts mit dem Christentum zu tun haben.
Fröhliche Weihnacht überall
Der Ursprung des Weihnachtsfests liegt noch in der Zeit vor dem christlich-katholischen Brauchtum. Schon lange vor dem christlichen Fest gab es zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende unterschiedliche Zeremonien, die die Sehnsucht nach Licht und Sonne ausdrückten. So feierten die Schweden bis ins 18. Jahrhundert das Luciafest am 13. Dezember. Es werden auch Zusammenhänge mit dem vorchristlichen Julfestes vermutet, dem skandinavischen Wintersonnenwende-Fest. Als Protest gegen diese heidnischen Bräuche feierten die Christen etwa seit dem 4. Jahrhundert dann die Geburt Jesu Christi. Zu dem Familienfest, wie wir es heute kennen, wurde Weihnachten aber erst im 19. Jahrhundert.
Advent, Advent, ein Lichtlein brennt
Wie viele unserer heutigen Weihnachtsbräuche gibt es auch den Adventkranz eigentlich noch nicht so lange. Erfunden hat ihn der Lehrer und Theologe Johann Hinrich Wichern im Jahr 1839. Um die Jugendlichen in der von ihm gegründeten Erziehungsanstalt mit christlichen Traditionen vertraut zu machen, hängte Wichern im Speisesaal einen mit Zweigen umwundenen Kranz auf. Für jeden Wochentag zierte eine kleine Kerze und für jeden Adventsonntag eine große Kerze den Adventkranz. Um die Erwartungen und die Vorfreude auf Weihnachten zu erhöhen, wurde jeden Tag eine weitere Kerze angezündet.
Ihr Kinderlein kommet
Auch der Adventkalender gehört für uns zu Weihnachten wie das Salz in die Suppe. Erfunden wurde der Kalender erst Mitte des 19. Jahrhunderts um die Erwartung der Kinder auf das bevorstehende Fest zu steigern. Ursprünge einer Gliederung in der Art eines Kalenders gab es schon früher: Anfang des 20. Jahrhunderts druckte Gerhard Lang den ersten Kalender mit aufklappbaren Türchen. Dahinter waren Bilder, die an die Geburt Jesu erinnern sollten, zu sehen. Wie so vieles wurde diese Tradition in Zeiten des Nationalsozialismus für eigene Zwecke missbraucht. Damals wurden anstatt der christlichen Bilder vermehrt Märchendarstellungen und Motive, die an germanische Gottheiten erinnern sollten, eingesetzt.
Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum
Die Verwendung des Tannenbaums für das Weihnachtsfest hat ebenso ihren Ursprung in verschiedenen Kulturen. Schon in vorchristlicher Zeit sprachen die Menschen den immergrünen Zweigen des Nadelbaums magische Kräfte zu. Die Zweige des Baumes wurden zur Wintersonnenwende in den Häusern und Scheunen der Menschen aufgehängt, um böse Geister abzuwehren und für Glück und Gesundheit im Haushalt zu sorgen. Diese heidnischen Bräuche waren unter christlichen Kulturen verpönt, und die Verwendung der immergrünen Zweige wurde zwischenzeitlich sogar verboten.
Dennoch setzte sich die Verwendung eines Tannenbaums zu Weihnachten auch im christlichen Glauben durch. Zum ersten Mal wurde der Baum 1419 erwähnt: ein Bäcker aus Freiburg schmückte seine Tanne mit allerlei Gebäck, Äpfel und Nüssen. Bis zum 19. Jahrhundert verbreitete sich dieses Brauchtum weltweit.
Morgen Kinder, wird's was geben
Das Verschenken von Gaben hat sich auch erst im Lauf der christlichen Geschichte entwickelt. Ursprünglich stammt der Geschenke-Brauch nämlich von der Nikolaus-Tradition am 6. Dezember. Nach der Reformation wurde dieser Brauch dann nicht mehr dem Nikolaus am 6., sondern dem Christkind am 25. Dezember zugeschrieben. Ziel der Lutheraner war es vor allem gegen die heidnischen und katholischen Zeremonien vorzugehen. Zunächst trat dabei noch nicht das Christkind, sondern der Christ auf, der den artigen Kindern nachts heimlich Geschenke bringt.
Das Christkind als engelartiges, blondgelocktes Kind erschien schließlich erst ab dem 17. Jahrhundert. Wurden bis zum 18. Jahrhundert nur Kinder beschenkt, verbreitete sich dann auch der Brauch, Erwachsene zu beschenken. Eine Tradition, die heute ein enormes wirtschaftliches Volumen angenommen hat: Allein für das Monat Dezember 2011 wird in Österreich laut Handelszeitung ein Weihnachtsumsatz von 1,8 Milliarden Euro erwartet.
Artikel von
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